Wärme und Strom selbst erzeugen 02.11.2023, 16:00 Uhr

Energieautark im Einfamilienhaus: Für mehr als die Hälfte kein Traum

Karlsruher Forschende haben sich mit dem Potenzial für energieautarke Einfamilienhäuser in ganz Europa auseinandergesetzt. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte dieser Häuser Strom und Wärme komplett selbst erzeugen könnten. Diese Unabhängigkeit hat jedoch ihren Preis.

Solaranlage auf dem Dach

Rund die Hälfte aller Einfamilienhäuser in Europa können energie-autark werden. Allerdings hätte die Unabhängigkeit ihren Preis.

Foto: Panthermedia.net/MAXSHOT

Laut einer Studie könnten aktuell mehr als die Hälfte der Einfamilienhäuser in Europa theoretisch ihre Energieversorgung selbstständig sicherstellen, wenn man die auf den Hausdächern verfügbare Solarkapazität in Betracht zieht. Die Forscher prognostizieren, dass bis zum Jahr 2050 der Anteil dieser autarken Häuser von 53 auf 75 Prozent ansteigen könnte. Es stellt sich jedoch die Frage, ob eine solche Unabhängigkeit auch aus finanzieller Sicht sinnvoll ist. Seine Studie hat das Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in der Fachzeitschrift „Joule“ veröffentlicht.

Kein wirtschaftlicher Vorteil

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass es für Eigenheime keinen wirtschaftlichen Vorteil bietet, sich vollständig selbst zu versorgen – weder unter den aktuellen noch unter den zukünftig erwarteten Bedingungen. „Selbst im Jahr 2050 wird die Abkopplung vom Stromnetz nicht die wirtschaftlich vorteilhafteste Entscheidung sein“, erläutert Energieökonom und Erstautor Max Kleinebrahm gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Die Kosten für die Energie-Autarkie liegen in den meisten Fällen über denen der Versorgung durch das Stromnetz. Nur in Einzelfällen sind sie auf einem vergleichbaren Niveau. Die Investition in eine unabhängige Energieversorgung lohnt sich laut der Studie hauptsächlich für diejenigen, die bereit sind, einen höheren Preis für diese Form der Unabhängigkeit zu zahlen.

Laut der Studie könnten bis Mitte des Jahrhunderts rund 5 Prozent der aktuell etwa 41 Millionen untersuchten europäischen Einfamilienhäuser das Stromnetz verlassen. Diese zwei Millionen Hausbesitzer müssten jedoch mit Mehrkosten von bis zu 50 Prozent im Vergleich zur Netzversorgung kalkulieren. Bei einem Großteil der anderen Einfamilienhäuser wären die Mehrkosten sogar deutlich höher.

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Bauwesen Jobs
Landratsamt Zollernalbkreis-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Straßen- und Radwegebau Landratsamt Zollernalbkreis
Balingen Zum Job 
Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Investitions- und Projektsteuerer (m/w/d) Schwerpunkt Bau Energie und Wasser Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt als Gruppenleitung Ingenieurbau Wasserwerke (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Rothenburgsort Zum Job 
Werner & Balci GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur [BIM] (m/w/d) für die Planung Infrastruktur- und Hochbauprojekte Werner & Balci GmbH
Esslingen am Neckar Zum Job 
Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig-Firmenlogo
Leitung Technisches Immobilienmanagement (m/w/d) Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sonderbauvorhaben Umspannwerke | Hochspannungsfreileitungen Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Straßen- und Verkehrsplaner*in Fachbereich Tiefbau und Verkehr, Abteilung Verkehrsplanung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Stadt Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (TGA) als Rechnungsprüfer*in (m/w/d) für technische Prüfungen beim Rechnungsprüfungsamt Stadt Köln
DMT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Sachverständige:r im Explosionsschutz (m/w/d) DMT GmbH & Co. KG
Dortmund Zum Job 
ONTRAS Gastransport GmbH-Firmenlogo
Projektmanager für Wasserstoff (m/w/d) ONTRAS Gastransport GmbH
Leipzig Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Objektmanager Bautechnik (m/w/d) ERGO Group AG
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Leviat GmbH-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur (TH/FH) (m/w/d), Master/Bachelor (m/w/d), Dr.-Ing. (m/w/d) im Bereich «Bewehrungssysteme / Verankerungssysteme« Konstruktiver Ingenieurbau / Massivbau Leviat GmbH
Langenfeld (Rheinland) Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Projektingenieur Planung Tiefbau / Infrastruktur (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Max Bögl Stiftung & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) TGA Mechanik -Systembau Max Bögl Stiftung & Co. KG
Liebenau bei Nienburg / Weser Zum Job 
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Gebäudemanagement (m/w/d) Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen
Eggenstein-Leopoldshafen Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Bauherrenaufgaben (m/w/d) Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Kiel, Flensburg, Lübeck, Eutin, Eckernförde Zum Job 

