Was ist da passiert? 12.11.2025, 12:00 Uhr

Hongqi-Brücke in China eingestürzt: Was wir daraus lernen können

Neue Hongqi-Brücke in Sichuan teilweise eingestürzt. Keine Verletzten dank Sperrung. Erste Hinweise: Hangrutsch. Was wir daraus lernen können.

Brücke China

In Maerkang (Sichuan) ist am 11. November ein Teil der neuen Hongqi-Brücke eingestürzt. Verletzt wurde niemand, weil die Brücke schon am Vortag nach Warnzeichen gesperrt war.

Foto: picture alliance / CFOTO | CFOTO

Am Dienstagnachmittag, 11. November, stürzt in Maerkang (Barkam), Provinz Sichuan, ein Brückenteil in sich zusammen. Tonnen von Beton und Stahl krachen in den Fluss. Eine Staubwolke legt sich über das enge Tal. Videos davon gehen sofort durchs Netz. Verletzte gibt es nicht. Die Brücke war seit dem Vorabend gesperrt. Grund: Risse im Belag und Bewegungen am Berghang. So steht es in den Meldungen der Behörden.

Wo die Brücke steht und warum das wichtig ist

Die Hongqi-Brücke liegt an der Nationalstraße G317. Sie verbindet das Kernland Chinas mit dem tibetischen Hochland. Das Umfeld ist steil, geologisch sensibel und seismisch aktiv. Die Region wurde 2008 von einem schweren Erdbeben erschüttert. Wer hier baut, kämpft gegen bewegte Berge, lockere Schichten und wechselnde Wasserstände. Genau diese Gemengelage spielt bei der Ursachenfrage eine Rolle.

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Was passierte vor dem Einsturz?

Am Montag, 10. November, registrieren Teams am rechten Talhang Verformungen. Auf der Fahrbahn zeigen sich Risse. Die Polizei sperrt die 758 m lange Brücke noch am selben Nachmittag. In der Nacht räumen Einsatzkräfte den Abschnitt, stellen Schilder auf, richten Umleitungen ein.

Das war entscheidend: Am Dienstag verstärken sich die Hangbewegungen, lösen einen Erdrutsch aus – und reißen die Zufahrt und das Brückentragwerk mit. Genau diese Kaskade zeigen die Videos: Erst gibt der Hang nach, dann sackt die Rampe ab, schließlich bricht das Deck weg.

Technische Eckdaten und offene Fragen

Die Hongqi-Brücke ist ein 758 m langes Bauwerk an einem großen Wasserkraftstandort (Shuangjiangkou). Pfeilerhöhen bis 172 m werden genannt. Das Bauwerk wurde erst dieses Jahr fertig und im Spätsommer/Herbst für den Verkehr freigegeben. Das Projekt liegt verkehrspolitisch auf einer Schlüsselachse Richtung Tibet.

Bauherrenseitig ist die staatlich gestützte Sichuan Road & Bridge Group involviert. Viele dieser Punkte sind bestätigt, manches wird in Berichten unterschiedlich wiedergegeben. Klar ist: Die Brücke war neu, die Lage exponiert, die Topografie schwierig. Die Ermittlungen laufen.

Mögliche Ursache: Geologie schlägt Statik

Offiziell ist die Ursache noch nicht abschließend ermittelt. Erste Bewertungen deuten jedoch auf eine geologisch bedingte Instabilität hin. Also eine Kette aus Hangverformung, Rutschung, Auflockerung des Untergrunds. Das kann die Zufahrt unterspülen oder die Lager verschieben.

Wenn dann das Widerlager seine Auflagerfunktion verliert, hilft die beste Trägerstatik wenig. Kurz gesagt: Der Untergrund nimmt der Struktur den Boden weg. Das deckt sich mit den Beobachtungen vor Ort – erst bewegt sich der Hang, dann kollabiert die Zufahrt, schließlich folgt das Überbau-Feld.

Was wichtig ist

Die Behörden schlossen die Brücke bereits am Montag. Am Dienstag gab es daher keine Fahrzeuge oder Menschen auf dem Bauwerk. Monitoring, Inspektion und schnelle Entscheidung griffen ineinander. Was dabei wichtig ist und wo mögliche Fehler lagen:

  • Risikofrüherkennung: Hangdeformationen sind ein Frühindikator. Messsysteme (Inklinometer, GNSS, Radar) können Bewegungen in mm/Tag sichtbar machen.
  • Drainage und Stützkörper: In Gebirgen entscheiden Entwässerung und Hangfuß-Sicherung oft mehr als zusätzliche Stahltonnen im Überbau.
  • Redundanz der Zufahrt: Zufahrtsbauwerke sind Schwachstellen. Hier lohnt sich konstruktive Redundanz, um lokale Versagen nicht zum Systemversagen werden zu lassen.

Bau-Boom, schwierige Berge

China hat in den vergangenen Jahren massiv in Straßen, Brücken und Bahnen investiert – besonders in gebirgigen Regionen. Daraus entstehen Rekordbrücken, aber auch hohe technische Ansprüche und finanzielle Spannungen auf lokaler Ebene.

Der aktuelle Einsturz befeuert die Debatte: Wie robust sind Bauwerke unter Extrembedingungen? Wie konsequent laufen Langzeit-Monitoring und Hangschutz? Und wie werden klimatische Faktoren – Starkregen, schnelle Schneeschmelzen – künftig eingepreist? Antworten darauf werden auch europäische Infrastruktur-Projekte interessieren, die immer häufiger in „bewegtem Gelände“ stattfinden.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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