Neuanfang 05.01.2026, 11:30 Uhr

Warum Quereinstieg immer mehr Menschen reizt

Beruflich neu anfangen – ohne klassische Ausbildung im Zielberuf: Der Quereinstieg gewinnt in Deutschland rasant an Bedeutung. Getrieben von Fachkräftemangel, demografischem Wandel und neuen Anforderungen setzen Unternehmen zunehmend auf Fähigkeiten statt Abschlüsse.

Quereinstieg - einneuer Weg

Quereinstieg als Karriere-Booster?

Foto: PantherMedia / Randolf Berold

Ein Quereinstieg in den Beruf bietet eine wertvolle Möglichkeit für Menschen, die in einem anderen Bereich tätig waren und nun eine neue berufliche Herausforderung suchen. Dabei bringen Quereinsteiger oft einzigartige Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten mit, die sie in ihrer neuen Position bereichern können. Der Einstieg in ein neues Berufsfeld erfordert jedoch oft Flexibilität, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, sich in unbekannte Themen einzuarbeiten.

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen die Möglichkeit des Quereinstiegs, um ihre berufliche Laufbahn neu auszurichten. Unter einem Quereinstieg versteht man den Wechsel in einen Beruf, der sich deutlich von der bisherigen Tätigkeit unterscheidet – oft ohne formale Ausbildung in diesem Bereich. Stattdessen zählen praktische Fähigkeiten, Motivation und Lernbereitschaft.

Ein wichtiger Baustein für einen erfolgreichen Quereinstieg ist Re-Skilling, worüber wir ausführlich berichtet haben. Dabei handelt es sich um den gezielten Erwerb neuer Fähigkeiten, um den Anforderungen eines anderen Berufs gerecht zu werden. Re-Skilling ermöglicht es Fachkräften, ihr Wissen zu erweitern und beruflich in komplett neue Bereiche vorzustoßen.

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Beispiele für Quereinstiege mit Re-Skilling gibt es viele:

  • Ein Ingenieur, der durch Fortbildungen ins Projektmanagement wechselt.
  • Eine Erzieherin, die sich in Personalwesen oder Verwaltung weiterbildet.
  • Ein Lehrer, der mithilfe von IT-Kursen in die Softwarebranche einsteigt.

Unternehmen profitieren von Quereinsteiger*innen, die frische Perspektiven und vielseitige Erfahrungen mitbringen. Für die Beschäftigten selbst eröffnet der Quereinstieg in Kombination mit Re-Skilling echte Chancen für berufliche Neuorientierung, langfristige Stabilität und mehr Zufriedenheit im Job.

Quereinstieg im Fokus: Der Arbeitsmarkt 2026 im Umbruch

Der Arbeitsmarkt in Deutschland befindet sich weiterhin im Wandel. Unternehmen öffnen sich stärker für Quereinsteiger*innen, viele Beschäftigte rücken Jobsicherheit wieder nach oben auf ihre Prioritätenliste, und der technologische Fortschritt hinterlässt in immer mehr Berufsfeldern sichtbare Spuren. Das zeigt das aktuelle „Hiring Trends Update“ von Stepstone sowie die Auswertungen des Nutzerverhaltens auf der Jobplattform.

Quereinstieg wird zum zentralen Baustein

Unternehmen richten ihren Fokus deutlich auf Quereinsteiger*innen: 64 % der Firmen planen, im kommenden Jahr gezielt Menschen aus anderen Berufsfeldern einzustellen. 77 % wollen ihre Auswahlkriterien anpassen und Fähigkeiten stärker berücksichtigen. Damit rückt „Skills-based Hiring“ – also die Orientierung an praktischen Kompetenzen statt formalen Abschlüssen – immer mehr in den Mittelpunkt.

Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den demografischen Wandel: Immer mehr Beschäftigte scheiden altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, während zugleich weniger neue Arbeitskräfte nachrücken. Auch das Suchverhalten von Jobsuchenden spiegelt diesen Trend wider: Die Nachfrage nach Quereinstiegen in Büro- und kaufmännische Berufe auf Stepstone.de stieg im Jahresvergleich um 107 %.

Julius Probst, Arbeitsmarktexperte und Ökonom bei The Stepstone Group kommentiert: „Quereinstieg wird im kommenden Jahr mehr denn je zu einem zentralen Baustein des Arbeitsmarkts. 2026 werden in Deutschland erstmals weniger Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten als ihn verlassen. Auch deshalb gewinnen Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen an Bedeutung. Für viele Beschäftigte entstehen dadurch echte Perspektiven für einen beruflichen Neustart.“

Auch im XING-Report 2025 wurde deutlich: Quereinsteiger sind gefragter denn je.  Demnach sehen rund 60 % der Unternehmen Quereinsteigerinnen als wichtige Unterstützung im Kampf gegen den Fachkräftemangel und schätzen ihre vielseitigen Erfahrungen als Innovationsimpuls. Jeder fünfte Recruiter*in (22 %) stellt Quereinsteigende sogar bevorzugt ein – so der repräsentative XING Arbeitsmarktreport 2025.

