Mysteriöse Entdeckung 17.11.2025, 12:30 Uhr

Geheimer Eingang? Hohlräume in Gizeh-Pyramide entdeckt

Neue Messungen zeigen zwei Hohlräume in der Mykerinos-Pyramide in Gizeh. Sie könnten auf einen verborgenen Eingang hindeuten. Was die Daten wirklich verraten.

Mykerinos-Pyramide

Gibt es einen geheimen Eingang in der Mykerinos-Pyramide? Forschende sind auf rätselhafte Hohlräume gestoßen.

Foto: Smarterpix / Baloncici

Zwischen den rauen Granitblöcken der Mykerinos-Pyramide fallen zwei glatt polierte Flächen sofort aus dem Muster. Eine markiert den bekannten Eingang. Die andere liegt dort, wo es offiziell keinen Zugang geben dürfte. Genau diese Stelle ließ Forschende aufhorchen.

Erst die neuen Messdaten von ScanPyramids und der TU München machten klar: Hinter der Fassade liegen zwei Hohlräume, flankiert von präzise gearbeiteten Blöcken – darunter ein trapezförmiger Stein, der wie ein verdeckender Deckel wirkt. Nichts ist bestätigt, aber eines ist offensichtlich: Die Ostseite der Pyramide verbirgt mehr, als man bisher glaubte.

Ein glatter Abschnitt inmitten rauer Fassade

Bei den meisten Pyramidensteinen dominieren grob behauene und verwitterte Oberflächen. Doch an zwei Stellen der Mykerinos-Pyramide fallen ungewöhnlich glatte Granitflächen auf. Eine liegt am bekannten Eingang auf der Nordseite. Die andere befindet sich östlich davon – an einer Stelle, an der es offiziell keinen Eingang gibt.

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Schon 2019 stellte der Forscher Stijn van den Hoven die Hypothese auf, dort müsse ein weiterer Zugang verborgen sein. Die glatten Blöcke wirkten wie ein Gegenstück zum bekannten Eingang. Fachleute nahmen die Idee ernst, aber Beweise gab es nicht.

Bis das Team von ScanPyramids und der Technischen Universität München die Ostseite mit moderner Messtechnik überzog – Zentimeter für Zentimeter.

Zerstörungsfreie Methoden statt Bohrer und Sprengstoff

Im 19. Jahrhundert hätten Archäologen vermutlich einfach ein Loch in die Wand getrieben. Heute ist das unvorstellbar – die Pyramiden sind Weltkulturerbe, jeder Eingriff ist streng reglementiert.

Christian Große, Professor für zerstörungsfreie Prüfung an der TUM, formuliert es klar:
„Andere Untersuchungsmöglichkeiten bekommt man praktisch nie zugelassen. Es ist ja ein Weltkulturerbe.“

Das Team nutzte deshalb drei berührungsarme oder kontaktarme Verfahren:

  • Elektrische Widerstandstomografie (ERT) – misst, wie gut Strom durch das Material fließt.
  • Georadar (GPR) – funktioniert ähnlich wie ein Echolot, nur mit elektromagnetischen Wellen.
  • Ultraschall (UST) – registriert Reflexionen von Schallwellen im Gestein.

Alle drei Methoden schließen auf unterschiedliche Weise auf Hohlräume. Erst durch die Kombination entsteht ein scharfes Bild.

Die Daten zeigen zwei Hohlräume und einen verdächtigen Block

Die ERT-Messungen deckten erstmals zwei Bereiche auf, die sich deutlich vom umgebenden Granit unterscheiden. Sie liegen:

  • etwa 1,13 m und 1,35 m hinter der Außenseite,
  • jeweils rund 1 m hoch,
  • und 0,7 bis 1,5 m breit.

ERT zeigte vor allem eines: ungewöhnlich hohe elektrische Widerstände in den betroffenen Zonen. Das deutet auf Luft hin – also auf einen leeren Hohlraum.

Besonders auffällig: Ein trapezförmiger Block genau vor der größeren Anomalie. Er ist sorgfältig gearbeitet, stärker poliert und weicht in Form und Materialeigenschaften von den benachbarten Steinen ab. In den Daten erscheint er wie ein „Deckelstein“, der etwas dahinter verbirgt.

