Stromunfall in Hagen 21.08.2025, 12:19 Uhr

Arbeiter trifft Erdkabel – warum passiert so etwas immer wieder?

Warum werden bei Bauarbeiten häufig Leitungen in der Erde getroffen? Ein Blick auf fehlende Kataster, Stromausfälle, den Glasfaserausbau und digitale Abhilfe.

Achtung Kabel

Solch ein Hinweis fehlte bei dem Unfall in Hagen. Ein Bauarbeiter traf Stromkabel, und er wurde dabei verletzt.

Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie

Der Bauarbeiter war gerade dabei, in Hagen-Hohenlimburg Glasfasern zu verlegen. Da traf er mit seinem Stemmhammer ein 10-kV-Kabel. Ein Hubschrauber flog ihn dann lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus, berichtete der WDR. Als Folge fiel in den Hagener Stadtteilen Oege und Elsey der Strom aus – 13 Verteilstationen waren betroffen. Der Hagener Stromnetzbetreiber schätzt, dass mehrere Tausend Anwohner keine Elektrizität hatten. Techniker des Netzbetreibers waren im Einsatz, um sie nach und nach wieder anzuschließen.

Solche Meldungen gibt es immer wieder. So gab es 2019 in Berlin-Köpenick den größten und längsten Stromausfall in der Stadt seit Ende des Zweiten Weltkriegs: Ein Bagger durchtrennte bei Bauarbeiten an der Salvador-Allende-Brücke zwei 110-kV-Stromkabel. Etwa 31.000 Haushalte und über 2000 Betriebe waren damals rund 31 Stunden ohne Strom.

Warum kommt es immer wieder dazu, dass bei Bauarbeiten Leitungen durchtrennt werden?

Es gibt in Deutschland kein vollständiges Verzeichnis verlegter Leitungen, ob Wasser, Gas, Strom oder Telefon. In den alten Industrierevieren und Städten wie Berlin sind die Trassen für diese Leitungen aber teilweise mehr als 100 Jahre alt. Selbst wenn es Pläne gibt: Ob eine Leitung wirklich da liegt, wo sie mal geplant war, ist nicht konsistent dokumentiert.

Selbst wenn Bautätige oder Projektierer vor Beginn ihrer Aktivitäten gründlich recherchieren wollen – nur wo? Denn ein amtliches Verzeichnis, ein Leitungskataster, gibt es nicht. Woher soll also der Bauarbeiter oder der Baggerfahrer wissen, dass an diesem Ort in dieser Tiefe mit einer Leitung zu rechnen ist? Die Bundesnetzagentur – verantwortlich für Telekommunikation, Elektrizität und Gas – wäre ein möglicher Adressat, aber Daten, die Betreiber dorthin liefern, unterliegen einer Geheimhaltungspflicht. Sie sind für den öffentlichen Nutzen nicht gedacht.

Blick auf den Unfallort

Blick auf den Unfallort. Bei einem Arbeitsunfall in Hagen, bei dem ein Bauarbeiter schwere Verbrennungen erlitt, ist es zu einem größeren Stromausfall gekommen. Das haben Polizei und Feuerwehr bestätigt. Beim Verlegen von Glasfaserkabeln soll der Arbeiter mit einem Presslufthammer ein 10.000-V-Mittelspannungskabel beschädigt haben.

Foto: picture alliance/dpa/Alex Talash

Private Dienstleister helfen beim Leitungsrätselraten

Theoretisch könnte man zum einen die Kommune und dann alle örtlich relevanten Leitungsbetreiber selbst anfragen. Das wäre sehr mühselig. In Deutschland gibt es aber Dienstleister, die einem diese Arbeit abnehmen. Weil das auch für die Leitungsbetreiber zeitsparend ist, denn sie sind zur Auskunft verpflichtet. Das Portal Bundesweites Informationssystem zur Leitungsrecherche, kurz BIL, eine Genossenschaft von Leitungsinhabern, sorgt unter anderem hierzulande dafür, dass Bauwillige Leitungsauskünfte erhalten. Ein Mandat, das BIL von fast 150 Leitungsbetreibern aller Sparten erhalten hat.

Ein Prozess, der bei unseren Nachbarländern in staatlicher Hand liegt, wird in Deutschland also zumindest teilweise von BIL erledigt. Beispiel Niederlande: Im holländischen Modell ist ein voll digitalisierter Prozess über die Katasterbehörde gesetzlich verankert. Innerhalb von 48 Stunden erhält der Bautätige dort Auskunft über die unterirdische Infrastruktur in jedem Teil des Landes.

