Additive Fertigung 07.05.2019, 10:17 Uhr

Werkteile mittels Einfrieren prüfen

Francesco Simonetti von der University of Cincinnati glaubt, Werkteile mittels Einfrieren besser auf Fehler prüfen zu können. Werden wichtige Sektoren wie die Luft- und Raumfahrt in Zukunft dadurch sicherer?

Foto: 
panthermedia.net / Alexander Tolstykh

Foto: panthermedia.net / Alexander Tolstykh

Die additive Fertigung von Metallkomponenten wird heutzutage immer wichtiger. Entscheidend sind dabei die Variabilität sowie die deutlich geringeren Kosten, die durch den 3D-Druck mit Metallwerkstoffen entstehen. Kürzlich wurde sogar eine Weltraumrakete vorgestellt, deren Motor gänzlich im 3D-Drucker gefertigt wurde. Allerdings gibt es beim Druck von Metallwerkstoffen ein großes Risiko. Kleinste Abweichungen oder Fehler beim Druck können gravierende Folgen haben. Entsprechend wichtig ist eine minutiöse Kontrolle eines jeden Bauteils.

Nun scheint es, dass der Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der University of Cincinnati eine neuartige Lösung für diese Herausforderung gefunden hätte. Seiner Ansicht nach lassen sich Werkteile aus Metall deutlich besser prüfen, wenn sie dafür eingefroren werden.

3D-Druck: Darum ist die Werkteilprüfung so wichtig

Ein Großteil der Werkteile aus Metall kommen in vielfältigen, komplexen und vor allem sensiblen Bereichen wie der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz. Im schlimmsten Fall können fehlerhafte Bauteile ernsthafte Konsequenzen haben und gar Menschenleben fordern.

Ursprünglich wurden etwaige Bauteile mittels subtraktiver Fertigung hergestellt. Das bedeutet, dass ein fester Materialblock so lange bearbeitet wird, bis das gewünschte Bauteil fertiggestellt ist. Materialblöcke lassen sich bereits vor Beginn der Bearbeitung prüfen, indem sie mit Ultraschallwellen durchstrahlt werden. Bei der additiven Fertigung ist dies allerdings nicht möglich, da kein Materialblock vorhanden ist und das Bauteil Schritt für Schritt per 3-D erschaffen wird. Aufgrund der Winkel und Kurven, die ein fertiges Bauteil aufweist, prallen Ultraschallwellen ab und lassen keine verlässlichen Prüfergebnisse zu.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
HOCHBAHN U5 Projekt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter U5-Betriebsführungssystem - vollautomatisches U-Bahn-System (w/m/d) HOCHBAHN U5 Projekt GmbH
Hamburg Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Objektmanager Bautechnik (m/w/d) ERGO Group AG
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Leviat GmbH-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur (TH/FH) (m/w/d), Master/Bachelor (m/w/d), Dr.-Ing. (m/w/d) im Bereich «Bewehrungssysteme / Verankerungssysteme« Konstruktiver Ingenieurbau / Massivbau Leviat GmbH
Langenfeld (Rheinland) Zum Job 
SODECIA Safety & Mobility Attendorn GmbH-Firmenlogo
Leitender Produktentwicklungsingenieur - Extrusion, Motoren & Sonstiges / Chief Product Engineer - Extrusion, Engines & Others (m/f/d) SODECIA Safety & Mobility Attendorn GmbH
Attendorn Zum Job 
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Vertrieb Automatisierungstechnik im Gebiet München Beckhoff Automation GmbH & Co. KG
München Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Projektingenieur Planung Tiefbau / Infrastruktur (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Medizintechnik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 
High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Bauingenieurwesen / Bauliche Projektentwicklung / Straßenbau / Infrastruktur / Stadt- und Regionalplanung / Verkehrswesen High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH
Magdeburg Zum Job 
BERICAP GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automation & Process Innovation Engineer (m/w/d) BERICAP GmbH & Co. KG
Budenheim Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau, Lärmschutzbauwerke Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Ingenieur/ Vertriebsingenieur (m/w/d) für den Bereich Key Account Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
Landeshauptstadt Hannover-Firmenlogo
Ingenieur*in - Versorgungstechnik oder Energie- und Gebäudetechnik Landeshauptstadt Hannover
Hannover Zum Job 
Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektmanager IT-Architektur & Datenvisualisierung (m|w|d) Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG
Rheda-Wiedenbrück Zum Job 
Max Bögl Stiftung & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) TGA Mechanik -Systembau Max Bögl Stiftung & Co. KG
Liebenau bei Nienburg / Weser Zum Job 
Mainova AG-Firmenlogo
Ingenieur als Technische Führungskraft für Gas- und Wasser-Netzbetriebe gem. DVGW Regelwerk (m/w/d) Mainova AG
Frankfurt am Main Zum Job 
Tremonia Mobility GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker - Fahrzeugelektronik (m/w/d) Tremonia Mobility GmbH
Dortmund Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 

