Weniger Normen, mehr Klarheit 05.09.2025, 10:14 Uhr

EasyCode statt Eurocode-Wust im Stahlbau: NRW geht voran

Mit dem EasyCode reicht ein schlanker Leitfaden für 80 % der Projekte im Stahlbau. NRW geht voran und reduziert die Normenflut.

Stahlbau

Schlanker planen im Stahlbau: NRW erlaubt EasyCode als Alternative zum Eurocode. Kompakte Regeln, klare Anwendung.

Foto: PantherMedia / levkro

Wer heute im Stahlbau plant, kommt am Eurocode 3 nicht vorbei. Dieses Regelwerk legt fest, wie Tragwerke aus Stahl bemessen, konstruiert und überprüft werden müssen. Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit stehen im Mittelpunkt. Doch der Eurocode ist dick wie ein Telefonbuch. Über 1.300 Seiten voller Querverweise, Formeln und Detailregelungen. Praktisch alle wissen: Er ist umfassend, aber schwer handhabbar.

Jetzt gibt es eine schlanke Alternative: den EasyCode. Auf knapp 160 Seiten bündelt er die Inhalte, die für rund 80 % aller üblichen Stahlbauprojekte im Hochbau wichtig sind. Entwickelt haben ihn Fachleute aus Praxis, Hochschulen und Verbänden. Veröffentlicht wurde er vom DASt – Deutscher Ausschuss für Stahlbau in Zusammenarbeit mit dem DIN. Nordrhein-Westfalen erlaubt als erstes Bundesland die Anwendung.

Was steckt hinter dem EasyCode?

Der EasyCode versteht sich nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Er bleibt im Rahmen des Eurocode 3, vereinfacht aber die Handhabung. Komplexe Formeln sind durch Tabellen und Nomogramme ersetzt. Querverweise wurden stark reduziert. Wer eine Stahlhalle, ein Bürogebäude oder eine Standardkonstruktion plant, findet im EasyCode die wichtigsten Regeln direkt auf einen Blick.

Professor Markus Feldmann von der RWTH Aachen erläutert: „Mit dem ‚EasyCode Stahlbau‘ wird die Bemessung von einfachen Stahlbauten deutlich erleichtert. Er bereitet in komprimierter, stringenter und teils auch erklärender Form die wichtigsten Regeln des Eurocode 3 auf.“ Damit eignet sich der Leitfaden besonders für Planerinnen und Planer, die nicht täglich mit Stahlbau zu tun haben.

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Eurocode 3 in Kurzform

Um den Nutzen zu verstehen, lohnt ein Blick auf das große Vorbild. Der Eurocode 3 ist Teil der europäischen Normenreihe für die Tragwerksplanung. Gemeinsam mit Eurocode 0 (Grundlagen) und Eurocode 1 (Einwirkungen auf Tragwerke) regelt er, wie Stahlbauten sicher und dauerhaft errichtet werden. Themen sind u. a. Feuerwiderstand, Stabilität oder Ermüdung.

Das Problem: Seine Detailtiefe ist für viele Projekte zu groß. Wer eine Stahlkonstruktion plant, blättert sich durch unzählige Seiten, obwohl er nur einen Bruchteil der Regeln braucht. Hier setzt der EasyCode an. Er ist sozusagen die „kompakte Bedienungsanleitung“ zum Eurocode.

NRW macht den Anfang

Nordrhein-Westfalen hat den EasyCode offiziell in die Technischen Baubestimmungen aufgenommen. Damit können Ingenieurinnen und Ingenieure im Land rechtssicher nach dem schlanken Regelwerk arbeiten. Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, formuliert es so:

„Nordrhein-Westfalen setzt die Vorschriften für den Stahlbau auf Diät – und das ganz ohne Jo-Jo-Effekt. Mit 80 % weniger Regelungsumfang trotzdem sicher planen.“ Für die Praxis bedeutet das: weniger Papier, schnellere Nachweise, geringere Kosten. Ein Signal, das in der Baubranche ankommt.

Entlastung für Planung und Bau

Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, sieht in der Einführung einen klaren Vorteil: „Mit 20 % des bisherigen Regelumfangs rund 80 % der durchschnittlichen Projekte im Stahlbau sicher zu planen – das ist es, was Ingenieurinnen und Ingenieure brauchen.“

Auch kleinere Büros profitieren. Denn sie haben oft nicht die Kapazitäten, um sich durch komplexe Normen zu arbeiten. Roland Eisler von der Vereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik NRW sagt dazu: „Umso wichtiger sind Kompaktformate, die ihre Inhalte für Planende – besonders in kleinen und mittleren Unternehmen – praktisch nutzbar machen.“

Ausbildung inklusive

Nicht nur für die Praxis, auch für die Ausbildung ist der EasyCode interessant. Professor Jörg Laumann von der FH Aachen sieht darin ein nützliches Werkzeug für Studierende:

„Die DASt-Richtlinie ‚EasyCode Stahlbau‘ bietet als deutlich komprimierter Regeltext die Möglichkeit, übliche Hochbaukonstruktionen effizient und wirtschaftlich zu bemessen.“

Auch interessant:

Künftige Ingenieurinnen und Ingenieure lernen die Grundlagen des Stahlbaus schneller kennen, ohne sich gleich durch den kompletten Eurocode arbeiten zu müssen.

Kooperation von Praxis und Forschung

Entstanden ist der EasyCode aus einem starken Praxisimpuls. Wirtschaft, Planung und Behörden forderten eine handhabbare Fassung der Regeln. Bauforumstahl, die Ingenieurkammer-Bau NRW und die Prüfingenieure NRW entwickelten das Regelwerk. Die Grundlagen lieferten Forschungsarbeiten an der RWTH Aachen und der FH Aachen.

Gregor Machura vom bauforumstahl betont den Schulterschluss: „Mit dem ‚EasyCode Stahlbau‘ steht ein Werkzeug zur Verfügung, das den Alltag in den Büros und auf den Baustellen spürbar erleichtert.“

Die Einführung in NRW setzt ein Zeichen. Wenn das Modell Schule macht, könnten weitere Bundesländer nachziehen. Zudem entsteht ein Anreiz für Softwarehersteller, ihre Statikprogramme an den EasyCode anzupassen. Damit wird er noch einfacher nutzbar.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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