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Seit vier Wochen brennt der Boden: So soll Meuselwitz geflutet werden

26. Juli 2026

Ein Feuerwehrmann durchquert das Waldgebiet nahe Meuselwitz
Ein Feuerwehrmann durchquert das Waldgebiet nahe Meuselwitz. Der Brand auf einer ehemaligen Tagebaufläche war Ende Juni ausgebrochen und schwelt bis heute im Untergrund weiter. Foto: picture alliance/dpa | Bodo Schackow
Unter Meuselwitz brennen Kohlereste in einem alten Absetzbecken. Vier Kilometer Rohrleitung sollen Wasser zu den Glutnestern bringen.
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Seit dem 27. Juni schwelt auf einer ehemaligen Bergbaufläche bei Meuselwitz ein unterirdischer Brand. Ein Löschhubschrauber konnte die tieferen Brandnester nicht erreichen. Nun sollen zwei provisorische Rohrleitungen bis zu 560 m³ Wasser pro Stunde auf das acht Hektar große Gelände bringen.

Der Brand war zwischen den Ortschaften Meuselwitz, Mumsdorf und Falkenhain im thüringischen Altenburger Land ausgebrochen. Die Feuerwehr konnte das Feuer an der Oberfläche weitgehend löschen. Im Boden glimmen jedoch weiterhin Kohlereste. Immer wieder entstehen neue Brandnester oder bereits bekämpfte Bereiche flammen erneut auf.

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Seit dem 3. Juli liegt die Verantwortung für das Gelände bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft, kurz LMBV. Das Unternehmen ist Eigentümerin der Fläche und für die Sanierung zahlreicher früherer Braunkohlestandorte in Ostdeutschland zuständig.

Inhaltsverzeichnis

Was unter der Erde brennt

Betroffen ist das Kohletrübebecken I im ehemaligen Tagebaugebiet Rusendorf. Das Becken wurde unter anderem vom Bergbauunternehmen Mibrag bis 2013 zur Einspülung von Asche genutzt. In den Ablagerungen befinden sich Kohlereste, die sich durch den oberirdischen Brand entzündet haben.

Es handelt sich damit nicht um einen klassischen Flözbrand. Es brennt also keine natürliche, tief liegende Kohlelagerstätte. Die Brandnester liegen in kohlehaltigen Ablagerungen eines früheren Absetzbeckens und reichen nach bisherigen Angaben teilweise etwa einen halben Meter tief in den Boden.

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Ausgelöst wurde der Brand vermutlich durch Bäume, die im Bereich einer Hochspannungsleitung Feuer fingen. Eine abschließend bestätigte Brandursache liegt jedoch nicht vor. Die große Hitze und die Trockenheit Ende Juni dürften die schnelle Ausbreitung begünstigt haben.

Warum der Löschhubschrauber nicht genügte

Die Brandbekämpfung wird vor allem durch zwei Probleme erschwert: Auf dem Gelände steht nur begrenzt Wasser zur Verfügung. Zudem darf die betroffene Fläche aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden.

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Einsatzkräfte können die Ablagerungen deshalb nicht gezielt öffnen und Löschwasser unmittelbar an die Glutnester bringen. Gleichzeitig verlagern sich die Brandherde im porösen Untergrund. Wasser, das lediglich auf die Oberfläche gelangt, erreicht die tieferen heißen Schichten nur eingeschränkt.

Vom 10. bis 12. Juli setzte die LMBV deshalb einen Löschhubschrauber ein. Vorgesehen waren täglich bis zu acht Flugstunden und rund 160.000 l Wasser. Das Wasser stammte aus dem nahe gelegenen Restloch Zipsendorf.

Der Einsatz brachte jedoch nicht die erhoffte Wirkung. Die Rauchentwicklung ging nur vorübergehend zurück. Wärmebilder von Drohnen zeigten anschließend, dass das abgeworfene Wasser vor allem Material an der Oberfläche aufgewirbelt hatte. Die tieferen Brandzonen wurden nicht gelöscht. Einen weiteren Hubschraubereinsatz plant die LMBV deshalb nicht.