So funktioniert Simonettis Prüfverfahren

Ursprünglich lag der Fokus von Simonettis Forschungen im Bereich der Schallwellen. Nach dem Betrachten einer Eisskulptur stellte er sich die Frage, wie das Eis kristallklar gemacht wurde. Diese Frage ist für seine Forschung äußerst wichtig, da er besonders klares Eis benötigt, um mögliche Schwachstellen oder Fehler in Metallwerkstoffen ausfindig zu machen.

Seiner grundlegenden Theorie zufolge wollte Simonetti die Metallteile in Wasser tauchen und in zylindrischer Form einfrieren. Mithilfe von Ultraschallwellen sollten nun Fehler im Bauteil aufgespürt werden können. Das Eis fungiert dabei als Kopplungsmedium und ist verantwortlich dafür, dass die Schallwellen in potenzielle Defekte wie Risse eindringen und reflektieren. Dies ist nur dann möglich, wenn das Eis kristallklar ist und keinerlei Blasen, Einschlüsse oder Risse aufweist. In der Regel gefriert Eis in einem Gefäß jedoch von außen nach innen. In der Folge bleibt in der Mitte zunächst ein flüssiger Kern, der im gefrorenen Zustand später Druck ausübt und Risse im Eis verursacht.

Um dieses Problem zu lösen, bediente Simonetti sich eines kleinen Tricks. Er griff auf eine Metallplatte zurück, die am Boden des Zylinders befestigt wurde und zunehmend Kälte abgab. Somit konnte das Eis von unten nach oben gefrieren, ohne dass dabei ein Innendruck entstand, der zu Rissen führte. Anschließend war es möglich, mithilfe der Ultraschallwellen mögliche Fehler im Werkteil aufzuspüren.

Revolution für die additive Fertigung?

Warum Simonettis Verfahren revolutionär werden könnte, zeigt sich anhand der bisherigen Alternativen. Auf dem Gebiet der additiven Fertigung gibt es bislang keine verlässliche und kostengünstige Prüfmethode. Verfahren wie die Farbeindringprüfung, die Computertomographie oder Röntgen sind zwar durchaus in der Lage, Fehler aufzuspüren, doch insbesondere in Sektoren wie der Luft- und Raumfahrt kaum ausreichend. In den meisten Fällen übersteigen die Kosten für etwaige Prüfungen sogar die Herstellungskosten, wodurch die Wirtschaftlichkeit entsprechender Komponenten in Mitleidenschaft gezogen wird.

Eis als Kopplungsmedium

Sollte sich Simonettis Prüfverfahren für additive Werkteile durchsetzen, könnte dies einen immensen Einfluss auf die zukünftige Fertigung haben – sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch mit Blick auf die Sicherheit bei der Herstellung kritischer Bauteile. Zumindest scheint ein erster wichtiger Schritt gemacht worden zu sein. Simonetti selbst sieht das Eis als Kopplungsmedium nur als Zwischenschritt, da das Kopplungsmedium bestenfalls aus dem gleichen Material wie das zu prüfende Werkteil sein sollte. Dahingehend forscht er bereits an einer neuen Technik, bei der er mithilfe von Nanopartikeln die Eigenschaften des Eises so verändern will, dass es Metall immer ähnlicher wird.

Weitere Themen:

Ein Beitrag von:

  • ingenieur.de

    Technik, Karriere, News, das sind die drei Dinge, die Ingenieure brauchen.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.