Kultmarke insolvent: Wie es mit Baggerhersteller Atlas weitergeht
Atlas ist insolvent, doch Produktion und Service laufen weiter. Wie der Baumaschinenhersteller seine Zukunft sichern will.
Ein Zweiwegebagger von Atlas bei Gleisarbeiten: Das Unternehmen ist insolvent, hält den Betrieb jedoch aufrecht und liefert weiterhin Maschinen und Service.
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Es ist ein Einschnitt für eine Kultmarke. Der Baumaschinenhersteller Atlas GmbH ist insolvent. Der Betrieb steht dennoch nicht still. Produktion, Ersatzteilservice und Kundendienst laufen weiter. Für Kunden und Beschäftigte ist das zunächst die entscheidende Nachricht.
Atlas hat beim Amtsgericht Delmenhorst ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht hat dem zugestimmt. Damit bleibt die Geschäftsführung handlungsfähig und führt das Unternehmen selbst durch die Restrukturierung. Ein Sachwalter überwacht den Prozess.
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Warum Atlas diesen Schritt geht
Die Lage in der Bau- und Baumaschinenbranche ist seit Monaten angespannt. Projekte werden verschoben, Investitionen zurückgestellt. Genau das hat auch Atlas getroffen. Die Auftragseingänge gingen zurück, die Auslastung sank. Gleichzeitig lasten strukturelle Kosten auf dem Unternehmen.
Atlas beschreibt es nüchtern: Eine nachhaltige Stabilisierung sei außerhalb eines Insolvenzverfahrens kaum noch möglich gewesen. Zwar hatte das Unternehmen bereits umgebaut und auch Unterstützung von der Gesellschafterseite erhalten. Trotzdem ließen sich Liquiditätsengpässe nicht vollständig vermeiden.
Mit der Eigenverwaltung will Atlas Zeit gewinnen. Zeit, um Strukturen anzupassen, Kosten zu senken und neue Perspektiven zu eröffnen – ohne den laufenden Betrieb zu gefährden.
Betrieb läuft weiter, Löhne sind gesichert
Für die rund 400 Beschäftigten der betroffenen Gesellschaften bringt das Verfahren vorerst Sicherheit. Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich April 2026 abgesichert. Atlas meldet zudem, dass alle zentralen Bereiche weiterarbeiten.
Wörtlich heißt es: „Der Geschäftsbetrieb der Atlas GmbH wird fortgeführt. Produktion, Ersatzteilservice und Kundendienst laufen planmäßig weiter.“ Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 150 Millionen Euro.
Sanierung unter eigener Regie
Die Eigenverwaltung ist kein Automatismus. Gerichte ordnen sie nur an, wenn sie an eine realistische Sanierung glauben. Die Geschäftsführung bleibt im Amt. Unterstützt wird sie von zwei erfahrenen Sanierungsexperten.
Dr. Malte Köster ordnet die Lage so ein: „Atlas ist operativ leistungsfähig und verfügt über eine starke Marke. Das Eigenverwaltungsverfahren schafft jetzt den rechtlichen Rahmen, um die Restrukturierung konsequent umzusetzen und das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren.“
Auch Dr. Hans-Joachim Berner betont die Substanz des Herstellers: „Wichtig ist: Der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Atlas verfügt über hochqualifizierte Mitarbeiter sowie eine in der Branche anerkannte Produktqualität.“
Parallel startet Atlas einen internationalen Investorenprozess. Gespräche mit potenziellen Geldgebern sollen zusätzliche Optionen für eine langfristige Lösung eröffnen.
Mehr als ein Jahrhundert Unternehmensgeschichte
Dass Atlas heute noch existiert, ist kein Zufall. Das Unternehmen blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1919 reicht. Damals gründete der Maschinenbauer Hinrich Weyhausen in Delmenhorst einen Betrieb für landwirtschaftliche Geräte. Früh ging es um praktische Technik, die Arbeit erleichtert.
Ein patentierter Heuaufzug aus den 1930er-Jahren trug erstmals den Namen „Atlas“. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf hydraulische Systeme. 1955 baute das Unternehmen seinen ersten vollhydraulischen Bagger. In den 1960er-Jahren gehörte Atlas zu den führenden Herstellern von Hydraulikbaggern, zeitweise mit rund 1.000 Beschäftigten an mehreren Standorten in Niedersachsen.
Die Geschichte verlief nicht geradlinig. Eigentümerwechsel, Umfirmierungen und eine erste wirtschaftliche Krise Ende der 1990er-Jahre prägten das Unternehmen. Zwischenzeitlich gehörte Atlas zum US-Konzern Terex. Seit 2010 ist der Hersteller wieder eigenständig. 2016 nahm er den heutigen Namen Atlas GmbH an.
Breites Portfolio, klare Handschrift
Heute entwickelt und baut Atlas Mobil- und Kettenbagger, Umschlagmaschinen, Zweiwegebagger sowie Ladekräne. Produziert wird an mehreren Standorten in Niedersachsen. In Ganderkesee entstehen die Bagger, in Delmenhorst die Ladekräne, in Vechta unter anderem Zylinder und Anbaugeräte.
Zum Konzern gehören auch Marken wie Kaelble und Schaeff. Die Technik gilt als robust, wartungsfreundlich und praxisnah. Das ist ein Pfund, mit dem Atlas auch im Sanierungsprozess wuchern kann.
Wie realistisch ist der Neustart?
Die Branche bleibt schwierig. Hohe Zinsen und eine schwache Baukonjunktur belasten viele Hersteller. Dass Atlas auf Eigenverwaltung setzt, zeigt aber auch: Das Unternehmen will gestalten, nicht abwickeln.
Ob der Neustart gelingt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind tragfähige Kostenstrukturen, ein stabiler Auftragseingang und ein Investor, der langfristig mitgeht. Für Kunden ist wichtig, dass Maschinen, Ersatzteile und Service verfügbar bleiben. Genau das verspricht Atlas derzeit.
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