Fürs Dach entwickelt, fürs Recycling gedacht: Eine neue Dampfbremse aus Papier
Feuchtevariable Dampfbremsen mit Papier gibt es bereits. Mainz erforscht, wie sich ihre Funktion mit vollständiger Recyclingfähigkeit verbinden lässt.
Papier als Ausgangsmaterial: Forschende der Hochschule Mainz wollen daraus eine feuchtevariable und vollständig recyclingfähige Dampfbremse entwickeln. Symbolfoto.
Foto: Smarterpix / urfingus
Forschende der Hochschule Mainz wollen eine Dampfbremse auf Papierbasis entwickeln, die auf Feuchtigkeit reagiert. Sie soll Bauteile vor zu hohem Wasserdampfeintrag schützen, ihre Rücktrocknung unterstützen und nach der Nutzung vollständig recycelbar sein.
Feuchtevariable Dampfbremsen sind im Bau längst etabliert. Schwieriger ist die Frage, was nach dem Rückbau aus ihren Materialverbünden wird. Die Hochschule Mainz untersucht deshalb eine papierbasierte Alternative. Sie soll ihren Widerstand gegen Wasserdampf an die Feuchtebedingungen anpassen und zugleich vollständig recycelbar bleiben.
Das am 5. Oktober 2026 vorgestellte Vorhaben gehört zum neuen Sonderforschungsbereich „Funktionale Papiere“, den die TU Darmstadt koordiniert. Das Mainzer Teilprojekt leitet Prof. Dr. Nadja Bishara, Professorin für Nachhaltige Bausysteme und Gebäudesimulation. Noch geht es um die Entwicklung des Materials, nicht um ein fertiges Bauprodukt.
Inhaltsverzeichnis
Warum eine Dampfbremse durchlässiger werden soll
In gedämmten Dach- und Holzbaukonstruktionen muss der Feuchtetransport zum Aufbau passen. Eine Dampfbremse begrenzt den Wasserdampf, der durch die Bauteilschichten diffundiert. Sie kann aber auch einen möglichen Austrocknungsweg einschränken.
Feuchtevariable Bahnen verändern deshalb ihren Diffusionswiderstand: Unter trockenen Bedingungen bremsen sie stärker. Steigt die relative Feuchtigkeit an der Bahn, werden sie durchlässiger. Bei geeigneten Konstruktionen kann dadurch mehr Feuchtigkeit zur Raumseite austrocknen. Ob das funktioniert, hängt vom gesamten Bauteil und den klimatischen Bedingungen ab. Warum ein einzelner Kennwert dafür nicht genügt, erläutert der Beitrag „Feuchteschutz im Dach: Warum der sd-Wert allein nicht reicht“.
Für das neue Papiermaterial nennt die Projektbeschreibung konkrete Ziele: Bei niedriger relativer Feuchte soll der sogenannte sd-Wert bis zu 35 m erreichen, bei hoher relativer Feuchte etwa 2 m. Je höher dieser Wert liegt, desto stärker bremst das Material die Wasserdampfdiffusion. Die Zahlen sind angestrebte Eigenschaften; veröffentlichte Messreihen der neuen Bahn nennt die Projektbeschreibung noch nicht.
Fasern und Poren sollen den Wasserdampftransport steuern
Das Team untersucht, wie Wasserdampf durch Papierblätter und Laminate gelangt. Dabei stehen die Ausrichtung der Fasern, die Porenstruktur und die physikalisch-chemische Behandlung des Materials im Mittelpunkt.
Die Feuchteanpassung allein reicht jedoch nicht. Die Bahn muss auch mechanisch beständig sein und ihre Abmessungen ausreichend stabil halten. Gleichzeitig dürfen die Veränderungen am Papier dessen Recyclingfähigkeit nicht beeinträchtigen. Welche Zusammensetzung oder Beschichtung dafür eingesetzt werden soll, ist bislang nicht näher beschrieben.
Für eine spätere Bauanwendung kommt zudem die Verarbeitung hinzu. Eine Dampfbremse kann gleichzeitig die Luftdichtheitsebene bilden. Dann müssen auch Stöße und Anschlüsse dauerhaft dicht sein. Ein veränderlicher Diffusionswiderstand gleicht undichte Fugen nicht aus. Mehr dazu steht im Beitrag über Dachdämmung und die Anforderungen an den Feuchteschutz.
Papier ist keine Premiere
Papierbasierte feuchtevariable Dampfbremsen sind bereits erhältlich. Ein Beispiel ist DB+ von pro clima. Nach Angaben des Herstellers besteht die Bahn aus Baupappe aus Recyclingpapier, einer Verklebung mit Polyethylen und einer Glasfaserarmierung. Ihr sd-Wert verändert sich mit der Feuchtigkeit zwischen 0,40 und 4 m.
Das Mainzer Vorhaben zielt damit auf mehr als den Einsatz von Papier: Es soll die erforderlichen bauphysikalischen und mechanischen Eigenschaften mit vollständiger Recyclingfähigkeit verbinden. Wie sich die geplante Bahn technisch von bestehenden Verbundprodukten unterscheiden wird und ob sie ohne Kunststoffzusätze auskommt, bleibt offen.
Was nach dem Rückbau übrig bleibt
Papier aus Altpapier herzustellen und eine gebrauchte Dampfbremsbahn zu recyceln, sind zwei unterschiedliche Aufgaben. Für die Wiederverwertung zählt das fertige Material einschließlich seiner Funktionsschichten. Beim Rückbau stellt sich außerdem die Frage, wie es von angrenzenden Baustoffen und Verklebungen getrennt werden kann.
Dass Baustoffkreisläufe auch einen geordneten Rückbau und Kenntnisse über die verbauten Materialien brauchen, zeigen die VDI nachrichten in einem Beitrag über Recycling und Wiederverwendung am Bau.
Quellen
- Hochschule Mainz, 5. Oktober 2026: Papier als Baustoff der Zukunft
- SciPort RLP: Teilprojekt C04 – Forschungsziele, Laufzeit und Projektmittel
- pro clima: Technische Daten der papierbasierten Dampfbremse DB+
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