Deutsche Elektrobranche sieht 2025 Chance auf Erholung 30.01.2025, 15:00 Uhr

ZVEI: Umsatzeinbruch von fast 10 % 2024

Die deutsche Elektro- und Elektronikbranche lässt laut Verband ZVEI 2024 deutlich Federn. Eine Erholung hängt an drei wesentlichen Faktoren.

Die deutsche Elektro- und Elektronikbranche lässt laut Verband ZVEI 2024 deutlich Federn. Eine Erholung hängt an drei wesentlichen Faktoren, so ZVEI-Präsident Gunther Kegel. Die Erholung in den Hauptexportmärkten USA und China und dem Wiedererstarken des Heimatmarktes. Foto: ZVEI/Alexander Grüber

Die deutsche Elektro- und Elektronikbranche lässt laut Verband ZVEI 2024 deutlich Federn. Eine Erholung hängt an drei wesentlichen Faktoren, so ZVEI-Präsident Gunther Kegel. Die Erholung in den Hauptexportmärkten USA und China und dem Wiedererstarken des Heimatmarktes.

Foto: ZVEI/Alexander Grüber

Der Rückblick auf die konjunkturelle Entwicklung der Elektro- und Digitalindustrie des Jahres 2024 fällt für den ZVEI-Präsidenten Gunther Kegel ungewohnt schlecht aus. „Alle wichtigen Absatzmärkte drehen ins Minus“, resümierte er am 29. Januar 2025. 238 Mrd. € setzte die deutsche Branche noch 2023 um, nach ZVEI-Berechnungen sollen es 2024 223 Mrd. € gewesen sein, also –9,3 % gegenüber dem Vorjahr. Berechnungen deshalb, weil die Zahlen bisher erst bis November 2024 vorliegen. Im Herbst hatte der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (vormals: Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, ZVEI) noch mit –7 % für 2024 gerechnet.

„Aufgrund der Zahlen ist es nahezu erstaunlich, dass die Beschäftigtenzahlen weitgehend stabil gehalten werden konnten“, so Kegel. Gut 892.000 Menschen beschäftige die Branche, das seien 2 % weniger als 2023, circa 38.000 Menschen seien in Kurzarbeit. Alles deute darauf hin, dass „die Phänomene eben nicht nur konjunkturell bedingt sind. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass die Beschäftigungssituation deshalb weiter ins Negative dreht, sollte sich die schwache Wirtschaftslage fortsetzen.“ Eine schnelle Trendumkehr kann der ZVEI-Obere nicht erkennen. „Das Geschäftsklima wird weiterhin negativ bewertet.“ Daher rechnet der ZVEI auch für 2025 mit einem Rückgang des Umsatzes um noch einmal 2 %. Dennoch steckt in den ZVEI-Zahlen ein Hoffnungsschimmer.

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Exporte nach China und in die USA könnten eine Trendwende noch 2025 möglich machen

Zwar sind alle Teilbranche, die der ZVEI vertritt, vom Abschwung erfasst, aber Fahrzeugelektrik und Medizintechniker weisen jeweils +3 % beim Umsatz für 2024 aus. Verbrauchsgüter, Bauelemente und Elektroinstallationen liegen hingegen zwischen –11 % und –12 %. „Aber auch die wachstumsverwöhnte Automation blickt mit –7,8 % auf eines der schwächsten Geschäftsjahre seit Bestehen der Branche zurück“, so Kegel. Als Hauptgründe nennt er zwei Schlüsselmärkte: Deutschland und China.

Die Exporte seien zwar 2024 insgesamt um 3,9 % gesunken, aber die beiden Hauptexportmärkte stagnierten eher: die Ausfuhren in die USA schrumpften um 0,6 %, die nach China um 0,4 %. Und hier sieht Kegel zwar einerseits geopolitische Risiken, andererseits aber auch eine große Chance, dass sich 2024 nicht wiederholt. „Wir gehen von einer weiteren Erholung des chinesischen Marktes aus“, so Kegel. Aus dieser Stabilität werde jetzt wieder ein moderates Wachstum entstehen.

„Das würden wir für die USA eigentlich auch sehen, weil der Inflation Reduction Act schon zu einem großen Investitionsvolumen geführt hat, was jetzt im Endeffekt auch bei uns ankommt“, sagt Kegel. Die Frage sei nur, was Donald Trump an Zöllen für diese Branche plane. „Wenn dort nichts Gravierendes für uns passiert, dann gehen wir davon aus, dass sich die USA sehr deutlich erholen wird“, so Kegel, der sogar signifikante Wachstumsraten von deutlich über 5 % für möglich hält.

