So gut wie Edelmetall-Katalysatoren 17.04.2026, 22:30 Uhr

Günstiger Wasserstoff: Forschende entdecken simple Reaktion per Zufall

Wasserstoff durch Zufall: Forschende entdecken einfache Methode mit Eisenionen und UV-Licht. Effizient wie Edelmetall-Katalysatoren.

Ein Forscher hält ein Reagenzglas zur Analyse im Gas-Flüssigkeits-Chromatographen

Ein Forscher hält ein Reagenzglas zur Analyse im Gas-Flüssigkeits-Chromatographen – mit solchen Messmethoden lässt sich die erzeugte Wasserstoffmenge präzise bestimmen.

Foto: Smarterpix / Seregashans

Die Suche nach nachhaltigen Wegen für die Energieversorgung der Zukunft führt oft über hochkomplexe Technologien. Meistens sind teure Edelmetalle wie Platin oder Iridium nötig, um Wasserstoff effizient zu gewinnen. Doch ein Team der Kyushu-Universität in Japan stieß nun auf eine Methode, die fast zu simpel klingt, um wahr zu sein. Ein Gemisch aus Methanol, Natriumhydroxid und Eisenionen setzt unter UV-Licht beachtliche Mengen an Wasserstoffgas frei. Das Besondere: Der Fund war ein reiner Zufall während eines Kontrollversuchs.

Ein unerwartetes Ergebnis im Labor

Katalysatoren stecken heute in fast allem – von Mikrochips bis zu Medikamenten. In der Regel bestehen sie aus einer Matrix verschiedener Metalle und Verbindungen in komplizierten Strukturen. Das macht ihre Herstellung teuer und aufwendig. Das Team um Associate Professor Takahiro Matsumoto suchte eigentlich nach neuen metallorganischen Eisenkomplexen für die Wasserstofferzeugung.

Bei einem Standard-Kontrollexperiment passierte dann das Unvorhergesehene. Die Forschenden mischten Methanol mit Eisenionen und Natriumhydroxid, ohne die eigentlich geplanten komplexen Bindemittel hinzuzufügen. Sobald sie die Lösung mit UV-Licht bestrahlten, entstand Wasserstoff. „In einem Fall, den man nur als unglaublichen Zufall bezeichnen kann, stellten wir in einem unserer Kontrollversuche fest, dass die Mischung von Methanol, Eisenionen und Natriumhydroxid, gefolgt von der Bestrahlung mit UV-Licht, eine beträchtliche Menge an Wasserstoffgas erzeugte“, berichtet Matsumoto.

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Was im Reaktor passiert:

Der Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Klar ist aber:

  • UV-Licht regt Elektronenübergänge im Eisenkomplex an
  • Dabei entstehen reaktive Radikale
  • Diese treiben die Wasserstoffbildung an

Leistung auf Augenhöhe mit teuren Systemen

Zunächst trauten die Fachleute den eigenen Messwerten kaum. Sie validierten die Daten in weiteren Testreihen. Das Ergebnis blieb stabil: Die Rate der Wasserstoffproduktion lag bei 921 mmol pro Stunde und Gramm Katalysator. Damit erreicht dieses einfache System eine Effizienz, die mit den bisher besten bekannten Katalysatoren auf Basis seltener Metalle vergleichbar ist.

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Der Prozess nutzt die sogenannte Alkoholdehydrierung. Dabei wird Wasserstoff aus Alkoholen wie Methanol abgespalten. Bisher waren dafür oft Iridium-Katalysatoren oder andere kostspielige Materialien nötig. Das neue System kommt ohne diese speziellen Liganden aus. Es nutzt Eisen, das als eines der häufigsten und günstigsten Metalle der Erde gilt.

Die Vorteile im Überblick:

  • Keine komplexen Liganden notwendig
  • Günstige und verfügbare Materialien
  • Vergleichbare Aktivität zu etablierten Katalysatoren
  • Einfache Reaktionsführung unter milden Bedingungen

Von Methanol bis zur Biomasse

Die Forschenden untersuchten im nächsten Schritt, ob sich das Prinzip übertragen lässt. Es zeigte sich, dass die Reaktion nicht auf Methanol beschränkt ist. Auch aus anderen Alkoholen lässt sich so Wasserstoff gewinnen. Sogar Materialien, die aus Biomasse stammen, eignen sich als Ausgangsstoff. Dazu gehören:

  • Glukose (Traubenzucker)
  • Stärke
  • Zellulose

Zwar ist die katalytische Aktivität bei diesen komplexeren Stoffen derzeit noch geringer als bei reinem Methanol, doch das Potenzial für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist erkennbar. Wasserstoff gilt als sauberer Energieträger, da bei seiner Verbrennung kein Kohlendioxid anfällt. Da der Großteil des weltweiten Wasserstoffs aktuell noch aus fossilen Quellen wie Erdgas stammt, braucht die Industrie dringend solche alternativen Ansätze.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für das vom Forschungsteam durchgeführte Wasserstofferzeugungs-Experiment. Zur Herstellung einer Probe werden Eisenionen mit Alkohol und Natriumhydroxid vermischt. Die Lösung wird anschließend mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Das dabei entstehende Wasserstoffgas wird dann aufgefangen und zur Datenanalyse in einen Gaschromatographen geleitet. Foto: Kyushu University/Matsumoto Lab

Die Grenzen und die Zukunft

Trotz der guten Ergebnisse steht die Wissenschaft noch vor einigen Rätseln. Der genaue Mechanismus der Reaktion im Detail ist bisher nicht vollständig geklärt. „Eine Einschränkung dieser Studie besteht darin, dass wir den Reaktionsmechanismus noch nicht im Detail kennen“, gibt Matsumoto offen zu. Das Team will die Erkenntnisse nun weiterentwickeln und das System optimieren, um die Effizienz bei der Nutzung von Biomasse zu steigern.

Takahiro Matsumoto sieht in der Einfachheit der Methode auch einen pädagogischen Wert: „Schließlich ist diese Reaktion so einfach, dass sie jeder, vom Grundschüler bis zum neugierigen Erwachsenen, nachmachen kann. Ich ermutige alle, es auszuprobieren, und hoffe, dass es Menschen dazu inspiriert, eine Karriere in den Naturwissenschaften anzustreben.“

Ob aus diesem Zufallsfund eine großindustrielle Anwendung wird, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Die Tatsache, dass ein ligandfreies System aus Eisenionen derart leistungsfähig ist, könnte die Entwicklung künftiger Katalysatoren jedoch nachhaltig verändern. Weg von komplizierten Strukturen, hin zu effizienter Schlichtheit.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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