Chemiewerk Leuna gerettet: Über 430 Jobs bleiben erhalten
Die Übernahme der DOMO Caproleuna GmbH durch LEUNA-Polyamid sichert den Chemie-Standort Leuna und schafft eine langfristige Perspektive.
Leuna gerettet: Über 430 Arbeitsplätze bleiben dank Übernahme durch LEUNA-Polyamid GmbH erhalten.
Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas
Das Chemiewerk in Leuna (Sachsen-Anhalt) ist gerettet: Eine neu gegründete Gesellschaft übernimmt den Standort, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther bestätigte. Damit konnte eine drohende Stilllegung des Werks Domo Caproleuna verhindert werden.
Domo in Leuna ist einer von drei deutschen Standorten des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals. Am Standort wird vor allem Kunststoff produziert, der in der Autoindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche verwendet wird. Die neue Gesellschaft übernimmt die Fabrik, das Gelände und 436 der rund 500 bisherigen Beschäftigten.
Herausforderungen für die Chemieindustrie in Deutschland
Gute Nachrichten aus der deutschen Chemiebranche sind selten. Die Industrie kämpft seit Jahren mit:
- hohen Energiepreisen
- US-Zöllen
- schwacher Konjunktur
- globalen Überkapazitäten
Die Lage verschärft sich durch den Konflikt im Iran: Die energieintensive Chemie ist besonders betroffen von steigenden Öl- und Gaspreisen. Große Unternehmen wie BASF haben bereits Sparprogramme gestartet, Arbeitsplätze abgebaut und Produktionsanlagen teilweise stillgelegt. Das wirkt sich auch auf das Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt aus, wo viele Zulieferbetriebe angesiedelt sind.
Vor kurzem haben wir auch ausführlich berichtet, warum junge Ingenieure an Europas Chemie trotzdem glauben.
Rettung in letzter Minute
Der Insolvenzverwalter der DOMO Caproleuna GmbH, Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing, zeigte sich zufrieden mit der gefundenen Investorenlösung. Er erklärte, dass mit der LEUNA – Polyamid GmbH ein Investor gefunden worden sei, der den Standort fortführt und einen Großteil der Arbeitsplätze sichert. Der Verkauf der Vermögenswerte markiere einen positiven Abschluss des Insolvenzverfahrens. Besonders der Erhalt der Jobs und die Fortführung des Standorts unter tragfähigen Strukturen seien ein gutes Ergebnis für alle Beteiligten.
„Das war eine Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“, zitiert auch die dpa den Insolvenzverwalter Flöther.
Weil dem Unternehmen das Geld für den laufenden Betrieb fehlte, hätte das Chemiewerk eigentlich im Januar stillgelegt werden müssen. Ein normaler Shutdown war jedoch nicht möglich: Bei den winterlichen Temperaturen hätten die Anlagen sonst Umweltgefahren verursacht. Aus Sicherheitsgründen übernahm das Land Sachsen-Anhalt daher die Finanzierung eines Notbetriebs.
Übergang zu LEUNA-Polyamid gesichert
Die InfraLeuna GmbH und die LEUNA-Harze GmbH haben über ihre gemeinsame Gesellschaft, die LEUNA – Polyamid GmbH, am 31. März 2026 einen Kaufvertrag mit dem Insolvenzverwalter der DOMO Caproleuna GmbH abgeschlossen. Die notarielle Beurkundung erfolgte am selben Tag, der Übergang der Vermögenswerte trat am 1. April 2026 in Kraft.
Beide Unternehmen betonen die Bedeutung des Standorts, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der zuverlässigen Kundenversorgung. Gemeinsam wollen sie eine stabile und langfristige Zukunft für Belegschaft, Kunden und Lieferanten sichern.
Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, kommentiert es so:
„Mit der Übernahme ist es gelungen, einen erheblichen Schaden vom Chemiestandort Leuna abzuwenden. Der Standort- und Stoffverbund kann weiter aufrechterhalten werden. Damit bleibt die industrielle Funktionsfähigkeit des Standortes erhalten – eine zentrale Voraussetzung für dessen weitere Entwicklung.“
LEUNA-Harze setzt auf nachhaltige Investition und Mitarbeiter
Die LEUNA-Harze GmbH sieht die Übernahme als bewusste unternehmerische Entscheidung. Laut Geschäftsführer Klaus Paur ging es vor allem darum, eine Industrieruine zu verhindern. Die Investition in die neue Gesellschaft sei notwendig und richtig gewesen. Besonders wichtig sei die enge Zusammenarbeit mit InfraLeuna, die eine stabile Zukunft für den Chemiestandort Leuna ermögliche.
Im Mittelpunkt der neuen Gesellschaft stehen die Beschäftigten am Standort. Geschäftsführer Martin Naundorf erklärte: Das wichtigste Ziel sei die Rückkehr zur Wirtschaftlichkeit. „Mit einem starken und erfahrenen Team der Domo-Mitarbeiter sowie der engagierten Unterstützung der Kollegen aus der InfraLeuna können wir langfristige Perspektiven für den Standort und die Beschäftigten schaffen“.
Durch die Übernahme können die Arbeitsplätze für den überwiegenden Teil der Belegschaft gesichert werden: Mehr als 430 Stellen bleiben erhalten, heißt es in der Pressemitteilung. (mit dpa)
Lesen Sie auch: Die größten Chemieparks der Welt: Produktionsstätten der Vielfalt
Ein Beitrag von: