Walker S2 von UBTech 02.01.2026, 12:19 Uhr

Chinesischer Roboter auf dem Weg zum Tennis-Champ?

Walker S2 von UBTech: Humanoider Roboter demonstriert Präzision beim Tennis. Ein Blick auf die Technik hinter dem chinesischen KI-Projekt.

UBTech Walker

Auf dem Foto sortiert der UBTech Walker noch Stein, in einem neuen Video ist er auf dem Weg zum Tennis-Crack.

Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Ju Huanzong

Das chinesische Unternehmen UBTech hat den humanoiden Roboter Walker S2 auf den Tennisplatz geschickt. Die Demonstration soll zeigen, dass die Maschine komplexe Bewegungsabläufe und Echtzeit-Reaktionen beherrscht. Mit einer Produktion von bereits 1000 Einheiten markiert der Walker S2 den Übergang vom Prototyp zur industriellen Serienfertigung. Während die Hardware mit binokularem Sehen und dynamischen Algorithmen überzeugt, gibt es kritische Stimmen zur tatsächlichen Autonomie in den veröffentlichten Videos.

Ein sportlicher Test für die Sensorik

Tennis gilt in der Fachwelt als eine der schwierigsten Aufgaben für humanoide Roboter. Die Anforderungen an die Hardware und die Software sind extrem hoch. Das System muss mehrere Prozesse gleichzeitig bewältigen. Es muss den fliegenden Ball frühzeitig erkennen. Es muss die Flugbahn berechnen. Gleichzeitig muss die Maschine den eigenen Körper stabilisieren und den Schläger exakt positionieren. All das geschieht in einer kontinuierlichen Schleife.

In der Videobeschreibung auf YouTube gibt sich das Unternehmen selbstbewusst: „An diesem Neujahrstag schlagen wir mit einem Tennis-Ballwechsel zwischen Mensch und Roboter ein neues Kapitel auf. Erleben Sie die kraftvollen und präzisen Schläge von Walker S2“, so UBTech.

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Das Besondere an dieser Demonstration ist die Dynamik. Der Roboter bleibt nicht stehen, um Daten zu verarbeiten. Er bewegt sich flüssig. Er muss auf die Geschwindigkeit und den Winkel des ankommenden Balls reagieren. Ein kurzer Moment der Verzögerung würde dazu führen, dass der Schläger ins Leere greift. Der Kontakt zwischen Schläger und Ball stellt zudem eine mechanische Herausforderung dar. Die Erschütterung beim Schlag könnte einen instabilen Roboter leicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Technik hinter der Bewegung

Der Walker S2 nutzt für seine Orientierung ein selbst entwickeltes binokulares Stereo-Sichtsystem. Forschende haben dieses System direkt in den Kopf der Maschine integriert. Es basiert auf reinen RGB-Kameras. Mithilfe von Stereo-Tiefenschätzung und Deep Learning erstellt der Roboter hochpräzise Tiefenkarten seiner Umgebung in Echtzeit. Das ermöglicht es ihm, Objekte sicher zu identifizieren und räumliche Distanzen korrekt einzuschätzen.

Für die Bewegungssteuerung setzt UBTech auf einen speziellen Algorithmus für das dynamische Ganzkörpergleichgewicht. Dieser Algorithmus erlaubt es dem Walker S2, sich weit nach vorne zu neigen oder tiefe Kniebeugen auszuführen. Er kann Lasten von bis zu 15 kg heben und dabei stabil bleiben. Sein Arbeitsbereich erstreckt sich von Bodenhöhe bis zu einer Greifhöhe von 1,8 Metern. Diese physische Flexibilität ist notwendig, um auf dem Tennisplatz schnell auf unterschiedliche Ballhöhen zu reagieren.

Das Herzstück der Steuerung bildet das sogenannte Co-Agent-System. Es ist Teil der BrainNet 2.0 Dual-Loop-KI-Architektur. Dieses System verknüpft langfristige Aufgabenplanung mit unmittelbarem Feedback aus den Sensoren. So kann der Roboter sein Verhalten adaptiv anpassen. Wenn sich die Bedingungen in der Umgebung ändern, trifft die KI in Millisekunden neue Entscheidungen.

Serienfertigung statt Einzelstück

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Forschungsprojekten ist die Skalierung. UBTech hat bekannt gegeben, dass bereits der 1.000ste Walker S2 produziert wurde. Das Unternehmen verlässt damit das Stadium der Prototypenentwicklung. Mehr als 500 Einheiten befinden sich laut Herstellerangaben bereits im praktischen Einsatz. Das deutet darauf hin, dass die Technologie reif für den breiten Markt ist.

Um im industriellen Dauerbetrieb zu bestehen, verfügt der Walker S2 über ein autonomes Energiemanagement. Das System überwacht den Batteriestatus ständig. Dank einer speziellen Architektur mit zwei Batterien kann der Roboter flexibel agieren. Er wechselt je nach Bedarf zwischen dem Laden an einer Station oder einem automatischen Batteriewechsel. Das Ziel ist ein unterbrechungsfreier Betrieb in Logistikzentren oder Fabriken. Dort soll er Mitarbeitende bei körperlich schweren oder repetitiven Aufgaben unterstützen.

Wie gut ist der Roboter tatsächlich?

Trotz der präsentierten Fortschritte gibt es kritische Stimmen aus der Fachgemeinschaft und von interessierten Laien. In sozialen Netzwerken wie YouTube wird die Autonomie des Roboters hinterfragt. Ein Kommentar unter dem Video bringt die Zweifel vieler Nutzenden auf den Punkt:

„Ja, sie montieren alle ihre „Produktionen“ so, dass es den Anschein hat, als würde der Roboter in einer Live-Situation und unter etwas schwierigen Bedingungen autonom handeln, aber in Wirklichkeit gibt es immer diese Schnitte, sodass sie höchstwahrscheinlich viele Versuche unternehmen müssen, bis der Roboter das tut, was sie von ihm erwarten“.

Und weiter: „Es würde mich nicht einmal überraschen, wenn dies nicht mithilfe von KI geschieht, sondern eher auf „codierte“ Weise oder nur teilweise mithilfe von KI. Außerdem sieht man, wenn der Roboter den Ball prellt, nicht einmal, dass der Ball zuvor von einem Menschen geprellt wurde, was zeigt, dass für diesen Roboter nicht einmal ein einziger Pass möglich ist. Traurig.“

Diese Kritik weist auf ein bekanntes Problem bei Marketing-Videos in der Robotik hin. Häufig zeigen die Clips nur die erfolgreichsten Momente einer langen Testreihe. Ob der Walker S2 tatsächlich über mehrere Minuten hinweg einen stabilen Ballwechsel gegen einen Profi halten kann, bleibt in dem Video unbeantwortet. Dennoch zeigen die technischen Daten, dass die Hardwarebasis für solche Aufgaben vorhanden ist.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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