Potenzial für Biokraftstoffe 30.06.2025, 10:30 Uhr

Gelbes Rätsel gelöst: Neue Wirkstoffe aus alten Bakterien

Forschende entschlüsseln Pigment aus Zellulose-Bakterien – neue Perspektiven für Biokraftstoff und Antibiotika.

gelbe Pigmente

Der Vergleich zweier Kulturen von Clostridium thermocellum mit Filterpapier als Zellulosequelle zeigt den Einfluss des Pigments YAS auf den Zelluloseabbau durch das Bakterium. Während das linke Papier im Serum vollständig abgebaut ist, bleibt ein Teil des rechten Papiers ohne Kontakt mit YAS weitgehend intakt.

Foto: Jana Krabbe, Leibniz-HKI

Ein Forschungsteam vom Leibniz-Institut für Naturstoffforschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) und dem Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena hat die Zusammensetzung eines lange rätselhaften gelben Pigments entschlüsselt, das von einem Zellulose-abbauenden Bakterium produziert wird. Die „Celluxanthenes“ zeigen nicht nur Bindung an pflanzliche Biomasse, sondern auch antibiotische Wirkung. Ihre einzigartige Struktur und Biosynthese eröffnen neue Wege in der Biotechnologie und Medizin.

Leben ohne Sauerstoff – eine unterschätzte Welt

Anaerobe Bakterien gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde. Sie brauchen keinen Sauerstoff zum Überleben. Im Gegenteil: Sauerstoff kann ihnen sogar schaden. Diese Mikroorganismen besiedeln extreme Lebensräume wie den Meeresboden oder den menschlichen Darm. Ihre Enzyme funktionieren nur unter streng sauerstofffreien Bedingungen – eine Herausforderung für die Forschung, aber auch ein Potenzialträger für neue Anwendungen.

Ein Bakterium sticht dabei besonders hervor: Clostridium thermocellum. Es zerlegt Zellulose, den Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände, in verwertbare Zucker. Damit kann es als Grundlage für die Herstellung von Biokraftstoffen dienen – etwa Bioethanol.

Ein Pigment mit Signalwirkung

Seit Langem fiel bei der Zersetzung von Zellulose durch Clostridium thermocellum eine gelbe Färbung auf. Forschende bezeichneten sie als YAS – „Yellow Affinity Substance“. YAS haftet an Zellulose und wurde ursprünglich als eine Art Signalstoff für abbauende Enzyme vermutet. Doch was genau hinter dieser Substanz steckt, blieb jahrzehntelang unklar.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte (w/m/d) Vertrags- und Nachtragsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Fachhochschule Münster-Firmenlogo
Professur für "Antriebssysteme im Maschinenbau" (w/m/d) Fachhochschule Münster
Steinfurt Zum Job 
Pero AG-Firmenlogo
Sales Engineer (m/w/d) Pero AG
Königsbrunn, remote Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Planung Ingenieurbau Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenbau / Umwelttechnik EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Viersen Zum Job 
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter/-ingenieur TGA (m/w/d) INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik als Projektleiter EMSR (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Projektleiterin als Ingenieurin Mittel- und Niederspannungstechnik (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg-Rothenburgsort Zum Job 
Stadtverwaltung Frankenthal-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker - Technische Rechnungsprüfung (m/w/d) Stadtverwaltung Frankenthal
Frankenthal (Pfalz) Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / CAD-Konstrukteur TGA (m/w/d) ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) HKLS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
ETS Efficient Technical Solutions GmbH-Firmenlogo
Bauleiter / Obermonteur (m/w/d) HLKS ETS Efficient Technical Solutions GmbH
Wuppertal Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Head of Sales für unsere Key Accounts (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
AllTerra Deutschland GmbH-Firmenlogo
Support Mitarbeiter Vermessungslösungen / Vermessungstechnik (m/w/d), 80-100 % (Wunstorf bei Hannover, Hamburg, Berlin oder Leipzig) AllTerra Deutschland GmbH
Berlin, Leipzig, Hamburg, Wunstorf bei Hannover Zum Job 
ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH
Langenbrettach Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur als Sachgebietsleiter - Betriebsservice U-Bahn, Bauprojekte (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH-Firmenlogo
Traineeprogramm für Ingenieure (all genders) - befristet für 24 Monate Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Frankfurt am Main Zum Job 
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur im Bereich Umwelttechnik oder Geowissenschaftlerin / Geowissenschaftler (w/m/d) Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Berlin, Düsseldorf, Münster, Hannover Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 

Jetzt gelang dem Team vom Leibniz-HKI der Durchbruch. Sie konnten die molekulare Struktur der Pigmente aufklären und deren biosynthetischen Ursprung identifizieren.

