Positionierung von Ingenieuren im beruflichen Kontext 24.02.2026, 13:30 Uhr

Warum Ingenieure ihre Sichtbarkeit neu denken müssen

Sichtbarkeit für Ingenieure: Warum technische Exzellenz allein nicht mehr reicht.

Ein Mann versucht seinem Team etwas zu erklären.

Technische Exzellenz sichtbar machen: Kommunikation als Schlüssel zur strategischen Selbstvermarktung von Ingenieuren.

Foto: Smarterpix/fizkes

Technische Exzellenz allein genügt heute nicht mehr: Wer seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg nicht sichtbar macht und in den geschäftlichen Kontext übersetzt, verliert Einfluss und Gestaltungsspielraum. Ingenieure müssen lernen, ihre Kompetenz strategisch zu kommunizieren – nicht aus Eitelkeit, sondern aus professioneller Verantwortung.

Ingenieure entwickeln die Technologien, die unsere Wirtschaft am Laufen halten. Sie konstruieren Anlagen, programmieren Software, optimieren Produktionsprozesse und treiben Innovationen voran. Und dennoch bleiben sie häufig im Hintergrund. Während Vertrieb, Marketing oder Management selbstverständlich an ihrer Positionierung arbeiten, verlassen sich viele technische Experten noch immer auf einen alten Grundsatz: Gute Arbeit spricht für sich.

Doch dieser Satz gilt in modernen Organisationen nur noch eingeschränkt. Wer heute nicht sichtbar ist, findet oft nicht statt. Digitalisierung, Fachkräftemangel und globaler Wettbewerbsdruck verändern das Berufsbild grundlegend. Technische Exzellenz bleibt unverzichtbar – sie ist jedoch längst nicht mehr ausreichend.

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Sachorientierung von Ingenieuren: Stärke und Risiken erkennen

Viele Ingenieure und Ingenieurinnen sind stark sachorientiert. Ihr Fokus liegt auf Fakten, Funktionalität und technischer Präzision. Kommunikation wird als Mittel zur Problemlösung verstanden, nicht als Instrument zur Positionierung. Während in anderen Funktionsbereichen Beziehungen und Narrative eine zentrale Rolle spielen, steht im Ingenieurwesen die Lösung selbst im Mittelpunkt.

Diese Haltung ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Sie ermöglicht objektive Entscheidungen, analytische Tiefe und hohe Qualität. Problematisch wird sie jedoch dann, wenn sie mit der Annahme verbunden ist, dass Leistung automatisch gesehen und honoriert wird. In komplexen Organisationen mit vielen Projekten, Schnittstellen und politischen Dynamiken ist das selten der Fall.

Wer seine Ergebnisse nicht einordnet, wer nicht erklärt, welchen Beitrag seine Arbeit zum Unternehmenserfolg leistet, läuft Gefahr, als reiner Umsetzer wahrgenommen zu werden – nicht als strategischer Mitgestalter.

Der „Curse of Knowledge“: Unsichtbarkeit im Management-Dialog vermeiden

Ein weiterer Grund für die Unsichtbarkeit technischer Expertise liegt in einem psychologischen Effekt, der als „Curse of Knowledge“ bekannt ist. Wer tief in einer Materie steckt, kann sich nur schwer vorstellen, wie es ist, dieses Wissen nicht zu besitzen. Ingenieure sprechen daher häufig über Architektur, Code, Materialeigenschaften oder Prozessdetails, während Entscheider nach Marktanteilen, Skalierbarkeit oder Rendite fragen.

Hier entsteht ein klassisches Missverständnis. Der Entwickler ist überzeugt, dass die Brillanz der Lösung offensichtlich ist. Das Management hingegen erkennt zwar die technische Qualität, sieht aber nicht zwingend deren strategische Relevanz. Wenn die Übersetzung in geschäftlichen Nutzen fehlt, wird Engineering schnell als Kostenblock betrachtet.

