Ultraschneller Ladungstransfer 05.03.2026, 14:00 Uhr

Elektronen-Katapult: Neues Designprinzip für effizientere Solarzellen

Elektronen springen in 18 Femtosekunden über Materialgrenzen. Cambridge entdeckt ein neues Designprinzip für effizientere Solarzellen.

Dr. Pratyush Ghosh im Labor der Universität Cambridge

Dr. Pratyush Ghosh im Labor der Universität Cambridge: Der Physiker untersuchte mit ultraschnellen Lasermethoden, wie molekulare Schwingungen Elektronen in organischen Solarzellen über Materialgrenzen treiben können.

Foto: Nordin Ćatić / St John’s College, Cambridge

Solarzellen funktionieren nur dann effizient, wenn sich elektrische Ladungen möglichst schnell trennen. Ein internationales Forschungsteam hat nun beobachtet, dass Elektronen dabei viel schneller unterwegs sein können als bisher angenommen. In bestimmten organischen Materialien werden sie durch molekulare Schwingungen regelrecht „geschleudert“.

Die Messungen zeigen: Die Ladungstrennung kann innerhalb von nur 18 Femtosekunden erfolgen – also in weniger als 20 Billiardstel Sekunden. Die Beobachtung stellt bisherige Designregeln für organische Solarzellen infrage.

Elektronen bewegen sich im Takt der Moleküle

Die Forschenden nutzten ultraschnelle Lasermessungen, um die ersten Momente nach der Absorption von Licht zu untersuchen. In dieser Phase entscheidet sich, ob ein Material die eingestrahlte Energie effizient in Strom umwandeln kann.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Electrical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Mechanical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Umwelt und Landschaftsplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT-Firmenlogo
Commissioning Coordinator Platform 2GW (all genders) TenneT
Batam (Indonesien) Zum Job 
ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG-Firmenlogo
Techn. Systemplaner:in / Technische Gebäudeausrüstung (TGA) - Planer:in im Planungsteam Fernwärme (m/w/d) ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG
Bad Endorf Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Professur (w/m/d) Analog- und Digitalelektronik Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Kempten (Allgäu) Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 

Die Experimente zeigen, dass sich Elektronen nicht nur zufällig durch das Material bewegen. Stattdessen werden sie durch molekulare Schwingungen gezielt über eine Grenzfläche transportiert.

„Wir haben bewusst ein System entwickelt, das nach herkömmlicher Theorie keine so schnelle Ladungsübertragung ermöglichen sollte“, erklärte Dr. Pratyush Ghosh vom St John’s College in Cambridge. „Nach den herkömmlichen Konstruktionsregeln hätte dieses System langsam sein müssen, und genau das macht das Ergebnis so bemerkenswert.“

Die Messungen zeigen eine Art gerichteten Transport. „Anstatt zufällig zu driften, wird das Elektron in einem einzigen kohärenten Impuls ausgestoßen. Die Schwingung wirkt wie ein molekulares Katapult. Die Schwingungen begleiten den Prozess nicht nur, sie treiben ihn aktiv voran.“

Was in einer Femtosekunde passiert

Eine Femtosekunde entspricht einem Billiardstel einer Sekunde. Auf dieser extrem kurzen Zeitskala bewegen sich Atome innerhalb von Molekülen. Die Forschenden beobachteten, dass sich Elektronen nahezu im gleichen Rhythmus bewegen wie diese atomaren Schwingungen.

„Wir beobachten praktisch, wie Elektronen im gleichen Takt wie die Atome selbst wandern“, sagte Ghosh. Die Ladung überquerte dabei eine Materialgrenze innerhalb von 18 Femtosekunden. Das ist schneller als bei vielen bekannten organischen Solarzellen.

Der kritische Schritt in jeder Solarzelle

Wenn Licht auf ein organisches Halbleitermaterial trifft, entsteht zunächst ein sogenanntes Exziton. Dabei handelt es sich um ein gebundenes Paar aus negativem Elektron und positivem „Loch“.

Damit Strom fließen kann, muss sich dieses Paar trennen. Das Elektron wandert in ein anderes Material, während das Loch zurückbleibt. Dieser Prozess entscheidet über die Effizienz der Solarzelle.

Bisher galt eine einfache Regel:

  • Ein schneller Ladungstransfer benötigt einen großen Energieunterschied zwischen den Materialien.
  • Gleichzeitig muss die elektronische Kopplung stark sein.

Beides hat jedoch Nachteile. Große Energieunterschiede senken die erreichbare Spannung einer Solarzelle. Dadurch geht ein Teil der Energie verloren.

Künstlerische Darstellung eines Elektronentransfers auf molekularer Ebene
Künstlerische Darstellung eines Elektronentransfers auf molekularer Ebene: Eine Schwingungsmode des Moleküls koppelt an den elektronischen Zustand und treibt das Elektron über die Materialgrenze. Foto: Pratyush Ghosh

Ein bewusst „schwaches“ Materialsystem

Um diese Annahmen zu testen, konstruierte das Team ein Materialsystem, das eigentlich ungünstig für schnellen Ladungstransfer sein sollte. Ein Polymer-Donor wurde mit einem sogenannten Nicht-Fulleren-Akzeptor kombiniert. Zwischen beiden Materialien lag kaum Energieunterschied. Auch die elektronische Wechselwirkung war minimal.

Nach klassischen Modellen hätte die Ladungstrennung deshalb langsam verlaufen müssen. Stattdessen zeigte sich das Gegenteil. Das Elektron überquerte die Grenzfläche extrem schnell. „Es ist außergewöhnlich, dies auf dieser Zeitskala innerhalb einer einzigen Molekülschwingung zu beobachten“, sagte Ghosh.

Schwingungen treiben den Elektronentransport an

Die Laserexperimente zeigten, was im Material passiert. Nach der Absorption von Licht beginnen bestimmte chemische Bindungen im Polymer hochfrequent zu schwingen.

Diese Schwingungen verändern kurzfristig die elektronischen Zustände im Material. Dadurch erhält das Elektron einen gerichteten Impuls, der es über die Grenzfläche transportiert. Physiker sprechen hier von ballistischem Transport – also einer Bewegung ohne zufällige Streuung.

Bemerkenswert ist auch, dass das Elektron nach dem Transfer eine neue kohärente Schwingung im Akzeptormolekül auslöst. „Diese kohärente Schwingung ist ein eindeutiger Fingerabdruck dafür, wie schnell und sauber der Transfer erfolgt.“

Neue Regeln für das Materialdesign

Die Ergebnisse zeigen, dass die Geschwindigkeit der Ladungstrennung nicht allein von der elektronischen Struktur eines Materials abhängt. Auch die Moleküldynamik, also die Bewegung der Atome, spielt eine entscheidende Rolle.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die ultimative Geschwindigkeit der Ladungstrennung nicht nur durch die statische elektronische Struktur bestimmt wird“, sagte Ghosh. „Sie hängt davon ab, wie Moleküle schwingen. Das gibt uns ein neues Designprinzip.“

Auch Professor Akshay Rao vom Cavendish Laboratory sieht darin eine neue Perspektive für Materialentwicklung. „Anstatt zu versuchen, die Molekularbewegung zu unterdrücken, können wir nun Materialien entwickeln, die sie nutzen – und so Schwingungen von einer Einschränkung in ein Werkzeug verwandeln.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.