GenZ bereit für den Quereinstieg

Rund die Hälfte der GenZ, die erst seit sieben bis neun Jahren im Berufsleben steht, hat bereits über einen Quereinstieg in eine andere Branche nachgedacht. Aus Sicht von Recruitern bieten solche Bewerbenden großes Potenzial: Fast zwei Drittel (64 %) behandeln sie gleichwertig mit Kandidat*innen, die einen traditionellen Karriereweg verfolgt haben. Das zeigte nämlich der XING Arbeitsmarktreport 2024, der auf einer Online-Befragung von 2000 Beschäftigten und 300 Recruitern in Deutschland basiert und vom Marktforschungsinstitut Appinio durchgeführt wurde.

Innerhalb der Generationen haben besonders die Babyboomer selten ihre Berufswahl hinterfragt: 46 % von ihnen haben nie über einen Quereinstieg nachgedacht. Bei der GenZ liegt dieser Anteil bei nur 29 %. Von denen, die tatsächlich den Schritt in eine neue Branche gewagt haben, ist der Anteil bei der Generation X mit 26 % am höchsten. Doch auch 21 % der GenZ, die noch nicht lange im Berufsleben stehen, haben bereits einen Wechsel vollzogen.

Arbeitsmarkt wird komplexer

„Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zunehmend dynamischer und ist sehr viel komplexer geworden. Gleichzeitig bietet er zahlreiche Möglichkeiten wie Remote Work, die frühere Generationen nicht hatten“, erklärte Thomas Kindler, Managing Director von XING vor einem Jahr. „Das führt dazu, dass die Jüngsten am Arbeitsmarkt eher bereit sind, sich auszuprobieren und Dinge infrage zu stellen.“ Der Trend setzt sich nun fort.

Die Gründe für einen Quereinstieg sind vielfältig. Für die meisten, die die Branche gewechselt haben, waren finanzielle Vorteile entscheidend (51 %). Es folgen bessere Jobsicherheit (36 %) und der Wunsch, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen (32 %). Für etwa ein Viertel spielten auch eine bessere Unternehmenskultur, die Möglichkeit, neue oder bisher ungenutzte Fähigkeiten einzusetzen, notwendige Qualifikationen sowie bessere Karriere- und Aufstiegschancen eine Rolle.

Gründe für den Neuanfang

Zwischen Männern und Frauen gibt es teils deutliche Unterschiede: Zwar haben ähnlich viele Frauen wie Männer einen beruflichen Neuanfang gewagt, doch Männer denken häufiger darüber nach (46 % vs. 41 %). Der Anteil derer, für die ein Wechsel nicht infrage kommt, ist bei Männern geringer als bei Frauen (30 % vs. 35 %). Finanzielle Vorteile sind für beide Geschlechter der wichtigste Grund für einen Neuanfang, spielen jedoch für Männer eine größere Rolle (57 % vs. 44 %). Auch das Erlangen und Einsetzen neuer oder bisher ungenutzter Fähigkeiten und Qualifikationen ist für Männer bedeutender als für Frauen (27 % vs. 19 %).

Wer den Schritt wagt, kann auf positive Perspektiven hoffen: Laut dem XING Arbeitsmarktreport, für den 300 Recruiter in deutschen Unternehmen befragt wurden, geben fast zwei Drittel (64 %) an, Quereinsteigenden die gleichen Chancen wie Bewerbenden mit traditionellem Werdegang zu bieten. 6 % bevorzugen Quereinsteigende sogar, während nur 3 % sie grundsätzlich nicht berücksichtigen.

Quereinsteiger: Chancen und Herausforderungen

Chancen:

  • 50 % der Personalverantwortlichen setzen auf Quereinsteigende zur Linderung des Fachkräftemangels.
  • 47 % schätzen frische Perspektiven, 45 % fördern Vielfalt im Unternehmen.

Herausforderungen:

  • 43 % erwarten längere Einarbeitungszeiten.
  • 30 % befürchten fehlende branchenspezifische Erfahrung.

„Der Beruf, für den man sich früh im Leben entscheidet, muss nicht der für das ganze Leben sein“, erklärte Thomas Kindler 2024. „Durch einen Quereinstieg eröffnen sich neue Perspektiven für Unternehmen und Talente, wenn sich beide Seiten darauf einlassen.“

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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