Die Entdeckung der Celluxanthenes

Das Rätsel um YAS ist gelöst: Es handelt sich nicht um eine einzelne Substanz, sondern um eine ganze Familie gelber Pigmente, die sogenannten „Celluxanthenes“. Die Moleküle zeigen eine für Bakterien völlig neuartige Struktur. Sie bestehen aus einem Indolring, kombiniert mit einem tetronathaltigen Polyen-Gerüst – eine molekulare Architektur, die in der Natur bisher unbekannt war.

Die Identifikation der Celluxanthenes erforderte eine aufwendige Analyse. Unter sauerstofffreien Bedingungen kultivierten die Forschenden die Bakterien, extrahierten die Pigmente und untersuchten sie mit spektroskopischen Methoden wie NMR und Massenspektrometrie. Zusätzlich setzten sie Isotopenmarkierungen ein, um die genauen Bausteine – etwa Phenylacetat, Malonat und Tryptophan – zu bestimmen.

Neue Wege in der Biosynthese

Besonders spannend ist der Entstehungsweg der Pigmente. Die Celluxanthenes entstehen durch eine sogenannte iterative Typ-I-Polyketidsynthase (iPKS). Diese Enzymart verlängert eine Molekülkette schrittweise, bis sie schließlich mit einem Tryptophan-Derivat verknüpft wird – gegenläufig zur üblichen Richtung solcher Synthesen.

Diese ungewöhnliche Kopplung führt zu einem einzigartigen Molekülgerüst. Verantwortlich dafür ist das cex-Gencluster. In Experimenten zeigte sich: Fehlt dieses Gen in genetisch veränderten Bakterien, verschwindet das gelbe Pigment komplett. Damit war klar: Das Gencluster steuert die gesamte Pigmentproduktion.

Antibiotische Wirkung – ein unerwarteter Fund

Eine weitere Entdeckung überraschte das Forschungsteam: Die Celluxanthenes wirken gegen bestimmte Bakterien. Tests ergaben, dass sie insbesondere das Wachstum grampositiver Keime hemmen, darunter auch antibiotikaresistente Erreger wie MRSA.

Interessant ist, dass die Pigmente den Zelluloseabbau offenbar nicht beeinflussen. Der ursprüngliche Verdacht, YAS diene als Leitsubstanz für die Enzyme, ließ sich nicht bestätigen. Stattdessen könnten die Pigmente dazu dienen, die Nahrungsquelle Zellulose gegen konkurrierende Mikroben zu verteidigen – ein biologischer Vorteil in nährstoffarmen Lebensräumen.

Verwandte Gene bei anderen Mikroben

Ein Blick in die Genome anderer Zellulose-abbauender Bakterien zeigte: Ähnliche Gencluster kommen häufiger vor als gedacht. Einige Bakterien produzieren eigene Varianten der Celluxanthenes – mit abweichenden Ringstrukturen oder kürzeren Seitenketten. Manchmal jedoch fehlen zentrale Enzyme, wodurch die Pigmentproduktion ausbleibt.

Ein Gen spielt dabei offenbar eine besondere Rolle: eine Hydrolase. Ist sie nicht vorhanden oder an anderer Stelle im Genom eingebaut, bleibt das gelbe Pigment aus.

Anwendungsmöglichkeiten: Von Biokraftstoff bis Medizin

Die Entdeckung der Celluxanthenes eröffnet neue Perspektiven. Die starke Bindung an Zellulose macht sie interessant für die Bioindustrie, etwa bei der Steuerung von Enzymreaktionen in der Biomasseverwertung. Ihre antibiotische Wirkung wiederum bietet Potenzial für die Entwicklung neuer Medikamente gegen resistente Keime.

Da die Gene für Celluxanthenes in vielen Mikroben verborgen liegen, könnten ähnliche Naturstoffe durch gezielte Genaktivierung erschlossen werden. Genau das ist das Ziel des Forschungsprojekts „AnoxyGen“ unter Leitung von Professor Christian Hertweck in Jena. Es verbindet moderne Methoden der synthetischen Biologie mit Wirkstoffforschung.

„Viele dieser Mikroorganismen tragen Gene für die Produktion wertvoller Verbindungen in ihrem Genom, die jedoch unter Standard-Laborbedingungen meist inaktiv bleiben“, erklärt Hertweck.

Ziel des Projekts ist es, diese „schlafenden“ Biosynthesewege in anaeroben Bakterien zu aktivieren – ähnlich wie es bisher nur bei Sauerstoff-verbrauchenden Organismen möglich war.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.