Halb-Möbius-Topologie 06.03.2026, 10:59 Uhr

Elektronen drehen Schleifen: Neues Molekül folgt eigener Physik

Chemische Premiere: Ein Team baut ein Molekül mit verdrehter Elektronenstruktur. Quantencomputer liefern den Schlüssel zur Erklärung.

Dyson-Orbital für Elektronenanlagerung, berechnet mit Quantenhardware.

Elektronen drehen Schleifen: Forschende entdecken eine neue Topologie in einem Molekül und nutzen Quantencomputer zur Analyse.

Foto: IBM Research and the University of Manchester

Chemikerinnen und Chemiker versuchen seit Jahrzehnten zu verstehen, wie sich Elektronen in Molekülen bewegen. Normalerweise folgen sie bekannten Mustern: Sie bilden Bindungen, verteilen sich entlang von Orbitalen und bestimmen so Stabilität und Reaktivität eines Stoffes. Doch ein internationales Forschungsteam hat nun ein Molekül geschaffen, das aus diesem Rahmen fällt. Seine Elektronen bewegen sich nicht entlang gewöhnlicher Bahnen, sondern in einer verdrehten Struktur, die an ein Möbiusband erinnert.

Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Science. Beteiligt waren Forschende von IBM Research, der University of Manchester, der University of Oxford, der ETH Zürich, der EPFL sowie der Universität Regensburg.

Elektronen laufen in einer verdrehten Bahn

Im Zentrum der Arbeit steht ein relativ kleines Molekül mit der Formel C13Cl2. Entscheidend ist jedoch nicht seine Größe, sondern die Struktur seiner Elektronenverteilung.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
HYDRO Systems GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Teamlead Shopfloor Service Station Norderstedt (m/w/d) HYDRO Systems GmbH & Co. KG
Norderstedt Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
Betriebsingenieur Offshore (m/w/d) TenneT TSO
Hannover Zum Job 
Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg Bundesbau-Firmenlogo
Elektrotechnikingenieur (w/m/d) Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg Bundesbau
Freiburg Zum Job 
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 
BEC GmbH-Firmenlogo
Projektmanager Automatisierung und Sondermaschinenbau (Mensch) BEC GmbH
Pfullingen Zum Job 
Stadtwerke Leipzig GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Stadtwerke Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung / Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes

Normalerweise schließen sich Elektronenbahnen nach einer vollständigen Umdrehung wieder an ihre Ausgangsphase an. In diesem Fall passiert etwas anderes: Die elektronische Struktur dreht sich bei jeder Runde um 90 Grad. Erst nach vier vollständigen Umläufen erreicht sie wieder ihren ursprünglichen Zustand.

Damit entsteht eine sogenannte Halb-Möbius-Topologie. In der Mathematik beschreibt ein Möbiusband eine Oberfläche mit nur einer Seite und einer einzigen Kante. Überträgt man dieses Konzept auf Moleküle, entstehen ungewöhnliche elektronische Eigenschaften. Genau eine solche Struktur konnten die Forschenden nun erstmals experimentell nachweisen.

Nach Angaben des Teams war ein Molekül mit dieser Topologie bislang weder synthetisiert noch experimentell beobachtet worden.

Lesen Sie auch:

Molekül wird Atom für Atom aufgebaut

Die Herstellung des Moleküls erfolgte unter extrem kontrollierten Bedingungen. Als Ausgangspunkt diente ein Vorläufermolekül, das an der University of Oxford synthetisiert wurde.

Bei IBM Research entfernten die Forschenden anschließend einzelne Atome mithilfe präziser Spannungspulse. Der Prozess lief unter Ultrahochvakuum und bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt ab. So konnten sie das Molekül Atom für Atom zusammensetzen.

Zur Analyse kamen zwei etablierte Nanotechnologien zum Einsatz:

  • Rastertunnelmikroskopie (STM)
  • Rasterkraftmikroskopie (AFM)

Beide Verfahren erlauben es, Moleküle direkt auf atomarer Ebene zu untersuchen. Sie liefern Bilder einzelner Atome und zeigen gleichzeitig, wie sich Elektronen in den Bindungen verteilen.

Quantencomputer entschlüsselt das Verhalten der Elektronen

Die eigentliche Herausforderung lag jedoch nicht in der Synthese des Moleküls, sondern in der Erklärung seiner Eigenschaften. Elektronen in Molekülen beeinflussen sich gegenseitig stark. Jede Wechselwirkung verändert das gesamte System.

