Anzeige

Plastikproblem gelöst? Neues Biomaterial wird durch Wasser stabiler

18. Februar 2026

Garnelenschalen
Garnelenschalen gelten als Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie – doch ihr Chitin liefert den Rohstoff für ein neues Biomaterial, das im Wasser sogar an Festigkeit gewinnt. Foto: Smarterpix / NantawanPatamarot
Neues Biomaterial aus Garnelenschalen wird im Wasser bis zu 50 % stärker. Kann Chitosan künftig Einwegplastik ersetzen?
Anzeige
Anzeige


Plastik ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Verpackungen, Bauteile, Gehäuse, Folien – alles leicht, billig und vor allem wasserfest. Genau das macht Kunststoffe aber so langlebig, dass sie zum Umweltproblem werden. Sie zerfallen kaum, sammeln sich in Ökosystemen und landen am Ende in der Nahrungskette.

Biobasierte Materialien sollten das eigentlich besser machen. Doch sie haben ein klassisches Problem: Wasser. Viele Naturpolymere quellen auf, verlieren an Festigkeit oder lösen sich sogar teilweise auf. Wer sie technisch nutzen will, muss sie oft chemisch verändern oder beschichten. Das kostet Energie, Geld – und Nachhaltigkeit.

Anzeige
Anzeige

Ein Forschungsteam unter Leitung des Institute for Bioengineering of Catalonia hat nun einen anderen Weg gewählt. Gemeinsam mit der Singapore University of Technology and Design entwickelten die Forschenden ein Material, das im Wasser nicht schwächer, sondern stärker wird.

Inhaltsverzeichnis

Aus Garnelenschalen wird Hightech-Material

Im Zentrum steht Chitosan. Es wird aus Chitin gewonnen, einem natürlichen Polymer, das in Garnelenschalen, Pilzen oder Insektenpanzern vorkommt. Nach Cellulose ist Chitin das zweithäufigste organische Molekül auf der Erde. Rohstoffmangel ist hier also kein Thema.

Die Idee: Chitosan mit Nickelionen kombinieren. Nickel kommt natürlich vor und kann mit Chitin-basierten Strukturen wechselwirken. Wichtig ist laut den Forschenden, dass die chemische Grundstruktur erhalten bleibt.

Anzeige
Anzeige

„Das Material ist aus Sicht der Natur nach wie vor biologisch rein; es bleibt im Wesentlichen dasselbe Molekül, das auch in Insektenpanzern oder Pilzen vorkommt“, erklärt Javier G. Fernández vom IBEC.

Wasser als Verstärker

Der spannende Teil zeigt sich beim Eintauchen in Wasser. Statt aufzuweichen, legt das Material an Festigkeit zu. Die Messungen zeigen eine Steigerung von bis zu 50 % im nassen Zustand.

Anzeige
Anzeige

Wie geht das? Auf molekularer Ebene bildet sich ein dynamisches Netzwerk. Nickelionen und Wassermoleküle ermöglichen schwache, reversible Bindungen. Diese lösen sich unter Belastung und bilden sich neu. Das Material kann sich mikroskopisch neu organisieren. Spannungen verteilen sich besser.

Fernández fasst es so zusammen: „Ein Material, das auf molekularer Ebene ‚weich‘ ist, wodurch es tatsächlich stärker wird“. Das Prinzip erinnert an biologische Gewebe. Auch dort sorgen flexible Bindungen für Robustheit. Nicht starre Blockade, sondern kontrollierte Beweglichkeit bringt Stabilität.

Javier G. Fernández (links) und Akshayakumar Kompa (rechts) mit einer Probe des Materials

Produktion im Kreislauf

Auch der Herstellungsprozess ist durchdacht. Beim ersten Kontakt mit Wasser wird überschüssiges Nickel freigesetzt. Das Team nutzt diese Lösung direkt für die nächste Produktionsrunde. Ziel ist eine vollständige Rückgewinnung des eingesetzten Nickels.

Technisch bleibt zu klären, wie stabil dieser Kreislauf im industriellen Maßstab läuft. Nickel ist kein harmloser Stoff. Eine saubere Kontrolle ist Pflicht. Doch der Ansatz zeigt, dass Materialentwicklung und Kreislaufwirtschaft zusammengedacht werden können.

Globale Rohstoffbasis, lokale Produktion

Chitin entsteht jedes Jahr in enormen Mengen. „Jedes Jahr werden weltweit schätzungsweise hundert Milliarden Tonnen Chitin produziert, was der Kunststoffproduktion von drei Jahrhunderten entspricht“, sagt Erstautor Akshayakumar Kompa.

Der Rohstoff fällt oft als Abfall an. Garnelenschalen aus der Lebensmittelindustrie sind heute die wichtigste Quelle. Perspektivisch könnten auch Pilzreste oder andere organische Nebenprodukte genutzt werden. Die Forschenden setzen bewusst auf lokale Ressourcen.

„Der Schlüssel liegt in der Anpassung an lokale Quellen“, so Kompa. Produktion soll dort stattfinden, wo das Ausgangsmaterial anfällt.

Wo könnte das Material eingesetzt werden?

Die ersten Anwendungen sehen die Forschenden in Bereichen, in denen Feuchtigkeit zum Alltag gehört. Landwirtschaftliche Folien, Fischereiausrüstung oder Verpackungen sind naheliegend.

In der Studie demonstrierte das Team bereits Becher und größere Platten. Das zeigt, dass nicht nur dünne Laborproben funktionieren, sondern auch makroskopische Bauteile.

Ob das Material klassische Einwegkunststoffe vollständig ersetzt, ist offen. Skalierung, Kosten, Langzeitverhalten und Recycling müssen sich erst im Markt beweisen. Doch das Konzept ist klar: Nicht gegen Wasser kämpfen, sondern es als Teil der Struktur nutzen.

Fernández erklärt den Perspektivwechsel: „Seit über einem Jahrhundert gehen wir davon aus, dass Materialien, um in der Natur erfolgreich zu sein, inert werden müssen“. Seine Arbeit zeigt, dass Interaktion mit der Umwelt kein Nachteil sein muss – sondern ein Vorteil.

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige