Brand im Engelbergtunnel: Reparaturen dauern Wochen
Nach Lkw-Brand im Engelbergtunnel bleibt eine Tunnelröhre wochenlang gesperrt. Was Feuer mit Beton und Tunneltechnik macht.
Brand im Engelbergtunnel: Lkw-Feuer beschädigt Beton und Technik. Warum eine Tunnelröhre der A81 wochenlang gesperrt bleibt.
Foto: picture alliance/dpa | Karsten Schmalz
Ein brennender Lkw-Anhänger hat am 3. März im Engelbergtunnel auf der A81 bei Leonberg einen Großeinsatz ausgelöst. Hunderte Rettungskräfte waren im Einsatz. Der Brand beschädigte die Tunnelinfrastruktur erheblich. Fachleute gehen davon aus, dass eine Tunnelröhre mehrere Wochen gesperrt bleiben muss.
Der Vorfall zeigt, wie schnell ein einzelner Fahrzeugbrand eine Tunnelanlage außer Betrieb setzen kann. Obwohl moderne Straßentunnel über umfangreiche Sicherheitssysteme verfügen, bleibt Feuer in einer geschlossenen Tunnelröhre eine der kritischsten Situationen im Straßenverkehr.
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Lkw-Anhänger gerät im Tunnel in Brand
Das Feuer brach am Dienstagnachmittag gegen 14:20 Uhr in der Weströhre des Engelbergtunnels aus. Ein Lkw-Anhänger, der mit Kühlschränken beladen war, fing während der Fahrt Feuer. Kurz darauf entwickelte sich eine starke Rauchentwicklung. Über dem Tunnel waren dunkle Rauchwolken zu sehen.
Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Zu Spitzenzeiten waren rund 170 Einsatzkräfte und 28 Löschfahrzeuge im Einsatz. Der Brand konnte nach etwa einer Stunde unter Kontrolle gebracht werden. Gegen 15:20 Uhr meldeten Einsatzkräfte schließlich „Feuer aus“.
Die beiden Lkw-Fahrer erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden leicht bis mittelschwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Weitere 33 Menschen mussten vor Ort medizinisch betreut werden. Viele von ihnen hatten Rauch eingeatmet oder standen unter Schock.
Augenzeugen berichteten außerdem von mehreren Explosionen. „Über mehrere Minuten hinweg verteilt waren insgesamt etwa sechs bis acht Explosionen laut wahrnehmbar“, schilderte SWR-Hörer Stephan Faulhaber.
Tunnelröhre schwer beschädigt
Der Brand hat die betroffene Tunnelröhre deutlich stärker beschädigt als zunächst angenommen. Erste Untersuchungen zeigen massive Schäden an der Betonkonstruktion und an der technischen Ausstattung.
Nach Angaben der Stadt Leonberg kam es an der Tunneldecke zu erheblichen Betonabplatzungen. Außerdem wurden Kabel der Tunnelsteuerung und Teile der Brandmeldeanlage durch Hitze und Rauch zerstört.
Solche Schäden entstehen häufig bei Tunnelbränden. Temperaturen können bei brennenden Lkw schnell 800 bis 1000 °C erreichen. Unter dieser Hitze verändert sich die Struktur des Betons.
Im Beton enthaltenes Wasser verdampft. Der entstehende Dampfdruck kann die äußeren Betonschichten explosionsartig absprengen. Fachleute sprechen dabei von „Spalling“ oder Betonabplatzung. Dadurch wird die schützende Betondeckung zerstört und die Tragstruktur kann geschwächt werden.
Neben der Baukonstruktion sind auch technische Anlagen betroffen. Tunnel enthalten zahlreiche Systeme, die für den sicheren Betrieb notwendig sind. Dazu gehören Sensoren, Kommunikationsleitungen, Beleuchtung sowie Steuertechnik für Lüftung und Verkehrsführung. Wird diese Technik beschädigt, muss sie aufwendig überprüft und teilweise ersetzt werden.