Und nun wird es deutlich: Ohne Kommunikation kommt man nicht weiter. Wie wichtig esist, für Ingenieure ihre Soft Skills zu entwickeln, haben wir mit mit dem Maschinenbauingenieur Lucas Cayé gesprochen, der sich im Vorstand der VDI Young Engineers engagiert.

„Hier wird deutlich, dass wir als Ingenieure die Verantwortung haben, unsere Erfindungen und deren Nutzen für die Gesellschaft verständlich zu machen. Die Fähigkeit zur Technik-Kommunikation muss deshalb deutlich gestärkt werden, damit wir als Ingenieure den positiven Beitrag, den wir leisten, auch in der breiten Bevölkerung richtig positionieren können“, sagte er gegenüber ingenieur.de 2025.

Karrierefallen für Ingenieure: Verantwortung sichtbar machen

Die mangelnde Selbstvermarktung hat nicht nur strukturelle, sondern auch individuelle Folgen. Ein typisches Phänomen ist die sogenannte „Dry Promotion“: mehr Verantwortung, ein neuer Titel, aber keine oder nur minimale Gehaltserhöhung. Gerade sachorientierte Fachkräfte nehmen solche Angebote an, weil sie die inhaltliche Herausforderung schätzen und den Titel als Anerkennung interpretieren.

Marktbeobachtungen und Gehaltsanalysen zeigen jedoch, dass Führungs- oder Senior-Positionen üblicherweise mit deutlichen Gehaltsanpassungen verbunden sind. Wer hier nicht verhandelt oder seinen Marktwert kennt, verliert langfristig Einkommen und Verhandlungsmacht.

Noch subtiler ist die schleichende Übernahme zusätzlicher Aufgaben ohne formale Anpassung der Rolle. (LINK) Viele Ingenieure lösen Probleme pragmatisch und zuverlässig. Doch ohne klare Kommunikation wird aus temporärer Unterstützung schnell dauerhafte Mehrbelastung – ohne entsprechende Anerkennung.

LinkedIn für Ingenieure: Kompetenz professionell sichtbar machen

Sichtbarkeit muss jedoch nicht mit lauter Selbstdarstellung verwechselt werden. Plattformen wie LinkedIn bieten gerade technischen Experten die Möglichkeit, ihre Kompetenz auf professionelle und sachliche Weise zu zeigen. Wer dort Projekterfahrungen reflektiert, technologische Trends einordnet oder Lessons Learned teilt, positioniert sich als Vordenker in seinem Fachgebiet.

Viele ordnen LinkedIn noch immer als digitale Visitenkarte ein – als Ort, an dem man im besten Fall seinen aktualisierten Lebenslauf hinterlegt. Inzwischen haben viele zwar erkannt, welche Rolle die Plattform im Recruiting und bei Bewerbungsprozessen spielt. Doch das greift zu kurz. LinkedIn ist weit mehr als ein Online-CV oder ein Stellenmarkt. LinkedIn bedeutet Sichtbarkeit – fachliche, strategische und persönliche. Und diese Sichtbarkeit betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Teams. Wer als Abteilung, Projektgruppe oder technischer Bereich dort Kompetenz zeigt, positioniert nicht nur einzelne Profile, sondern stärkt die Wahrnehmung des gesamten Teams – intern wie extern.

Ein starkes Netzwerk multipliziert Reichweite. Jeder Like, jeder Kommentar öffnet neue Türen. Wer aktiv ist, wird sichtbar – und wer sichtbar ist, bekommt Empfehlungen – darüber hat Christiane Scheid, Bewerbungscoach und Karriereberaterin während ihres Keynotes bei dem VDI Nachrichten Recruiting Tag in Stuttgart berichtet. Sie wies darauf hin, dass nur wer seine Kompetenzen klar benennt, als Experte wahrgenommen wird. Dabei plädierte die Expertin dafür, dass man das eigene Profil mit Leben zu füllen hat. Es gehe darum, sichtbar zu machen, wofür man steht, welche Themen einen bewegen und in welchem Bereich man echten Mehrwert bietet.