Glasfaserausbau bringt seit Jahren Schwung in den Leitungsbau

„Durch den Breitbandausbau hat das Thema Infrastruktursicherheit an Schwung gewonnen“, berichtete BIL VDI nachrichten bereits vor Jahren. Schon damals (2020) gab es Warnungen davor, dass „zeitgetriebene, wenig ausgebildete Bautrupps ohne deutsche Sprach- und Gesetzeskenntnisse“ unterwegs seien, die mit der Situation vor Ort in aller Regel nicht vertraut seien. Hinzu kommt der verstärkte Netzausbau durch erneuerbare Energien.

Dass deshalb aber in den letzten Jahren verstärkt Leitungen zu Schaden gekommen sind, lässt sich zumindest für Stromkabel an den amtlichen Zahlen nicht ablesen. Die „Kenn­zah­len der Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chun­gen Strom“ der Bundesnetzagentur schwanken in den letzten zehn Jahren seit 2014 mal nach oben, mal nach unten, zeigen aber keinen eindeutigen Aufwärtstrend an.

Leitungsbetreiber haben Interesse daran, dass Bauherren wissen, wo die Leitungen verlaufen

BIL vermittelt also zwischen den Welten – zwischen Planern, Bautätigen und Leitungsbetreibern. Die Genossen machen die eigentlichen „Assets“, also die Leitungen und deren Details, nicht öffentlich bekannt. Aber die BIL-Plattform reicht über eine gemeinsame hochstandardisierte Plattform die Anfragen an die Richtigen weiter. Die Antwort kommt online – sofort – und gegebenenfalls die Pläne dazu einige Tage später.

Neben der BIL gibt es weitere Anbieter, zum Beispiel:

  • Leico – Leitungs-check-online, für Bündelanfragen an mehr als 17.000 Betreiber, darunter Strom, Gas, Wasser, Fernwärme und Telekom. Mehr als 50 % der Leitungsbetreiber haben nach Angabe von Leico ihre konkreten Versorgungsflächen in die Datenbank eingestellt. „Damit ist Leico deutschlandweit führend“, so das Portal.
  • Leitungsauskunft Online (LAO), ebenfalls ein gewerblicher Anbieter, der sich selbst als „Deutschlands größter Fullservice-Dienstleister für Leitungsauskunft“ bezeichnet.

Maßgebend ist hier, dass diese Portale alle mit einem hohen Digitalisierungsgrad unterwegs sind. Es ist prinzipiell schon möglich, ziemlich zuverlässig zu wissen, welche Leitungen in Deutschland wo liegen. Nur: Eine 100-prozentige Garantie können diese Dienstleister nicht abgeben, denn wer weiß, was alles unter dem Asphalt liegt.

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Bauwesen Jobs
Landratsamt Zollernalbkreis-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Straßen- und Radwegebau Landratsamt Zollernalbkreis
Balingen Zum Job 
Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Investitions- und Projektsteuerer (m/w/d) Schwerpunkt Bau Energie und Wasser Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt als Gruppenleitung Ingenieurbau Wasserwerke (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Rothenburgsort Zum Job 
Werner & Balci GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur [BIM] (m/w/d) für die Planung Infrastruktur- und Hochbauprojekte Werner & Balci GmbH
Esslingen am Neckar Zum Job 
Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig-Firmenlogo
Leitung Technisches Immobilienmanagement (m/w/d) Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sonderbauvorhaben Umspannwerke | Hochspannungsfreileitungen Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Straßen- und Verkehrsplaner*in Fachbereich Tiefbau und Verkehr, Abteilung Verkehrsplanung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Stadt Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (TGA) als Rechnungsprüfer*in (m/w/d) für technische Prüfungen beim Rechnungsprüfungsamt Stadt Köln
DMT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Sachverständige:r im Explosionsschutz (m/w/d) DMT GmbH & Co. KG
Dortmund Zum Job 
ONTRAS Gastransport GmbH-Firmenlogo
Projektmanager für Wasserstoff (m/w/d) ONTRAS Gastransport GmbH
Leipzig Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Objektmanager Bautechnik (m/w/d) ERGO Group AG
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Leviat GmbH-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur (TH/FH) (m/w/d), Master/Bachelor (m/w/d), Dr.-Ing. (m/w/d) im Bereich «Bewehrungssysteme / Verankerungssysteme« Konstruktiver Ingenieurbau / Massivbau Leviat GmbH
Langenfeld (Rheinland) Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Projektingenieur Planung Tiefbau / Infrastruktur (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Max Bögl Stiftung & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) TGA Mechanik -Systembau Max Bögl Stiftung & Co. KG
Liebenau bei Nienburg / Weser Zum Job 
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Gebäudemanagement (m/w/d) Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen
Eggenstein-Leopoldshafen Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Bauherrenaufgaben (m/w/d) Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Kiel, Flensburg, Lübeck, Eutin, Eckernförde Zum Job 

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.