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Gotthard-Tunnel: Deutsche Bohrmaschine „Paulina“ arbeitet wieder

Nach Gesteinsniederbruch im Gotthard-Tunnel arbeitet die Tunnelbohrmaschine „Paulina“ wieder. Sprengvortrieb sichert die Störzone und hält den Zeitplan.

Blick auf die Baustelle des Gotthard-Straßentunnels

Blick auf die Baustelle des Gotthard-Straßentunnels.

Foto: picture alliance/KEYSTONE | Samuel Golay

Nach fast einem Jahr Stillstand ist die deutsche Tunnelbohrmaschine „Paulina“ im Schweizer Gotthard-Tunnel wieder im Einsatz. Die rund 3000 t schwere Anlage des Herstellers Herrenknecht aus Schwanau hatte im Juni 2025 im südlichen Abschnitt der zweiten Gotthardröhre angehalten werden müssen. Grund waren schwierige geologische Verhältnisse oberhalb von Airolo im Kanton Tessin.

Das Schweizer Bundesamt für Straßen (Astra) sprach damals von einer kontrollierten Vorsichtsmaßnahme. Die Maschine sei nicht technisch defekt und auch nicht blockiert. Inzwischen nennt das Astra den konkreteren Grund: In der Störzone kam es zu einem „Gesteinsniederbruch“. Dabei stürzte Gestein im Bereich der Maschine herab. Die betroffene Zone wurde inzwischen gesichert. Seit dem 19. Mai 2026 läuft „Paulina“ wieder. Bis zum Ende der schwierigen Störzone sind es nach Angaben des Astra noch rund 100 m.

Warum die Maschine gestoppt wurde

Bereits im Sommer 2025 hatte die Bauleitung ungewöhnlich problematische Bedingungen gemeldet. Der Fels war stark geklüftet, brüchig und von Hohlräumen durchsetzt. Unter solchen Bedingungen steigt das Risiko, dass der Bohrkopf beschädigt wird oder die Tunnelbohrmaschine festkommt.

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Nach rund 190 m Vortrieb wurde „Paulina“ deshalb angehalten. Im vergangenen Jahr war öffentlich vor allem von einer Vorsichtsmaßnahme die Rede. Zugleich hatte die Tunnelbaufirma mehrfach darauf hingewiesen, dass die Maschine in der Störzone steckenzubleiben drohte. Herrenknecht selbst äußerte sich dazu nicht näher und verwies auf vertragliche Gründe.

Um den kritischen Abschnitt zu überwinden, stellte die Bauleitung das Verfahren um. Statt weiter maschinell zu bohren, wurde ein Teil der Zone konventionell im Sprengvortrieb gesichert und aufgefahren. Diese Methode ist langsamer, erlaubt aber mehr Kontrolle über instabiles Gebirge.

Zweite Röhre für die Gotthard-Achse

Der Gotthard-Straßentunnel verbindet seit 1980 Göschenen im Kanton Uri mit Airolo im Kanton Tessin. Die bestehende Röhre ist rund 17 km lang und zählt zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen durch die Alpen. Auch viele deutsche Urlauberinnen und Urlauber nutzen die Strecke auf dem Weg Richtung Süden.

Nach mehr als 40 Jahren Betrieb muss die bestehende Röhre saniert werden. Damit der Verkehr währenddessen weiterlaufen kann, entsteht eine zweite Tunnelröhre. Das Schweizer Stimmvolk hatte dem Projekt 2016 mit 57 % zugestimmt.

Nach Fertigstellung sollen beide Röhren jeweils eine Fahrspur und einen Pannenstreifen erhalten. Dadurch steigt vor allem die Sicherheit. Eine Kapazitätserweiterung im klassischen Sinn ist politisch nicht vorgesehen.

Deutsche Bohrtechnik im Gotthardmassiv

„Paulina“ wurde von Herrenknecht gebaut und gehört zum Typ Einfachschild-TBM. Die Maschine besitzt einen Bohrkopf mit 12,31 m Durchmesser und eine Antriebsleistung von 5600 kW. Normalerweise arbeitet sie sich kontinuierlich durch Hartgestein wie Granit, Gneis und Schiefer.

Der Gotthard bleibt dennoch ein geologisch anspruchsvolles Baugebiet. Unterschiedliche Gesteinszonen, tektonische Störungen und mögliche Wasserzutritte machen den Vortrieb schwer berechenbar. Selbst umfangreiche Vorerkundungen können nicht jedes Verhalten des Gebirges exakt vorhersagen.

Die Wiederaufnahme des maschinellen Vortriebs ist deshalb ein wichtiger Schritt. Der Zeitplan sieht weiterhin vor, die zweite Röhre 2030 zu eröffnen. Danach soll die bestehende Röhre aus dem Jahr 1980 saniert werden.

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Eckdaten zur zweiten Gotthardröhre

Punkt Angabe
Verbindung Göschenen – Airolo
Länge rund 17 km
Projekt zweite Gotthard-Straßenröhre
Baukosten ca. 2,14 Mrd. CHF
Geplante Eröffnung 2030
Maschine „Paulina“ von Herrenknecht
Durchmesser Bohrkopf 12,31 m
Leistung 5600 kW
Grund des Stopps Gesteinsniederbruch in Störzone

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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