Solche Probleme wachsen rechnerisch extrem schnell. Klassische Computer stoßen deshalb rasch an Grenzen.

Dr. Igor Rončević von der University of Manchester erklärt das so: „Die Simulation von Elektronen mit klassischen Computern ist sehr schwierig – vor einem Jahrzehnt konnten wir genau 16 Elektronen modellieren, heute sind es bis zu 18. Quantencomputer eignen sich von Natur aus gut für dieses Problem, da ihre Bausteine – Qubits – Quantenobjekte sind, die Elektronen spiegeln.“

Mit einem IBM-Quantencomputer konnte das Team ein deutlich größeres System untersuchen. Die Simulation umfasste 32 Elektronen gleichzeitig. Dadurch ließen sich die ungewöhnlichen Bindungsstrukturen im Molekül nachvollziehen.

Die Berechnungen zeigten sogenannte helikale Molekülorbitale – spiralförmige Elektronenbahnen. Sie gelten als charakteristisches Merkmal der beobachteten Halb-Möbius-Topologie.

Elektronische Topologie als neuer Freiheitsgrad

Die Ergebnisse haben Folgen für mehrere Forschungsbereiche. In der Chemie eröffnet sich ein neuer Ansatz zur Gestaltung von Molekülen.

Dr. Igor Rončević beschreibt die Entwicklung so: „Die Chemie und die Festkörperphysik machen Fortschritte, indem sie neue Wege finden, Materie zu kontrollieren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Substituenteneffekte sehr beliebt. Beispielsweise untersuchten Forscher, wie sich die Wirksamkeit eines Medikaments oder die Elastizität eines Materials verändert, wenn beispielsweise ein Methyl durch Chlor ersetzt wird. Die Jahrhundertwende brachte uns die Spintronik, die den Elektronenspin als neuen Freiheitsgrad einführte und die Datenspeicherung revolutionierte. Heute zeigt unsere Arbeit, dass auch die Topologie als schaltbarer Freiheitsgrad dienen kann.“

Mit anderen Worten: Die Form der Elektronenbewegung könnte künftig gezielt verändert werden, ähnlich wie heute chemische Gruppen oder Spins. Interessant ist außerdem, dass die elektronische Struktur des Moleküls umschaltbar ist. Sie kann zwischen rechtsdrehenden, linksdrehenden und unverdrillten Zuständen wechseln. Das deutet darauf hin, dass sich elektronische Topologien aktiv steuern lassen.

Quantensimulation wird zur praktischen Methode

Neben der chemischen Erkenntnis liefert die Studie auch ein Beispiel für die praktische Nutzung von Quantencomputern.

Alessandro Curioni von IBM Research beschreibt den Ansatz so: „Zuerst haben wir ein Molekül entworfen, von dem wir dachten, dass es hergestellt werden könnte, dann haben wir es gebaut und schließlich haben wir es und seine exotischen Eigenschaften mit einem Quantencomputer validiert.“

Damit erfüllt sich ein Konzept, das der Physiker Richard Feynman bereits in den 1980er-Jahren formulierte: Computer, die quantenmechanische Systeme direkt simulieren können.

In diesem Projekt arbeiteten klassische Rechner und Quantenprozessoren zusammen. CPUs, GPUs und Quantenchips lösten jeweils den Teil des Problems, für den sie am besten geeignet sind. Forschende sprechen hier von quantenzentriertem Supercomputing.

Lange Tradition atomarer Manipulation

Die Arbeit knüpft an eine lange Forschungstradition an. IBM spielte bereits in den 1980er-Jahren eine zentrale Rolle in der Nanotechnologie. 1981 entwickelten Gerd Binnig und Heinrich Rohrer das Rastertunnelmikroskop. Dafür erhielten sie 1986 den Nobelpreis für Physik. Das Instrument machte es erstmals möglich, einzelne Atome sichtbar zu machen.

1989 gelang es IBM-Forschenden schließlich, Atome gezielt zu verschieben und so Strukturen im Nanometermaßstab aufzubauen. Das berühmte Beispiel war das IBM-Logo aus 35 Xenon-Atomen. Die aktuelle Arbeit führt diese Entwicklung fort. Sie zeigt, dass sich heute nicht nur Atome anordnen lassen, sondern auch komplexe elektronische Strukturen gezielt erzeugt werden können.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.