Sensorik 27.08.2025, 17:30 Uhr

Wenn Fasern fühlen lernen: Neuartige Drucksensoren

Japanische Forschende haben neuartige Drucksensoren in Faserform entwickelt, die dank ihrer einzigartigen mehrwandigen Struktur eine präzise und empfindliche Druckmessung ermöglichen. Sie überwinden bisherige Limitierungen herkömmlicher Sensoren und eröffnen neue Möglichkeiten für Anwendungen von Robotik bis hin zu Smart Textiles.

Grafik eines Raumes mit viertuellen Textilien

Die neuen Drucksensoren könnten auch smarte Textilien auf ein neues Level bringen.

Foto: SmarterPix/Prostock-studio

In einer Studie ist es einem Forscherteam der Shinshu-Universität in Japan gelungen, einen neuartigen Drucksensor in Faserform zu entwickeln. Während herkömmliche Drucksensoren oft sperrig und unflexibel sind, zeichnen sich die neuen TGTMW-Fasern (TiO2/Graphen/thermoplastische Polyurethan-Mehrwandfasern) durch ihre Flexibilität, Empfindlichkeit und Langlebigkeit aus. Das Herzstück bildet ein mehrwandiger leitfähiger Kern aus Graphen-Nanoplättchen (GNP), der bei Kompression den elektrischen Widerstand erhöht statt verringert. Dieses Verhalten ermöglicht eine präzise Druckmessung selbst bei kleinsten Verformungen und eröffnet damit neue Perspektiven für den Einsatz in intelligenten Textilien, Soft-Robotik und interaktiven Oberflächen.

Bislang stellte der effiziente Einbau von Drucksensoren in faserbasierte Systeme eine große Herausforderung dar. Aufgrund der Reihenschaltungsstruktur einer Faser hat eine lokale Widerstandsverringerung, wie sie bei den meisten konventionellen Drucksensoren auftritt, nur einen geringen Einfluss auf die Gesamtleitfähigkeit. Um diese Hürde zu überwinden, mussten die Forschenden einen Sensormechanismus entwickeln, der den Gesamtwiderstand der Faser bei Kompression signifikant erhöht. Genau das ist dem Team um Chunhong Zhu und Ziwei Chen mit ihrem Ansatz gelungen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit könnten den Beginn eines neuen Teilgebiets in der Sensorik markieren.

Einzigartiger Innenaufbau der TGTMW-Drucksensoren

Das Geheimnis der TGTMW-Fasern liegt in ihrem ausgeklügelten Innenaufbau. Durch ein spezielles koaxiales Nassspinnverfahren gelang es den Forschern, eine glatte Außenhülle aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) und Titandioxid (TiO2) sowie einen Kern aus 2D-Graphen-Nanoplättchen (GNP) herzustellen. Entscheidend für die Funktion der Fasern ist die mehrwandige Struktur des Kerns, die durch die Ausnutzung von Van-der-Waals-Wechselwirkungen und des Selbststapelungsverhaltens der flachen GNP entsteht. Umfangreiche Strukturanalysen und Experimente zeigten, dass sich die innere Mehrwandstruktur unter Kompression verbiegt und Mikrorisse bildet. Diese unterbrechen die leitenden Bahnen der axial ausgerichteten GNP und führen so zu einem starken Anstieg des elektrischen Widerstands der Faser.

Durch den beschriebenen Mechanismus können TGTMW-Fasern selbst dann ein Signal erzeugen, wenn nur ein kleiner Abschnitt komprimiert wird. Ein Sensor mit einer solchen Faser reagiert beispielsweise empfindlich genug, um eine leichte Berührung mit der Fingerspitze bei einem Mindestdruck von nur 0,1 N zu erkennen. Dieses feine Feedback macht die Fasern besonders attraktiv für Anwendungen, die präzise Druckmessungen erfordern. In der Soft-Robotik könnten TGTMW-Drucksensoren etwa in die Fingerspitzen von Robotergreifern integriert werden, die in der Altenpflege oder medizinischen Versorgung eingesetzt werden. Im Vergleich zu starren Sensoren bieten die flexiblen und nachgiebigen Fasern dort entscheidende Vorteile in puncto Komfort und Sicherheit bei der Interaktion mit Menschen.

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TGTMW-Drucksensoren erkennen verschiedene taktile Ereignisse

Neben ihrer hohen Empfindlichkeit zeichnen sich die TGTMW-Fasern auch durch ihre Fähigkeit aus, zwischen verschiedenen Arten von taktilen Ereignissen zu unterscheiden. Das Forscher-Team demonstrierte das, indem sie Wavelet-Transformationen auf die Daten eines Dreifaser-Arrays anwendeten. Auf diese Weise konnten sie präzise zwischen unterschiedlichen Formen von Druck und Gleiten differenzieren. Zhu betont die besondere Bedeutung dieser Eigenschaft für die taktile Erfassung von Reibungszuständen: „Sie ermöglicht es Robotersystemen, zwischen statischer und dynamischer Reibung zu unterscheiden – ähnlich wie es die Fingerspitzen des Menschen tun. Dadurch könnte die Manipulation durch Roboter potenziell so nuanciert und geschickt werden wie die des Menschen.“ Diese Fähigkeit eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung hochsensibler Robotergreifer.

Über die Robotik hinaus bietet die Skalierbarkeit der TGTMW-Fasern auch Möglichkeiten für neuartige Designs bei intelligenten Textilien und interaktiven Oberflächen. Die Forschenden sehen großes Potenzial für die Integration von Systemen zur Gestenerkennung in spezielle Kleidungsstücke. Solche Smart Textiles könnten die Mensch-Maschine-Interaktion in schwierigen Umgebungen ermöglichen, in denen herkömmliche Eingabegeräte wie Touchscreens nicht praktikabel sind, beispielsweise unter Wasser oder im Weltraum. Die faserbasierte Drucksensorik eröffnet neue Wege für eine intuitive und nahtlose Kommunikation zwischen Mensch und Technik. Dank ihrer Flexibilität und Robustheit eignen sich TGTMW-Fasern ideal für die Entwicklung tragbarer Sensor-Arrays, die sich unauffällig in Kleidungsstücke integrieren lassen.

Faserbasierte Drucksensoren als Wegbereiter

Die von Zhu und seinem Team entwickelten TGTMW-Fasern markieren einen großen Schritt in der Entwicklung der Drucksensorik und ebnen den Weg für eine neue Generation flexibler Sensoren und intelligenter Geräte. „Um es ganz offen zu sagen: Unsere Arbeit könnte als Beginn eines neuen Teilgebiets angesehen werden – sie führt eine einzigartige faserbasierte Drucksensorarchitektur ein und bietet einen funktionierenden Prototyp mit solider Leistung“, resümiert Zhu. Das Design, die spezielle Struktur und die beeindruckenden Eigenschaften bergen ein großes Potenzial für zukünftige Entwicklungen.

Ein Beitrag von:

  • Julia Klinkusch

    Julia Klinkusch ist seit 2008 selbstständige Journalistin und hat sich auf Wissenschafts- und Gesundheitsthemen spezialisiert. Seit 2010 gehört sie zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima, KI, Technik, Umwelt, Medizin/Medizintechnik.

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