Eine Tunnelröhre wieder frei
Die sogenannte Oströhre in Richtung Heilbronn konnte nach einer nächtlichen Prüfung bereits wieder für den Verkehr freigegeben werden. Fachleute untersuchten die Konstruktion bis in die frühen Morgenstunden.
Die Gegenrichtung bleibt jedoch gesperrt. Nach aktuellen Einschätzungen könnte die Reparatur vier bis sechs Wochen dauern.
Allein die Bergung des ausgebrannten Fahrzeugs gestaltete sich aufwendig. Die zerstörten Kühlschränke mussten einzeln aus dem Tunnel entfernt werden.
Warum Brände in Tunneln besonders gefährlich sind
Brände in Straßentunneln zählen zu den kritischsten Ereignissen im Verkehr. Die größte Gefahr geht meist nicht direkt vom Feuer aus, sondern vom Rauch.
Rauch enthält giftige Gase wie Kohlenmonoxid und verdrängt Sauerstoff. Schon kurze Rauchbelastung kann zu schweren Vergiftungen führen. Gleichzeitig breitet sich Rauch in Tunnelröhren sehr schnell aus.
Hinzu kommen weitere Risiken:
- extreme Hitzeentwicklung
- starke Sichtbehinderung durch Rauch
- schwierige Orientierung bei der Flucht
- blockierte Fahrbahnen durch Stau
- mögliche Schäden an der Tunnelstruktur
Frühere Unglücke haben gezeigt, wie dramatisch solche Situationen werden können. Beim Brand im Mont-Blanc-Tunnel im Jahr 1999 starben 39 Menschen. Zwei Jahre später kamen beim Lkw-Brand im Gotthard-Straßentunnel elf Menschen ums Leben.
Moderne Tunnel besitzen umfangreiche Sicherheitssysteme
Trotz dieser Risiken gelten Straßentunnel heute als vergleichsweise sichere Verkehrsbauwerke. Allein im deutschen Fernstraßennetz existieren mehr als 280 Tunnelanlagen. Technische Sicherheitssysteme und Tunnelleitzentralen überwachen dort rund um die Uhr den Verkehr.
Zu den wichtigsten Sicherheitseinrichtungen gehören:
- Videokameras zur Verkehrsüberwachung
- automatische Brandmeldeanlagen
- leistungsstarke Lüftungssysteme
- Notrufstationen im Tunnel
- Lautsprecher für Durchsagen
- Fluchtwege und Notausgänge
- Orientierungsbeleuchtung
Die Systeme sind mit Leitstellen verbunden. Dort können Mitarbeitende im Ernstfall sofort reagieren, etwa indem sie Fahrspuren sperren oder die Lüftung so steuern, dass Rauch gezielt abgeführt wird.
Richtiges Verhalten im Brandfall
Neben der Technik spielt auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden eine wichtige Rolle. Wer im Tunnel auf einen Brand stößt, sollte möglichst ruhig reagieren.
Wenn möglich, sollten Sie zunächst aus dem Tunnel herausfahren. Ist das nicht mehr möglich, halten Sie am rechten Fahrbahnrand oder in einer Pannenbucht an.
Wichtig ist anschließend:
- Warnblinker einschalten
- Motor abstellen
- Fahrzeugschlüssel stecken lassen
- Notrufstation nutzen
- Tunnel über ausgeschilderte Notausgänge verlassen
Im Fahrzeug zu bleiben kann gefährlich sein. Rauch breitet sich schnell aus und kann bereits nach kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.
Infrastruktur unter extremem Stress
Der Brand im Engelbergtunnel zeigt auch, wie empfindlich Verkehrsinfrastruktur auf extreme Ereignisse reagiert. Ein einzelner Lkw-Brand kann eine wichtige Autobahnverbindung für Wochen beeinträchtigen.
Bevor die beschädigte Tunnelröhre wieder geöffnet werden kann, müssen Fachleute mehrere Punkte prüfen. Dazu gehören die Tragfähigkeit der Betonkonstruktion, der Zustand der Tunneldecke sowie die Funktion von Lüftung, Beleuchtung und Steuertechnik.
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