Tanz der Nanopartikel 01.09.2025, 11:35 Uhr

TU Wien zeigt erstmals Katalysatoren bei der Arbeit in Echtzeit

TU Wien zeigt erstmals live, wie Katalysatoren Methan in Syngas verwandeln. Ein Blick ins Labor und auf dynamische Nanopartikel.

Bilder der Strukturen und Grenzflächen von PdO (rot) und Pd (blau) in atomarer Auflösung

Bilder der Strukturen und Grenzflächen von PdO (rot) und Pd (blau) in atomarer Auflösung mit Darstellung der Katalysatoroberfläche (rechts) und des Mikroreaktors im Elektronenmikroskop (links).

Foto: TU Wien

Methan, Sauerstoff, ein Katalysator – und schon soll Synthesegas entstehen. So einfach klingt es in der Theorie. Doch was dabei im Detail passiert, blieb lange ein Rätsel. Forschende der TU Wien haben nun zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Singapur einen Weg gefunden, den Vorgang in Echtzeit zu beobachten. Möglich wurde das mit einem Spezialmikroskop, das sogar chemische Reaktionen sichtbar macht.

Was ist eigentlich Syngas?

Syngas – kurz für Synthesegas – besteht aus Wasserstoff (H₂) und Kohlenmonoxid (CO). Diese Mischung ist eine Art Allround-Rohstoff der Industrie. Aus ihr lassen sich Treibstoffe, Kunststoffe und viele Chemikalien herstellen. Klassisch gewinnt man Syngas durch Dampfreformierung. Das braucht jedoch viel Energie. Eine Alternative ist die partielle Oxidation von Methan. Dabei wird Erdgas nicht komplett verbrannt, sondern nur teilweise mit Sauerstoff umgesetzt.

Klingt simpel, hat es aber in sich. Wird zu viel Sauerstoff eingesetzt, entsteht am Ende Wasser und CO₂ – kein Syngas. Wird zu wenig Sauerstoff verwendet, droht eine Ablagerung von Kohlenstoff, auch Koksbildung genannt. Der Balanceakt zwischen diesen Extremen ist technisch anspruchsvoll.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Electrical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Mechanical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Umwelt und Landschaftsplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT-Firmenlogo
Commissioning Coordinator Platform 2GW (all genders) TenneT
Batam (Indonesien) Zum Job 
ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG-Firmenlogo
Techn. Systemplaner:in / Technische Gebäudeausrüstung (TGA) - Planer:in im Planungsteam Fernwärme (m/w/d) ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG
Bad Endorf Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Professur (w/m/d) Analog- und Digitalelektronik Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Kempten (Allgäu) Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
RSE+ Architekten Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Bauleiter Hochbau, Baumanagement - LPH 6-9, Industrie & Gewerbe (m/w/d) RSE+ Architekten Ingenieure GmbH
Stuttgart, Kassel, Göttingen Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH

Die Rolle der Katalysatoren

Damit die Reaktion gelingt, braucht es Katalysatoren. Sie beschleunigen die Umwandlung, ohne selbst verbraucht zu werden. Palladium spielt dabei eine Schlüsselrolle. Doch bis jetzt war unklar, welche Form von Palladium eigentlich aktiv ist: das Metall selbst oder sein Oxid.

„Insbesondere wollten wir wissen: Wenn man die Reaktion mit Palladium-Nanopartikeln durchführt, ist dann das Palladium selbst für die Katalyse verantwortlich, oder Palladium-Oxid, das sich während der Reaktion bildet?“, sagt Prof. Günther Rupprechter von der TU Wien.

Kamera im Mikroskop

Um Antworten zu finden, setzten die Teams auf eine besondere Methode: die sogenannte operando Transmissionselektronenmikroskopie. Damit können Forschende winzige Metallpartikel nicht nur abbilden, sondern sie gleichzeitig in einer Reaktionsumgebung beobachten.