GPR und Ultraschall bestätigten diesen Befund. Auch sie registrierten schräg verlaufende Reflexionen, wie sie für Hohlräume typisch sind.

„Das Ende des Hohlraums sehen wir nicht“

Die elektrische Tomografie geht besonders tief. Große erklärt: „Da sehen wir tatsächlich das Ende des Hohlraums nicht.“ Das heißt: Die Hohlräume reichen weiter in das Innere, als die Messverfahren abbilden konnten. Ob es sich nur um kleine Nischen handelt oder um längere Gänge, bleibt offen.

Die Forschenden simulierten mehrere Szenarien – darunter lose Fugen, Luftschichten zwischen Granit und Kalkstein sowie tiefere Hohlräume. Die plausibelste Variante: eine Granitschicht, hinter der sich ein größerer leerer Bereich im Kalkstein verbirgt.

Was bedeutet das archäologisch?

Ägyptologe Arnulf Schlüter aus München war früh eingebunden. Er bremst die Erwartungen:
„Die Hoffnung auf einen zweiten Eingang und ein verborgenes Gangsystem mit versteckten Kammern ist noch sehr begrenzt bei mir.“

Seiner Einschätzung nach könnte der Hohlraum schlicht statische Gründe haben. Pyramiden bestehen aus vielen Schichten und Hohlräumen, die Druck verteilen und Setzungen abfangen. Eine technische Notwendigkeit ist somit wahrscheinlicher als ein mysteriöser Geheimgang.

Und doch: Schlüter betont zugleich, dass die Entdeckung wichtig sei. Denn vieles am Bau der Pyramiden ist weiter unklar. Jedes neue Detail bringt die Forschung ein Stück voran.

Blick zurück: Die spektakuläre Kammer in der Cheops-Pyramide

Die Mykerinos-Funde waren nicht die ersten Entdeckungen, die das Forschungsteam machte. 2023 entdeckte das ScanPyramids-Projekt in der benachbarten Cheops-Pyramide einen 9 m langen verborgenen Korridor – genau dort, wo die Myonenmessungen zuvor eine Anomalie gezeigt hatten.

Er wurde erst sichtbar, nachdem ein Endoskop durch eine winzige Fuge in der Chevron-Konstruktion geschoben wurde. Große beschrieb damals den Moment so: „Dass diese Kammer groß genug ist, um mehrere Menschen aufzunehmen, das macht es noch viel bedeutender.“  Diese Erfahrung motiviert die Teams, auch bei Mykerinos den nächsten Schritt zu gehen.

Der heikle nächste Schritt: Ein Loch bohren oder doch nicht?

Wenn die Hohlräume genauer untersucht werden sollen, gibt es nur eine Möglichkeit: ein kleines Bohrloch, gerade groß genug für eine Kamera.

Ob das erlaubt wird, ist völlig offen. Ein falscher Eingriff könnte Spuren hinterlassen, die nicht rückgängig zu machen sind. Gleichzeitig wäre es die einzige Möglichkeit, die Frage nach einem zweiten Eingang wirklich zu klären.

Die ägyptischen Behörden prüfen derzeit die Lage. Das Interesse ist groß, aber der Schutz der Pyramiden steht im Vordergrund.

Was wir jetzt wissen – und was nicht

Bekannt ist nun:

  • Es gibt zwei Hohlräume direkt hinter der Ostfassade.
  • Beide liegen hinter einer auffälligen Zone aus polierten Blöcken.
  • Einer liegt hinter einem trapezförmigen Spezialblock.
  • Ihre Ausdehnung ist größer, als Messverfahren erfassen konnten.

Unklar ist weiterhin:

  • Handelt es sich um strukturelle Entlastungsräume – oder um eine Passage?
  • Wie weit reichen die Hohlräume in die Pyramide hinein?
  • Warum wurde genau dort so präzise gearbeitet?
  • Und existiert tatsächlich ein zweiter Eingang?

Um Antworten zu finden, wären weitere nicht-invasive Verfahren denkbar – etwa Thermografie, Gravimetrie oder erneut Myonenmessungen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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