Zementersatz 13.10.2025, 11:30 Uhr

Weltweit erster Pflasterstein aus Pilzen vorgestellt

Aus Pilzen wird Pflaster: Wie das Start-up Visibuilt mit dem ersten myzelbasierten Outdoor-Pflasterstein den Straßenbau revolutionieren will.

Pflasterstein aus Pilzen

Myzel statt Zement: Die „visiPAVER“ von Visibuilt ist der erste Outdoor-Pflasterstein aus Pilzen.

Foto: Visibuilt

Zement ist einer der größten Klimasünder weltweit. Bei seiner Herstellung entstehen gewaltige Mengen CO₂, die laut dem Global Cement and Concrete Association rund 8 % der globalen Emissionen ausmachen. Das dänische Start-up Visibuilt will zeigen, dass es auch anders geht – mit einer Weltpremiere: dem ersten Outdoor-Pflasterstein aus Pilzen, wie der Hersteller angibt. Klingt ungewöhnlich? Tatsächlich steckt dahinter eine ernsthafte Technologie, die das Bauwesen verändern könnte – sofern sie hält, was sie verspricht.

Myzel statt Zement

Das Prinzip ist ebenso einfach wie genial: Statt chemischer Bindemittel oder fossiler Rohstoffe nutzt Visibuilt ein natürliches Netzwerk aus Pilzfäden – das Myzel. Es wächst in einem Substrat aus pflanzlichen Reststoffen, durchzieht dieses wie ein Geflecht und bindet so die Materialien auf natürliche Weise.

Das Ergebnis nennt sich visiPAVER – der erste „kultivierte Pflasterstein“, hergestellt mit dem visiBINDER, einem biotechnologisch gezüchteten Myzelbinder. „Unsere Technologie kann fossile Baustoffe wie Zement oder Bitumen ersetzen“, sagt Line Kloster Pedersen , CEO und Gründerin von Visibuilt. „Damit lassen sich Baustoffe künftig lokal und klimafreundlich produzieren – ganz ohne Öl, fossile Energie oder hohe Temperaturen.“

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Tatsächlich wird der Binder laut Visibuilt nicht gebrannt, sondern wächst bei Raumtemperatur. Das spart nach Unternehmensangaben über 80 % Energie und CO₂ im Vergleich zu klassischen Betonprozessen – ein Wert, der allerdings auf internen Berechnungen basiert und bislang nicht extern verifiziert wurde.

Premiere auf dänischer Baustelle

Ganz neu ist das Material nicht mehr nur im Labor. Bei einem Pilotprojekt in Kopenhagen wurde visiPAVER erstmals im Freien verlegt – auf einem Testfeld im nachhaltigen Stadtquartier Fælledby, das ausschließlich auf recycelte und biobasierte Baustoffe setzt.

Die Pflastersteine aus Pilzen sollen dort eine Fahrradabstellfläche pflastern. „Wir wollen zeigen, dass grüne Infrastruktur funktionieren kann – mit Materialien, die Teil der Natur sind“, sagt Fælledby-Geschäftsführer Erling Thygesen.

Auch die dänische Regierung beobachtet das Projekt mit Interesse. Wirtschaftsminister Morten Bødskov betonte bei der Vorstellung, Europa müsse für solche Innovationen endlich schnellere Zulassungsverfahren schaffen. Während die USA neue Materialien oft binnen zwei Jahren zulassen, dauere das in der EU bis zu zehn Jahre – ein Wettbewerbsnachteil für nachhaltige Start-ups.

Vom Labor in den Alltag

Derzeit befindet sich das Material noch in der Erprobungsphase. Ein rund 18 m² großer Testabschnitt wurde 2024 gemeinsam mit dem Baukonzern NCC installiert. Hier soll sich zeigen, wie sich die Pflasterplatten unter Witterung und Belastung verhalten. Noch fehlen belastbare Daten zu Druckfestigkeit, Feuchtigkeitsaufnahme oder Frostbeständigkeit – entscheidende Faktoren, wenn die Platten Gehwege oder Straßenbeläge ersetzen sollen.

Und genau hier zeigt sich die zentrale Herausforderung: Myzelkomposite sind leicht, biologisch abbaubar und energiearm in der Herstellung – aber bislang nur bedingt wetterfest. Laut einer aktuellen Studie in „Buildings“ (MDPI, 2025) liegen ihre Dichten zwischen 160 und 280 kg/m³, deutlich unter dem Niveau klassischer Baustoffe (Beton: ca. 2.300 kg/m³).

Inwiefern Visibuilt die Druckfestigkeit steigern konnte, wird (wie geschrieben), aus den vorliegenden Informationen nicht klar. Damit die Pflastersteine zum Beispiel von Autos befahren werden können, braucht es hingegen eine gewisse Festigkeit.

Eine weitere Herausforderung: Bei Feuchtigkeit quellen viele Myzelmaterialien auf, verlieren an Festigkeit oder beginnen zu degradieren. Einige Proben zerfallen im Boden sogar binnen eines Jahres – das zeigen Laborversuche zu biologisch abbaubaren Myzelkompositen unter realitätsnahen Bedingungen.

Forschung liefert Lösungen

Die Materialwissenschaft arbeitet bereits an Gegenstrategien. Neue Verfahren kombinieren Myzel mit Mineralzusätzen oder 3D-gedruckten Gerüsten, um die Struktur zu stabilisieren. Die oben genannte Studie im Fachjournal Buildings (MDPI, 2025) zeigt, dass durch gezielte Wahl des Pilzstamms und kontrollierte Nährstoffzufuhr deutlich höhere Festigkeiten erreicht werden können.

Andere Teams experimentieren mit hybriden Myzelkompositen, die Wasser abweisen und UV-Strahlung besser verkraften. Auch der Einsatz von natürlichen Fasern – etwa Hanf, Jute oder Bambus – verbessert nachweislich die mechanischen Eigenschaften, wie eine Studie in „Fibers“ (MDPI, 2025) belegt. Das Ziel der Forschungen: biologisch gewachsene Materialien, die sich wie Beton verhalten – aber CO₂ speichern statt freisetzen.

Vom Biolabor zur Straße der Zukunft?

Visibuilt scheint diesen Weg strategisch zu verfolgen. Das 2023 gegründete Unternehmen zählt derzeit 17 Mitarbeitende und arbeitet am Danish Technological Institute sowie im Alfa Laval Innovation House nahe Kopenhagen. Für die Entwicklung des visiBINDER erhielt das Team den Danish Design Award und wurde auf die internationale Norrsken Impact 100-Liste gesetzt.

„Wir sehen unser System nicht nur als Produkt, sondern als Plattformtechnologie“, sagt Kloster Pedersen. Tatsächlich könnte der Myzelbinder künftig nicht nur Pflastersteine, sondern auch Asphaltdecken, Ziegel oder Isolationsmaterialien ersetzen.

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Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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