Dafür bauten sie im Mikroskop einen Mikroreaktor, in dem Methan und Sauerstoff auf die Palladium-Partikel trafen. Währenddessen zeichnete das Gerät jede Veränderung auf. Parallel kontrollierten Messungen, welche Produkte entstanden. Am Computer liefen dazu aufwendige Simulationen, die halfen, die Beobachtungen zu erklären.

Metall und Oxid – ein ungleiches Paar

Die Ergebnisse überraschten. Weder reines Palladium noch reines Palladiumoxid waren allein besonders effektiv. Erst an den Grenzflächen, also den Übergängen zwischen Metall und Oxid, lief die Reaktion optimal.

„Das Palladium dehydriert Methan zu Kohlenstoff und Wasserstoff, das Palladium-Oxid hingegen oxidiert den Kohlenstoff zu CO“, erklärt Rupprechter. Mit anderen Worten: Metall und Oxid teilen sich die Arbeit. Genau an den Nahtstellen zwischen beiden Phasen passiert am meisten.

Ein Tanz der Nanopartikel

Die Aufnahmen zeigten zudem, dass die winzigen Partikel alles andere als starr sind. Unter Hitze und Gasfluss verändern sie sich ständig. Große Partikel zerfallen in kleinere, kleine verschmelzen wieder. Dieses ständige Umbauen sorgt dafür, dass die Oberfläche aktiv bleibt und der Katalysator nicht schnell „ermüdet“.

Alexander Genest, der seit Jahren mit dem Team in Singapur zusammenarbeitet, beschreibt das so: „Wir wollten den Ursprung von partieller und totaler Oxidation verstehen und aufklären, was auf atomarer Ebene genau geschieht.“ Mit Hilfe von Dichtefunktionaltheorie – einer etablierten Berechnungsmethode – simulierten er und sein Kollege Parinya Tangpakonsab die Abläufe. Das Bild wurde dadurch schärfer: Palladium aktiviert das Methan, Palladiumoxid liefert den nötigen Sauerstoff für die nächsten Schritte.

Temperatur entscheidet

Die Studien zeigten auch, dass die Temperatur eine wichtige Rolle spielt. Bei rund 500 °C oxidieren Palladium-Partikel zunächst vollständig zu Palladiumoxid. In dieser Form sind sie allerdings kaum aktiv.

Erst wenn die Temperatur steigt oder weniger Sauerstoff vorhanden ist, entstehen die Mischphasen aus Palladium und Palladiumoxid. Diese Mischformen sind die eigentlichen Arbeitstiere des Prozesses.

Warum das wichtig ist

Erdgas und Methan werden auf absehbare Zeit nicht aus dem Energiesystem verschwinden. „Auch in Zukunft wird Methan deshalb für die Erzeugung von Syngas eine Rolle spielen, und kann im nächsten Jahrzehnt wohl nicht vollkommen ersetzt werden“, so Rupprechter.

Gerade deshalb ist es entscheidend, die Prozesse dahinter besser zu verstehen. Effizientere Katalysatoren bedeuten weniger Energieverbrauch und geringere Emissionen. Die neuen Erkenntnisse liefern dafür eine Grundlage.

Offene Fragen

Trotz aller Fortschritte bleiben Fragen. Warum entsteht im Mikroskopversuch mehr CO₂ als in klassischen Reaktoren? Liegt es nur an den kurzen Verweilzeiten der Gasmoleküle im kleinen Reaktor? Und wie lässt sich gezielt steuern, ob mehr CO oder mehr CO₂ entsteht? Antworten darauf könnten helfen, Katalysatoren künftig gezielt zu designen.

Die TU Wien baut derzeit neue Reaktorzellen, mit denen sich ähnliche Experimente unter noch realistischeren Bedingungen durchführen lassen. Damit wollen die Forschenden die Arbeit der Katalysatoren noch genauer verfolgen. Für die Industrie ist das mehr als eine Spielerei im Labor. Es könnte den Weg zu stabileren und langlebigeren Katalysatoren ebnen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.