Lohnt sich das Ingenieurstudium im KI-Zeitalter noch? Was Arbeitgeber antworten
KI übernimmt genau die Aufgaben, an denen Berufseinsteiger bisher gelernt haben. Eine Umfrage unter Arbeitgebern an der RWTH Aachen zeigt, was sie stattdessen von jungen Ingenieuren erwarten: mehr Fachwissen und den Mut, KI-Ergebnisse anzuzweifeln.
Du kennst ChatGPT? Toll, aber das reicht nicht. Unternehmen setzen auf anderes Wissen.
Foto: Smarterpix/Gorodenkoff
Künstliche Intelligenz, das ist eines der ganz großen Zukunftsthemen – und aktuell wird es wieder sehr kritisch diskutiert. Generative KI ist noch keine vier Jahre auf dem Markt, doch eins ist sicher: KI geht nicht mehr weg und wird große Auswirkungen auf unser Leben und die Arbeitswelt haben. Es stellt sich die Frage: Was müssen Jungingenieurinnen und Jungingenieure eigentlich noch lernen und lohnt sich die lange Ausbildung noch?
Wir, das Career Center der RWTH Aachen, haben dazu Unternehmen befragt, die Teil des Career Clubs der RWTH Aachen sind. Diese Unternehmen sind regelmäßig auf der Suche nach jungen Talenten.
Die Umfrage ist nicht repräsentativ, aber sie ergibt ein klares Stimmungsbild: KI wird Arbeit verändern, aber nicht abschaffen. Besonders häufig erwarten die Unternehmen, dass KI einzelne Routineaufgaben übernimmt. Das klingt erst mal beruhigend. Ist es aber nur bedingt.
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KI-Umgang: Neue Fähigkeiten von Ingenieuren gefragt
Wenn Routineaufgaben verschwinden, verschwindet auch ein Teil dessen, woran Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger bisher gelernt haben. Daten zusammentragen, Dokumentationen erstellen, Informationen aufbereiten, erste Analysen durchführen – genau dort soll KI künftig besonders stark zum Einsatz kommen. Auch Softwareentwicklung und IT, Marketing und Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung gehören zu den Bereichen, in denen Unternehmen einen stärkeren KI-Einsatz erwarten.
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Wir haben auch gefragt, was von jungen Menschen erwartet wird. Speziell von Jungingenieurinnen und Jungingenieuren wird eine große Bereitschaft erwartet, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. Dahinter folgen Offenheit für Veränderung und Verantwortungsbewusstsein. Fast ebenso wichtig sind die Fähigkeiten, KI sinnvoll einzusetzen und KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
KI-Kompetenzen: Mehr Fachwissen, nicht weniger!
Unternehmen suchen also nicht in erster Linie Menschen, die möglichst viel über KI wissen. Sie suchen Menschen, die mit KI arbeiten können. Sprich: Wer ChatGPT bedienen kann, hat noch keine KI-Kompetenz. Wer einen automatisch erzeugten Text auf Fehler prüfen kann, schon eher. Wer erkennt, dass eine scheinbar plausible Antwort fachlich falsch sein könnte, kommt der Sache noch näher. Und wer anschließend entscheiden kann, welche Information belastbar ist, welche zusätzliche Prüfung braucht und welche Konsequenz daraus für eine reale Entscheidung folgt, bringt genau jene Kompetenz mit, die in einer KI-Welt gebraucht wird.
Dazu passt ein weiteres Ergebnis der Befragung: Eine Mehrheit der Unternehmen sagte, Fachwissen werde durch KI wichtiger, weil Ergebnisse besser eingeordnet werden müssten. Gebraucht wird in Zukunft nicht weniger Fachlichkeit, sondern mehr Urteilskraft auf Basis von Fachlichkeit. Fachwissen aufbauen, neue Technologien ausprobieren, Fragen stellen, Ergebnisse anzweifeln und Verantwortung übernehmen, das sind und bleiben wichtige Future Skills, die man schon im Studium trainieren sollte.
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