Entscheidend ist die Perspektive. Es geht nicht darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern Mehrwert zu liefern. Ein Beitrag über die Optimierung einer Produktionslinie, der nachvollziehbar darlegt, wie Durchlaufzeiten reduziert oder Fehlerquoten gesenkt wurden, ist kein Eigenlob. Er ist eine fachliche Einordnung mit Signalwirkung.

Gleichzeitig entsteht durch diese Präsenz ein Netzwerk über die eigene Organisation hinaus. In einer Arbeitswelt, in der Wechselbereitschaft und Projektarbeit zunehmen, wird dieses Netzwerk zu einem strategischen Kapital.

„LinkedIn bietet eine großartige Möglichkeit, verschiedene Elemente proaktiv zu nutzen. Ein schönes Zitat des CEO von LinkedIn lautet sinngemäß: ‚LinkedIn ist nicht nur eine Plattform, um einen neuen Job zu suchen, sondern auch dazu da, sich im aktuellen Job weiterzuentwickeln.‘ Das bedeutet, dass Ingenieure LinkedIn nicht nur für die Jobsuche verwenden sollten, sondern auch, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, sich mit anderen Fachleuten zu vernetzen und aktiv an ihrer Karriere zu arbeiten“, sagte auch Tim Schmaddebeck in einem ingenieur.de-Interview. Neben seinem Mentoring-Programm hostet er seit Jahren den Podcast Mission Engineer, in dem er regelmäßig wertvolle Einblicke und Tipps zur beruflichen Weiterentwicklung im Ingenieurwesen teilt.

Vom Spezialisten zum strategischen Mitgestalter werden

Die Anforderungen an Ingenieure verändern sich rasant. Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz verschieben den Fokus von rein technischer Umsetzung hin zu systemischem Denken. Der moderne Ingenieur ist nicht mehr nur Entwickler, sondern Schnittstellenmanager, Übersetzer zwischen Technik und Business und Koordinator komplexer Ökosysteme.

Damit gewinnen kommunikative Fähigkeiten an Bedeutung. Wer technische Entscheidungen in ihren wirtschaftlichen Kontext stellen kann, wird zum strategischen Partner des Managements. Wer hingegen ausschließlich im Detail argumentiert, bleibt operativ gebunden.

Sichtbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Eitelkeit, sondern Verantwortung. Wer Innovationen vorantreibt, sollte auch erklären können, warum sie für das Unternehmen relevant sind. Nur so lassen sich Ressourcen sichern, Prioritäten beeinflussen und langfristige Strategien mitgestalten.

Professionelle Selbstvermarktung für Ingenieure

Die Paradoxie der Fachkompetenz besteht darin, dass ausgerechnet diejenigen, die am meisten zum Unternehmenserfolg beitragen, ihre Rolle oft am wenigsten betonen. Doch Unsichtbarkeit schützt nicht vor Bewertung – sie verschiebt sie lediglich in einen Kontext, den andere definieren.

Selbstvermarktung im Ingenieurwesen muss daher neu verstanden werden. Sie ist kein lautes Marketing in eigener Sache, sondern die bewusste Einordnung der eigenen Leistung in einen größeren Zusammenhang. Wer technische Exzellenz mit strategischer Kommunikation verbindet, erhöht nicht nur seine persönlichen Karrierechancen, sondern stärkt auch die Position des gesamten Fachbereichs.

In einer Industrie, die zunehmend von Geschwindigkeit, Innovationsdruck und globalem Wettbewerb geprägt ist, reicht es nicht mehr, nur die beste Lösung zu entwickeln. Man muss auch in der Lage sein, ihren Wert sichtbar zu machen. Technische Brillanz verdient Anerkennung – und Anerkennung entsteht durch Verständlichkeit und Präsenz.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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