ZVEI hält deutsche Krise für hausgemacht, nächste Bundesregierung muss liefern

„Der Industriestandort Deutschland ist überreguliert und zu teuer. Er behindert unternehmerische Initiative und hat an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren“, analysierte Kegel, der sich seit vielen Jahren für einen Rückbau von Vorschriften und Bürokratie einsetzt. So habe es laut ZVEI in den letzten fünf Jahren 13.000 neue EU-Regulierungen gegeben, in den USA nur 3000. Zudem sei der Kostenblock aus Unternehmensteuern und Energiepreisen zu hoch, alles zusammen habe schon seit Jahren die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie geschwächt. Wobei da Kegel selbst auf einen Zeitraum von gut 20 Jahren verweist. Innerhalb dessen habe sich Deutschlands Anteil an der weltweiten Produktion in der Branche von fast 6 % im Jahr 2004 auf nunmehr unter 3 % mehr als halbiert.

Die Migrationsdebatte hat dabei laut Kegel für die Wirtschaft nicht die oberste Priorität, sondern die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Von daher sind die heutigen Signale aus Brüssel zum „Kompass Wettbewerbsfähigkeit“ von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein wichtiger Startschuss. Wobei Absichtserklärungen aus Brüssel laut Kegel jetzt nicht mehr opportun seien. „Will Europa politisch eine Größe bleiben, muss es die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der Gesellschaft stärken. Der Regulierungstsunami muss gestoppt und die Leistungsbereitschaft wieder gestärkt werden. Hierbei ist keine Zeit zu verlieren. Den Worten müssen endlich Taten folgen.“

Die Stimmung in der deutschen Industrie sei schlecht, die Zuversicht fehle: „Diese Stimmung zu drehen, das ist die wichtigste Aufgabe der neuen Bundesregierung. Das geht nur mit gezielten Maßnahmen wie Bürokratieabbau und Steuersenkungen.“

Sicherheit der Energieversorgung ist laut ZVEI eine Baustelle in Deutschland

Kegel schreibt der neuen Bundesregierung den Lastenzettel. „Gebremst werden wir durch zu viel Bürokratie und zu viel wirkungslose oder gar falsch wirkende Regulierung, zu hohe, zu volatile Energiepreise und mangelnde Energieversorgungssicherheit“, hinzu kämen:

  • zu hohe Arbeitskosten,
  • zu wenig Wochenarbeitszeit,
  • zu hohe Sozialbeiträge,
  • eine zu hohe Unternehmensbesteuerung,
  • mangelnde Finanzmittel im Bereich der Start-ups und Venturecapital,
  • selbst die Mittelstandsfinanzierung sei „heute teuer und überreguliert“,
  • Fachkräftemangel,
  • und ein rückläufiges Interesse der Schulabsolventen an Ingenieurwissenschaften.

Kegel führte den Punkt der Sicherheit der Energieversorgung auf Nachfrage von VDI nachrichten weiter aus. Zwar weise die Bundesnetzagentur immer noch gute Zahlen für die Stromversorgungsstabilität aus, aber die Zahl der Eingriffe nehme halt beständig zu. Um hier dauerhaft Stabilität zu garantieren, forderte er „den dringenden digitalen Ausbau unserer Netzinfrastruktur. Den müssen wir weiter vorantreiben, sonst wird irgendwann das Regulieren nicht mehr ausreichen. Und wir bekommen dann wirkliche Stromversorgungsengpässe.“

Kegel wollte nicht von Blackouts reden, das werde sich in Brownouts äußern, wenn also Lasten vom Netz genommen werden müssen. „Das betrifft natürlich die großen Energiebedarfsträger, also die Industrie, die dann als erste vom Netz gehen muss.“

Kegel zählt aus seiner Sicht auch die Planungssicherheit bei den Energiepreisen – sowohl Strom wie Gas – zur Versorgungssicherheit. Auch sei die Sicherheit bei der Versorgung mit LNG, Gas und Erdgas nach wie vor nicht final gelöst. „Der Füllstand unserer Gasspeicher ist im Moment nur noch 58 %. Das zeigt deutlich: Wir sind hier noch nicht durch“, so der ZVEI-Präsident. Zwar bereite ihm Energieversorgung noch kein „Kopfzerbrechen“, aber: „Wir haben hier noch eine erhebliche Aufgabe und wir sollten uns nicht der trügerischen Sicherheit hingeben, dass im Moment ja noch alles funktioniert.“ Um die fossilen Kraftwerke vom Netz zu nehmen, brauche es „einen massiven Netzausbau. Wenn wir das nicht tun, diesen Netzausbau, werden wir die Probleme mit der Energiesicherheit wirklich im Tagesablauf zu spüren bekommen. Das müssen wir natürlich unbedingt vermeiden“, so Kegel.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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