Zwei Rohrleitungen über 4 km

Nun soll das Wasser kontinuierlich und in deutlich größerer Menge zum Brandgebiet gelangen. Die LMBV bereitet zwei provisorische Rohrleitungen vor. Sie sollen vom Restloch Zipsendorf über eine rund vier Kilometer lange Trasse bis zum Kohletrübebecken führen.

Für den Leitungsbau sind die Zustimmungen von rund 30 Flächeneigentümern erforderlich. Außerdem müssen die Leitungen eine Bahntrasse und eine Kreisstraße queren. Die Abstimmungen mit Eigentümern, Behörden und Infrastrukturbetreibern laufen. Wann die Verlegung beginnen kann, steht noch nicht fest. Die LMBV sucht nach geeigneten Auftragnehmern.

Nach Fertigstellung könnten die beiden Leitungen zusammen rund 560 m³ Wasser pro Stunde in das Kohletrübebecken leiten. Damit soll das etwa acht Hektar große Areal kontrolliert bewässert werden. Die Maßnahme könnte bis zu 20 Tage dauern.

Der häufig verwendete Begriff „Flutung“ ist dabei eine Vereinfachung. Nach der aktuellen Mitteilung der LMBV soll das Gelände kontrolliert benetzt beziehungsweise bewässert werden. Ziel ist es, dass das Wasser möglichst tief und gleichmäßig in die kohlehaltigen Ablagerungen eindringt. Es soll das Material abkühlen und den Luftzutritt zu den Brandnestern verringern.

Öffentliche Wasserversorgung reicht nicht aus

Derzeit können aus dem Leitungsnetz der Stadt Meuselwitz lediglich rund 60 m³ Wasser pro Stunde bereitgestellt werden. Diese Menge reicht für die geplante großflächige Bewässerung nicht aus.

Parallel zum Leitungsbau bereitet die LMBV deshalb einen Brunnen in der Nähe des Kohletrübebeckens vor. Er soll die Wasserverfügbarkeit längerfristig sichern, ohne das öffentliche Netz zusätzlich zu belasten.

Bis die neue Wasserversorgung steht, bekämpfen Sprinkleranlagen einzelne Brandherde. Sie sollen zugleich die Rauchentwicklung verringern. Vollständig stoppen lässt sich der unterirdische Brand damit bislang nicht.

30 m breite Schneise soll Ausbreitung stoppen

Zusätzlich versucht die LMBV, ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Flächen zu verhindern. Eine zunächst 10 m breite Brandschutzschneise rund um das betroffene Gebiet wird auf 30 m verbreitert. Der Schutzstreifen ist etwa einen Kilometer lang.

Parallel zur Schneise wurde eine bis zu 1,60 m tiefe Furche angelegt. Sie ist mit Wasser und Netzmitteln gefüllt. Die Zusätze verringern die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch kann es leichter in trockene und feinporige Materialien eindringen.

Rauch wird täglich kontrolliert

Der Schwelbrand verursacht weiterhin Rauch und eine erhebliche Geruchsbelästigung in den umliegenden Gemeinden. Direkt in der Rauchfahne misst die LMBV täglich die Konzentrationen von Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefelwasserstoff und Methan.

Die Werte werden anhand der für die Beschäftigten geltenden Arbeitsschutzmaßstäbe beurteilt. Die Zentrale Leitstelle Gera führt die Lage über KATWARN als sicherheitsrelevante Information ohne direkte Gefährdung. Vorsorglich sollen Anwohner bei stärkerem Rauch Fenster und Türen schließen sowie Klima- und Lüftungsanlagen abschalten.

Wann die großflächige Bewässerung beginnen kann, bleibt offen. Auch nach der Fertigstellung der Leitungen dürfte der Einsatz nicht schnell beendet sein: Bis zu 20 Tage soll Wasser in das Becken strömen. Erst die weitere Entwicklung der Temperaturen und der Rauchbildung wird zeigen, ob auch die letzten Brandnester erreicht wurden. (mit Material der dpa)

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