Katalyseforschung 11.02.2025, 12:15 Uhr

Neuer Zinnkatalysator optimiert sich selbst und steigert CO2-Umwandlung

Nachhaltige Chemie: Ein neuer nanoskaliger Zinnkatalysator steigert die CO₂-Umwandlung und optimiert sich selbst.

zinnkatalysator

CO₂-Blasen, die durch den elektrochemischen Reaktor strömen, lösen sich im Wasser auf und reagieren mithilfe des Elektrokatalysators zu verschiedenen Produkten.

Foto: University of Nottingham

Ein Team aus Forschenden der University of Nottingham und der University of Birmingham hat einen innovativen Katalysator entwickelt, der Kohlendioxid (CO2) effizient in wertvolle Produkte umwandelt. Das Besondere: Der nanoskalige Zinnkatalysator steigert seine Aktivität im Laufe der Nutzung. Dies stellt einen entscheidenden Fortschritt in der Entwicklung nachhaltiger Elektrokatalysatoren dar und könnte einen maßgeblichen Beitrag zur Reduktion industrieller CO2-Emissionen leisten.

CO2-Umwandlung mit nachhaltiger Energie

CO2 ist eines der Haupttreibhausgase, das zur globalen Erwärmung beiträgt. Während herkömmliche Methoden zur Umwandlung dieses Gases meist auf fossilen Brennstoffen basieren, setzt die Elektrokatalyse auf erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraft. Dabei werden Elektronen durch den Katalysator geleitet, die mit CO2 und Wasser reagieren und so wertvolle chemische Verbindungen erzeugen.

Ein besonders interessantes Produkt dieser Reaktion ist Formiat. Dabei handelt es sich um Salze bzw. Ester von Ameisensäure. Dieses wird in der chemischen Industrie vielfältig genutzt, beispielsweise in der Herstellung von Polymeren, pharmazeutischen Wirkstoffen oder Klebstoffen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diesen Prozess mit hoher Effizienz und Selektivität bei möglichst niedriger Spannung zu realisieren. Nur so lässt sich eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Umsetzung gewährleisten.

Die Rolle des Zinnkatalysators

Der neu entwickelte Katalysator basiert auf einer Kombination aus Zinn-Mikropartikeln, die auf einer nanostrukturierten Kohlenstoffbasis fixiert sind. Diese besondere Materialkombination spielt eine entscheidende Rolle für den Reaktionsmechanismus. Die Wechselwirkungen zwischen den Zinnpartikeln und den Kohlenstoffnanofasern ermöglichen eine effiziente Übertragung von Elektronen von der Elektrode auf CO2-Moleküle – ein fundamentaler Schritt zur Umwandlung von CO2 in Formiat.

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Dr. Madasamy Thangamuthu, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Nottingham, erklärt: „Ein erfolgreicher Elektrokatalysator muss eine starke Bindung mit dem CO2-Molekül eingehen und effizient Elektronen übertragen, um dessen chemische Struktur zu verändern. Unsere Kohlenstoffelektrode weist eine einzigartige nanostrukturierte Textur mit gekrümmten Oberflächen und Stufenkanten auf, die die Wechselwirkung mit den Zinnpartikeln verbessert.“

Überraschende Selbstoptimierung des Katalysators

Normalerweise verlieren Katalysatoren im Laufe der Nutzung an Effizienz. Doch das Forschungsteam machte eine unerwartete Entdeckung: Während der CO2-Reduktionsreaktion zerfallen die Zinn-Mikropartikel in noch kleinere Nanopartikel mit nur 3 nm Durchmesser. Dieser Prozess verbessert die Wechselwirkung zwischen Zinn und der Kohlenstoffbasis erheblich.

Tom Burwell, ein Mitglied des Teams, berichtet: „Unsere Analysen zeigten, dass der elektrische Strom, der durch den Katalysator fließt, über 48 Stunden hinweg stetig anstieg. Gleichzeitig blieb die Selektivität nahezu bei 100 %, und die Produktivität stieg um das 3,6-Fache.“

Dieses Phänomen ist eine Seltenheit in der Katalyseforschung. Während strukturelle Veränderungen in Katalysatoren oft als negativ betrachtet werden, zeigt sich hier das Gegenteil: Die gezielte Veränderung der Partikelgröße führt zu einer optimierten Leistung. Mit Hilfe der Elektronenmikroskopie wurde nachgewiesen, dass kleinere Zinnpartikel einen besseren Kontakt mit der Kohlenstoffbasis herstellen, wodurch sich die Anzahl der aktiven Zinnzentren fast verzehnfacht.

Bedeutung für die nachhaltige Chemie

Diese Entdeckung könnte weitreichende Folgen für die chemische Industrie haben. Professor Andrei Khlobystov von der University of Nottingham betont die Bedeutung dieser Entwicklung: „CO2 ist nicht nur ein Treibhausgas, sondern auch eine wertvolle Ressource für die chemische Industrie. Die Entwicklung von Katalysatoren auf Basis günstiger und reichlich vorhandener Elemente wie Kohlenstoff und Zinn kann einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen CO2-Nutzung leisten.“

Ein entscheidender Vorteil des entwickelten Katalysators liegt in seiner Langlebigkeit. Während viele Elektrokatalysatoren mit der Zeit an Effizienz verlieren, zeigt der Zinnkatalysator ein selbstoptimierendes Verhalten, das ihn besonders attraktiv für industrielle Anwendungen macht. Unternehmen, die CO2-Emissionen reduzieren und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten wollen, könnten von dieser Technologie erheblich profitieren.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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