Baustatik 20.05.2025, 16:00 Uhr

Heinrich Müller-Breslau vollendete die klassische Baustatik

Als Heinrich Müller-Breslau 1901 als erster Ingenieur in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde, war das ein Meilenstein für die Technikwissenschaften.

Heinrich Müller-Breslau

Heinrich Müller-Breslau hat die klassische Baustatik maßgeblich geprägt.

Foto: mauritius images / Eraza Collection / Alamy

Am 14. Januar 1901 brach die 1700 gegründete Preußische Akademie der Wissenschaften ein Tabu: Mit Heinrich Müller-Breslau nahm sie den ersten Ingenieur als ordentliches Mitglied in ihre Reihen auf. Müller-Breslau sah darin „weniger eine Anerkennung meiner eigenen Leistungen und Bestrebungen als vielmehr eine Wertschätzung des von mir vertretenen Zweiges der technischen Wissenschaften“, wie er seine Antrittsrede am 4. Juli 1901 einleitete.

Kaum zwei Jahre zuvor verlieh Kaiser Wilhelm II. in einem glanzvollen Festakt an der TH Berlin zu ihrer 100-Jahr-Feier den preußischen Technischen Hochschulen das Promotionsrecht (s. Bericht von Heike Weber). Damit war das sich im 19. Jahrhundert formierende System der Technikwissenschaften in Lehre und Forschung nobilitiert.

Mit den Berliner TH-Professoren Adolf Slaby (1849–1913), Alois Riedler (1850–1936) und Heinrich Müller-Breslau (1851–1925) sind die mit dem VDI verbundenen Persönlichkeiten benannt, die das Finale im Ringen um die Gleichstellung der Technischen Hochschulen mit den Universitäten entscheidend bestimmten. Seit dem Wilhelminischen Kaiserreich wirkte Müller-Breslaus wissenschaftliches Werk bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts auch international und sollte die Anfänge der Computerstatik prägen.

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Beratender Ingenieur und Statik-Repetitor in Berlin

Heinrich Franz Bernhard Müller erblickte am 13. Mai 1851 als Sohn eines Kaufmanns in Breslau das Licht der Welt. Nach der Reifeprüfung 1869 nahm er als Offiziersanwärter im preußischen Militär seinen Dienst auf, beteiligte sich am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und studierte an der Berliner Gewerbeakademie. 1875 gründete er mit Richard J. Otto in Berlin ein Ingenieurbüro für Hoch- und Tiefbau. Er nannte sich fortan Müller-Breslau, bereitete Studierende der Berliner Bauakademie in Statik-Repetitorien auf das gefürchtete Staatsexamen bei Johann Wilhelm Schwedler (1823–1894) vor, publizierte bis Anfang der 1880er-Jahre mehrere Statik-Bücher und trat 1883 in den Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin ein.

Aufstieg zum Statikprofessor internationalen Rangs

Am 1. 10. 1883 wurde Müller-Breslau Assistent und Dozent und am 20. 4. 1885 Professor für Bauingenieurwesen der TH Hannover, um schließlich Ende 1888 Emil Winkler (1835–1888) auf den Lehrstuhl Statik der Baukonstruktionen und Brückenbau der TH Berlin zu folgen. Auf Basis der Theoreme von Castigliano und der Maxwellschen Fachwerktheorie arbeitete Müller-Breslau von 1883 bis 1889 eine konsistente Theorie der statisch unbestimmten Stabwerke aus, die er Anfang der 1890er-Jahre formal mit seiner Delta-Symbolik des Kraftgrößenverfahrens krönte und die nach 1950 den Ausgangspunkt der Computerstatik bilden sollte. Müller-Breslau vollendete nicht nur die klassische Baustatik (1875–1900), sondern schloss auch die mit Claude Louis Marie Henri Navier (1785–1836) anhebende Disziplinbildungsperiode der Baustatik (1825–1900) ab.

Müller-Breslau war an vielen Brückenbauprojekten beteiligt; darunter der Kaisersteg an der Spree in Berlin-Oberschöneweide.

Foto: mauritius images / EU/BT / Alamy

Im Streit um die Grundlegung der Baustatik zwischen Otto Mohr (1835–1918) und Müller-Breslau in den 1880er-Jahren formierte sich die Berliner Schule der Baustatik, die nach 1900 international Geltung erlangte. In Müller-Breslaus „Neuere Methoden der Festigkeitslehre“ (seit 1886 fünf Auflagen) und „Graphische Statik der Baukonstruktionen“ (seit 1887 sechs Auflagen) fand die klassische Baustatik monografisch ihren gültigen Ausdruck; Beide Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Klassische Baustatik und Ingenieurbau

Müller-Breslau wirkte an zahlreichen Projekten als Gutachter und beratender Ingenieur mit: Genannt seien hier seine Vorschläge zur Verbesserung von Zeppelins Luftschiff, für dessen Ideen er sich im VDI nach 1894 engagierte, der Entwurf des Kaiserstegs in Berlin-Oberschönweide, die Tragsysteme des Berliner Doms und eine Eisenbahnbrücke über die Wolga bei Kasan.

An der Kuppelkonstruktion des Berliner Doms war Müller-Breslau ebenfalls beteiligt.

Foto: mauritius images / W.Wirth

Für seine Verdienste um die Baustatik und den Ingenieurbau erhielt Müller-Breslau zahlreiche Ehrungen: die große goldene Medaille für Verdienste um das Bauwesen (1902), Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences zu Boston (1902) und des Instituts für Verkehrswegebau zu St. Petersburg (1908), Ehrendoktorwürden der TH Darmstadt (1902) und Berlin (1921), Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften (1908) und die Berufung als Vertreter der deutschen Technischen Hochschulen in das preußische Herrenhaus auf Lebenszeit (1913).

Müller-Breslau übte seine Lehrtätigkeit an der TH Berlin bis Ende des Wintersemesters 1923/24 aus und starb in der Nacht vom 23. zum 24. April 1925. Sein größtes wissenschaftliches Verdienst ist die Kalkülisierung der Theorie statisch unbestimmter Systeme in Gestalt der Delta-Symbolik, vor deren Hintergrund Konrad Zuse (1910–1995) zehn Jahre nach Müller-Breslaus Tod erste Überlegungen zur Konzeption einer programmgesteuerten Rechenmaschine anstellen sollte.

Ein Beitrag von:

  • Karl-Eugen Kurrer

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