Künstliche Intelligenz 25.02.2026, 14:30 Uhr

KI-Potenzial darf nicht verpuffen – nutzen Ihre Mitarbeitenden sie richtig?

Generative KI steigert die Produktivität im Mittelstand – doch ohne klare Regeln droht ihr Nutzen zu verpuffen. Führungskräfte müssen jetzt Strukturen schaffen, um Chancen gezielt zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Symbolbild - schnelle KI-Nutzung

Mitarbeitende nutzen KI bereits täglich im Arbeitsalltag – oft schneller, als Unternehmen klare Strategien und Richtlinien entwickeln können.

Foto: Smarterpix/BiancoBlue

Generative KI ist im Arbeitsalltag längst angekommen. Eine aktuelle Erhebung des IMC Krems bei über 1.000 Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen im DACH-Raum zeigt: Mitarbeitende nutzen Tools zur Texterstellung, Datenanalyse und Informationsverdichtung oft täglich – eigeninitiativ. Oft – ohne offizielle Richtlinien.

Die Folgen sind spürbar: Teams berichten von Zeitersparnis, verbesserter Arbeitsqualität und einer effizienteren Vorbereitung komplexer Aufgaben. Gleichzeitig fehlt es vielen Unternehmen an klaren Vorgaben, Trainingsprogrammen oder Governance-Strukturen. KI wird breit eingesetzt, aber nicht strategisch gesteuert – ein Risikofaktor, der gerade für Führungskräfte im Mittelstand jetzt Handlungsbedarf signalisiert.

Ohne klare Leitplanken droht das Potenzial der Technologie, unkoordiniert zu verpuffen. Deshalb ist es entscheidend, die tatsächliche Nutzung sichtbar zu machen, Strukturen zu schaffen und KI nicht nur als Tool, sondern als strategische Chance zu begreifen.

Mitarbeitende setzen KI von unten nach oben ein

Die aktuelle Studie des IMC Krems zeigt deutlich: Mitarbeitende nutzen KI-Tools nicht, weil es angeordnet wurde, sondern weil sie den Arbeitsalltag spürbar erleichtern. Texte schneller erstellen, Daten analysieren, Informationen kompakt aufbereiten – die Effizienzgewinne sind für viele sofort sichtbar.

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Aus Sicht der Akzeptanzforschung ist das wenig überraschend: Wird Technologie als leistungssteigernd und einfach nutzbar wahrgenommen, steigt ihre Anwendung automatisch. Die Studie bestätigt dies mit hohen Zustimmungswerten.

Was jedoch auffällt: Die organisatorische Verankerung hinkt hinterher. Richtlinien, Trainings oder definierte Governance-Strukturen existieren oft nicht, obwohl die Tools bereits breit genutzt werden.

Die Führungslücke: operative Realität überholt Strategie

Während Teams produktiv experimentieren, fehlt es in vielen Unternehmen an klaren Regeln. Befragte nennen insbesondere:

  • Unklare Richtlinien für den Umgang mit sensiblen Daten
  • Fehlende Trainingsangebote für den sinnvollen Einsatz von KI
  • Keine definierte KI-Strategie

Das Problem ist damit nicht die Technologie, sondern die fehlende Struktur und Steuerung. Eine neue Führungsherausforderung entsteht: Die operative Realität entwickelt sich schneller als die strategische Kontrolle.

Viele Führungskräfte unterschätzen, wie tief KI bereits in Arbeitsprozesse integriert ist. Ohne Transparenz über tatsächliche Nutzungsmuster fehlt jedoch die Basis, um KI effektiv und verantwortungsvoll zu steuern.

„KI ist längst im Arbeitsalltag angekommen – aber in vielen Unternehmen fehlt noch immer die klare Strategie dazu. Wer nicht weiß, wie KI tatsächlich genutzt wird, kann sie auch nicht verantwortungsvoll steuern“, wird Prof.(FH) Mag. Dr. Doris Berger-Grabner, MA, CSE, Studiengangsleitung Unternehmensführung und Digitales Management am IMC Krems in einer Pressemitteilung zitiert.

Von den Teams gesteuert: KI setzt sich durch

Frühere Digitalisierungswellen waren oft investitionsgetrieben: ERP-Systeme, CRM-Lösungen oder Cloud-Migrationen wurden zentral beschlossen und Schritt für Schritt implementiert. Generative KI folgt dagegen einer anderen Logik. Sie ist niedrigschwellig verfügbar, kostengünstig und sofort einsatzbereit.
Das verändert die Dynamik: Innovation entsteht informell, getrieben von einzelnen Teams, Projekten und persönlichen Initiativen. Für Unternehmen bedeutet das zweierlei:

  • Chance: Ein spontaner Produktivitätsschub, der direkt den Arbeitsalltag erleichtert.
  • Risiko: Ohne klare Richtlinien fehlen Skalierung, Qualitätssicherung und Risikomanagement.

Vom Experiment zur Strategie

Die zentrale Managementfrage lautet heute nicht mehr: „Sollen wir KI einsetzen?“
Sondern: „Wie organisieren wir eine Nutzung, die längst Realität ist?“
Führung in dieser neuen Realität bedeutet:

  1. Transparenz über tatsächliche Nutzung herstellen
  2. Klare Leitlinien definieren
  3. Trainings und Kompetenzaufbau systematisieren
  4. Verantwortlichkeiten festlegen

Wer diese Punkte aktiv angeht, kann die vorhandene Dynamik strategisch nutzen. Wer abwartet, riskiert, die Kontrolle über eine bereits laufende Transformation zu verlieren.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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