So wurde gerechnet

Das Forscherteam nutzte für seine Berechnungen eine umfassende Datenbank, die detaillierte geografische Informationen über den europäischen Gebäudebestand sowie die demografischen Daten der darin wohnenden Haushalte enthält. Diese Daten wurden sorgfältig mit lokalen klimatischen und ökonomischen Faktoren abgeglichen. Um die große Datenmenge effektiv zu bearbeiten, griffen sie auf fortschrittliche Methoden der Komplexitätsreduktion zurück und setzten diese auf Hochleistungsrechnern ein.

Dies ermöglichte es ihnen, für 4.000 repräsentative Einfamilienhäuser optimale und energieautarke Versorgungssysteme zu entwickeln, die nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern auch kosteneffizient sind. In einem zweiten Schritt wurden neuronale Netze verwendet, um die gewonnenen Erkenntnisse auf die gesamte Stichprobe von 41 Millionen untersuchten Einfamilienhäusern zu extrapolieren. Das Ergebnis ist eine breit angelegte, präzise Analyse, die aufzeigt, wie europäische Haushalte auf energiesparende und autarke Versorgungssysteme umstellen könnten.

In Südeuropa höheres Potenzial als im Norden

Um Regionen zu identifizieren, die sich besonders für eine autarke Energieversorgung eignen, wählten die Forscher 4000 Häuser aus, die repräsentativ für verschiedene europäische Gebiete sind. Sie berücksichtigten dabei Faktoren wie Architektur, Energiebedarf, klimatische Bedingungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Nach der Analyse dieser Daten kamen sie zu dem Schluss, dass Einfamilienhäuser in südeuropäischen Ländern ein größeres Potenzial für eine vollständige energetische Unabhängigkeit aufweisen. In Skandinavien hingegen steht ein hoher Energiebedarf im Winter einer geringen Sonneneinstrahlung gegenüber. Weitere wichtige Faktoren sind die Größe der Dachfläche und die Kosten für Netzstrom, die in einigen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, besonders hoch sind.

Wie autark sollten Eigenheime sein?

Das Team um Kleinebrahm betrachtete auch Szenarien für Hausbesitzer, die nicht vollständig, aber zumindest teilweise unabhängig von der Stromversorgung sein möchten. So wäre für ein Muster-Einfamilienhaus in Deutschland im Jahr 2020 eine Energie-Autarkie von 73 Prozent kosteneffizient gewesen; bis 2050 könnte dieser Wert auf 78 Prozent ansteigen.

Kleinebrahm betont jedoch, dass es aus volkswirtschaftlicher Sicht vorteilhafter ist, wenn auch potenziell autarke Einfamilienhäuser am Stromnetz bleiben. Dies liegt daran, dass die Energiesysteme der Gebäude, wie zum Beispiel Batteriespeicher, zur Stabilisierung des gesamten Netzsystems beitragen können. Daher sollten Politik und Netzbetreiber Hausbesitzer ermutigen, am Netz zu bleiben und gleichzeitig ihre Energieeffizienz zu steigern. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.