Gefälschte Titel 03.09.2025, 12:30 Uhr

Fake-Ingenieur steuert Staudammprojekte – Skandal in der Türkei

Kriminelle Bande verschafft rund 400 Personen gefälschte akademische Titel wie „Professor“ oder „Dozent“ – betroffen sind unter anderem Juristen, Ingenieure und Lehrer.

Gekaufte Diplome

Skandal in der Türkei: Wie einfach sich ein Diplom kaufen ließ.

Foto: panthermedia.net/zimmytws

Staudammprojekte betreuen ohne Bauingenieur-Abschluss oder Brücken planen, ohne jemals Ingenieur studiert zu haben – was absurd klingt, scheint in der Türkei Realität geworden zu sein. Zahlreiche Dokumente, darunter Universitätsabschlüsse und Führerscheine, wurden gefälscht und verbreitet. Der Skandal erschüttert das Land seit Wochen, das volle Ausmaß ist bislang noch unklar.

Hunderte gefälschte Diplome im Umlauf

Eine Betrügergruppe hat laut Justizministerium Zugangscodes von hohen Beamten gestohlen und so auf staatliche Datenbanken zugegriffen – und diese manipuliert. Betroffen sind unter anderem die Kommunikationsbehörde BTK, das Bildungsministerium und zahlreiche Universitäten. Medien berichten von Hunderten gefälschten Diplomen, die im Umlauf sein sollen. Die Regierung spricht bisher von rund 60 Diplomen und mehr als 100 gefälschten Führerscheinen.

Gefälschte Diplome leicht zu kaufen

Wie Halk TV berichtete, war es offenbar einfach, gefälschte Dokumente zu erwerben. Über WhatsApp konnten Diplome bestellt werden, in sozialen Medien wurde dafür geworben. Je nach Dokument verlangten die Betrüger tausende Euro. Die gefälschten Abschlüsse wurden im sogenannten elektronischen Staatssystem gespeichert, über das die Türken alle Behördengänge erledigen.

Vier Staudämme mit Fake- Bauingenieursdiplom

Ein Unternehmer, der unter anderem vier Staudämme in der Türkei gebaut hat, soll laut dem Medium Serbestiyet ein gefälschtes Bauingenieursdiplom an der Technischen Universität Yildiz in Istanbul gekauft haben. Er gab an, nicht gewusst zu haben, dass der Abschluss im System hochgeladen wurde.

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Ein Teppichwäscher, der als Psychologe arbeitete, erklärte, er habe im Ausland Psychologie studiert. Eine Firma habe jedoch ohne seine Zustimmung ein neues Diplom von einer türkischen Universität ausstellen lassen.

Anklage gegen 199 mutmaßliche Betrüger erhoben

Justizminister Yilmaz Tunc teilte mit, dass die Staatsanwaltschaft Anklage gegen 199 mutmaßliche Betrüger erhoben habe. Nach Informationen der dpa werde ihnen unter anderem Fälschung elektronischer Zertifikate, Datenmanipulation und unrechtmäßiger Zugriff auf personenbezogene Informationen vorgeworfen. Die Fälle sollen im September vor Gericht verhandelt werden.

Medienberichten zufolge gab es bereits Ende 2024 erste Beschwerden an einer Universität in Ankara, auf die Ermittlungen folgten. Innenminister Ali Yerlikaya ließ Anfang August verlauten, die kriminelle Organisation sei zerschlagen und ihre Mitglieder verhaftet worden. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass dies nur die Spitze des Eisbergs sei.

Sind hochrangige Politiker auch betroffen?

Der Investigativjournalist Murat Agirel kritisierte, die Regierung wolle offenbar eine größere Welle von Enthüllungen verhindern, aus Sorge, dass auch hochrangige Politiker betroffen sein könnten. Im Fokus stand dabei der stellvertretende Verkehrsminister Ömer Fatih Sayan, dem zehn Abschlüsse und zwei Doktortitel zugeschrieben werden. Sayan wies die Vorwürfe zurück: Er betonte, sein ganzes Leben lang studiert zu haben und sich weiterhin fortbilden zu wollen.

Der Vorfall sorgt für Spott, aber auch für Entsetzen. So nutzten die Täter Daten von beim Erdbeben 2023 verstorbenen Rechtsanwälten für ihre eigenen Zwecke. Der Informatikexperte Murat Kirik von der Marmara-Universität in Istanbul nannte das einen Skandal und erklärte dem Sender Habertürk, die Betrüger seien offenbar sehr organisiert vorgegangen.

Veysel Ulusoy, ehemaliger Vorsitzender des Instituts für Sozialwissenschaften an der Yeditepe-Universität, sagte der dpa, das Ausmaß gehe weit über das bisher Bekannte hinaus. Schon vor Jahren habe er ähnliche Probleme beobachtet, doch der Hochschulrat habe nicht reagiert. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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