Anzeige

Kölner Forschende testen Gentherapie gegen Querschnittslähmung

29. Mai 2026

Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme von Nervenzellen und ihren Fortsätzen. Die grün markierten Neuronen bilden ein dichtes Netzwerk aus Zellkörpern und Nervenfasern vor dunklem Hintergrund.
Statt beschädigte Nervenbahnen direkt zu reparieren, aktiviert die Gentherapie bestehende neuronale Netzwerke und schafft neue Verbindungen im Nervensystem. Foto: Dietmar Fischer/Uniklinik Köln
Forschende der Uniklinik Köln haben erstmalig an Mausmodellen gezeigt, dass sich selbst schwere Quetschverletzungen des Rückenmarks durch eine Gentherapie funktionell verbessern lassen.
Anzeige
Anzeige


Bei Rückenmarksverletzungen verlieren Betroffene an Sensibilität in ihren Gliedmaßen, in der Regel führen diese sogar zu dauerhaften Lähmungen. Ein Forschungsteam der Uniklinik Köln hat eine Gentherapie entwickelt, die in Mausmodellen die Folgen von Rückenmarksverletzungen deutlich lindern konnte.

Neu an der aktuellen Studie ist, dass die Forschenden ihre Therapie nicht an künstlich durchtrennten Rückenmarksnerven testeten, sondern an Quetschverletzungen. Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass die Gentherapie über alle Schweregrade solcher Kontusionsverletzungen hinweg wirksam sein kann.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Ein Universalschlüssel für Nervenzellen

Grundlage dafür ist das synthetisch hergestellte Designer-Molekül namens Hyper-Interleukin-6 (hIL-6). Natürliche Botenstoffe, die das Zellwachstum anregen sollen, scheitern oftmals daran, dass die Zielzellen nicht die passenden Rezeptoren besitzen. Um dieses Problem zu lösen, ist hIL-6 so aufgebaut, dass es direkt an ein Basisprotein andocken kann, das praktisch auf jeder Nervenzelle vorhanden ist.

Das Designer-Molekül funktioniert hier wie ein Universalschlüssel. Nach der Injektion eines Trägervirus in den Motorkortex produzieren die Nervenzellen das hIL-6 selbst. Der Motorkortex ist ein Bereich des Gehirns, der für die Planung, Steuerung und Ausführung von Bewegungen verantwortlich ist.

Wie der neue Ansatz funktioniert

Nach einer Rückenmarksverletzung entstehen Narbengewebe und Entzündungsprozesse, die die Regeneration von Nervenzellen erschweren. Aus diesem Grund wirken Medikamente oft schwer oder können sogar schädlich sein. Um dem vorzubeugen, nutzen die Forschenden einen modifizierten, harmlosen Virus (einen AAV2-Vektor), als eine Art Nano-Transporter. Dieser wird direkt in einen intakten Bereich der motorischen Großhirnrinde injiziert. Dort liefert er den genetischen Code für hIL-6 in die Nervenzellen ab.

Anzeige
Anzeige

Die modifizierten Gehirnzellen fungieren nun als „mikroskopische Fabriken“. Sie produzieren das hIL-6 und transportieren es über ihre eigenen, intakten Nervenfasern (Axone) wie durch ein Kabelsystem abwärts bis zu sogenannten Relaisstationen im Hirnstamm. Von dort springt der Wirkstoff über die Synapsen auf die nächsten Zellen über und stimuliert diese über bestehende Nervennetzwerke.

Lesen Sie auch: Huntington-Krankheit erstmals dank Virus erfolgreich verlangsamt?

Anzeige
Anzeige

Hauptnervenbahn wird nicht repariert

Die eigentliche Hauptnervenbahn für willkürliche Bewegungen, der sogenannte kortikospinale Trakt wächst trotz der Therapie nicht durch die Verletzung hindurch. Stattdessen regt das hIL-6 die ferngesteuerten Relaisstationen im Hirnstamm dazu an, neue Abzweigungen und Verknüpfungen in den intakten Bereichen des Rückenmarks zu bilden.

Dieser „Umbau“ reicht aus, um den Versuchstieren mit Querschnittslähmung die Gehfähigkeit und die Koordination der Beine teilweise zurückzugeben. Der Ansatz umgeht damit eines der größten Probleme der Rückenmarksforschung: Der Wirkstoff muss nicht direkt in das verletzte Gewebe eingebracht werden, sondern nutzt bestehende neuronale Verbindungen als biologisches Transportsystem.

„Statt ausschließlich auf das Nachwachsen durchtrennter Nervenfasern zu setzen, nutzen wir auch intakt gebliebene neuronale Verbindungen. Durch Aussprossen von Seitenästen konnten diese Verbindungen neue Verbindungen herstellen, wodurch eine deutliche Funktionswiederherstellung erreicht wurde“, erklärt Dietmar Fischer, Professor am Zentrum der Pharmakologie.

Lesen Sie auch: Sport rettet Nervenzellen – Forschende kommen den Gründen auf die Spur

Erste Erfolge bei Mäusen

In verschiedenen Mausmodellen mit unterschiedlich schweren Kontusionsverletzungen des Rückenmarks zeigte die Behandlung konsistente Wirkung: Tiere mit der hIL-6-Therapie konnten nach der Lähmung deutlich besser laufen als unbehandelte Vergleichsgruppen.

Besonders bemerkenswert war die Wiederherstellung koordinierter Schrittmuster, die in den Kontrollgruppen nicht erreicht wurden. Die Forschenden zeigten zudem, dass vor allem sogenannte serotonerge Nervenzellen, die ihren Ursprung im Hirnstamm haben, bei der Funktionswiederherstellung durch hIL-6 eine zentrale Rolle spielen. Wurden diese Zellen gezielt ausgeschaltet, verschwanden die erzielten Verbesserungen nahezu vollständig.

„Die Therapie veränderte weder die Größe der Verletzung noch das Ausmaß des Nervenzellverlusts. Die funktionellen Verbesserungen beruhen vielmehr auf neuem Aussprossen und einer Umstrukturierung bestehender neuronaler Netzwerke“, so Fischer.

Auswirkung auf Menschen noch unklar

Obwohl die Ergebnisse dieses neuen Ansatzes bei Mäusen bereits vielversprechend sind, betonen die Forschenden, dass weitere Schritte und Studien notwendig sind, bevor eine Anwendung bei Menschen möglich wird. Noch zu lösende Fragen betreffen unter anderem die Sicherheit, optimale Dosierung und mögliche Nebenwirkungen.

Hier geht es zur Originalpublikation: Transneuronal cytokine delivery promotes functional recovery across spinal cord contusion severities via descending circuit plasticity – ScienceDirect



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

21.09.2026
Eutin
Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

21.09.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

21.09.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

21.09.2026
Essen
Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt im Bereich Projektmanagement
Stadt Biberach an der Riß

21.09.2026
Biberach
EMSR Techniker (m/w/d)
VESTOLIT GmbH

22.09.2026
Marl
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

22.09.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

22.09.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

22.09.2026
Stuttgart
Ingenieurin / Ingenieur mit Master in Informatik / Elektrotechnik – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Offizierin / Offizier Anwärter/in – Führungskraft Oberfähnrichmodell mit Bachelor (Master) (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Ingenieurin / Ingenieur mit Master – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Teamleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau
Die Autobahn GmbH des Bundes

22.09.2026
Hamm
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

22.09.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

22.09.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

22.09.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

22.09.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

22.09.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

22.09.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

22.09.2026
Lübeck

Weitere Artikel



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige