Stellenmarkt kühlt drastisch ab: Jetzt trifft es selbst Ingenieure und IT
Der Hays-Fachkräfte-Index fällt deutlich. Selbst IT-Security, Bau- und Elektroingenieurwesen verlieren. Datenbankentwickler widersetzen sich jedoch dem Abwärtstrend.
Die Jobsuche wird auch für versierte Fachkräfte schwieriger.
Foto: Smarterpix/ iakovenko123
Die Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten hat sich in Deutschland im zweiten Quartal 2026 erheblich abgeschwächt. Der Hays-Fachkräfte-Index sank gegenüber dem ersten Quartal um rund 26 Prozentpunkte auf 36 %. Damit wurden in sämtlichen untersuchten Berufsgruppen weniger Stellen ausgeschrieben als zu Jahresbeginn.
Besonders bemerkenswert: Der Rückgang erreicht inzwischen auch Ingenieur- und IT-Profile, die lange als klassische Engpassberufe galten.
Inhaltsverzeichnis
- Länger anhaltende Abkühlung des Arbeitsmarktes
- Fachkräfte-Index: So werden die Werte berechnet
- IT-Stellenmarkt: Nachfrage fällt um 38 Prozentpunkte
- IT-Security-Spezialisten sind trotz Delle weiterhin gefragt
- Nachfrage nach IT-Entwicklern und -Beratern liegt teilweise unter Niveau von 2015
- Datenbankentwickler profitieren vom Aufbau der KI-Infrastruktur
- KI beflügelt die Suche nach Datenbankexperten
- SAP-Entwickler trotzen dem Trend
- Ingenieurstellen: Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe unter dem Niveau von 2015
- Ingenieure: Gesamtwert liegt über dem Referenzniveau
- Bauingenieure bleiben gefragt – verlieren aber stark
- Indexwerte für Entwicklungsingenieure sind stark gesunken
- Qualitätsingenieure liegen leicht über dem Niveau
- Unternehmen wählen Ingenieure und IT-Fachkräfte gezielter aus
Länger anhaltende Abkühlung des Arbeitsmarktes
Im zweiten Quartal 2025 hatte der Gesamtindex noch bei 59 % gelegen, im entsprechenden Quartal 2024 sogar bei 113 %. Die Zahlen deuten laut Hays somit nicht nur auf eine kurzfristige Korrektur gegenüber dem starken Jahresauftakt hin, sondern auf eine bereits länger anhaltende Abkühlung des Stellenmarktes.
Allerdings bildet der Index ausschließlich die Entwicklung der veröffentlichten Stellenanzeigen ab. Aus sinkenden Werten lässt sich laut Hays nicht unmittelbar auf einen Abbau bestehender Arbeitsplätze schließen. Die Daten zeigen zunächst, dass Unternehmen weniger neues Personal suchen beziehungsweise weniger offene Positionen öffentlich ausschreiben.
Fachkräfte-Index: So werden die Werte berechnet
Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der Index Internet und Mediaforschung GmbH. Berücksichtigt werden Stellenanzeigen auf besonders häufig genutzten Online-Jobbörsen, in Tageszeitungen und im Business-Netzwerk Xing.
Als Referenz dient grundsätzlich das erste Quartal 2015. Der damalige Wert wird rechnerisch auf null gesetzt. Ein Indexstand von 36 % bedeutet deshalb nicht, dass die Nachfrage gegenüber dem Vorquartal um 36 % gestiegen ist. Er besagt vielmehr, dass die Zahl der ausgewerteten Stellenanzeigen 36 % über dem Ausgangsniveau des ersten Quartals 2015 liegt.
Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Prozent und Prozentpunkten: Fällt ein Index beispielsweise von 62 % auf 36 %, entspricht das einem Rückgang um 26 Prozentpunkte. Die Zahl der Stellenanzeigen nimmt dadurch aber nicht automatisch ebenfalls um 26 % ab.
IT-Stellenmarkt: Nachfrage fällt um 38 Prozentpunkte
Die absolute Gesamtnachfrage nach IT-Fachkräften sank von 83.360 erfassten Anzeigen im ersten Quartal auf 67.313 im zweiten Quartal 2026. Das entspricht einem Rückgang um rund 19 %. Der IT-Index fiel gleichzeitig von rund 96 % auf 59 % – also um etwa 38 Prozentpunkte.
Damit liegt die Zahl der ausgeschriebenen IT-Stellen zwar weiterhin deutlich über dem Referenzwert von Anfang 2015, die Unternehmen haben ihre Suche aber erheblich eingeschränkt.
IT-Security-Spezialisten sind trotz Delle weiterhin gefragt
Besonders stark betroffen sind ausgerechnet Profile, die bislang als schwer zu besetzen galten. Bei IT-Security-Spezialisten fiel der Index gegenüber dem Vorquartal um rund 136 Prozentpunkte von rund 509 % auf 373 %. Im zweiten Quartal 2026 wurden 3.928 Stellenanzeigen für IT-Security-Spezialisten erfasst. Zum Vergleich: Im ersten Quartal waren es 5062. Das entspricht einem Minus von rund 22,4%.
Dennoch bleibt das absolute Nachfrageniveau hoch: Der Index sank zwar um 136 Prozentpunkte. Damit werden für IT-Security-Fachkräfte aber noch immer fast fünfmal so viele Anzeigen erfasst wie Anfang 2015.
Nachfrage nach IT-Entwicklern und -Beratern liegt teilweise unter Niveau von 2015
Auch IT-Berater verloren deutlich. Ihr Index sank um rund 55 Prozentpunkte auf 48 %. Bei IT-Entwicklern ging er um etwa 31 Prozentpunkte auf 50 % zurück. Besonders schwach entwickelte sich zudem die Nachfrage nach Webentwicklern, deren Index im zweiten Quartal bei rund −42 % lag.
Für Java- und .NET-Entwickler wurden ebenfalls weniger Anzeigen gezählt als im Referenzquartal 2015.
Datenbankentwickler profitieren vom Aufbau der KI-Infrastruktur
Eine auffällige Ausnahme bilden Datenbankentwickler. Ihr Index stieg gegenüber dem ersten Quartal leicht um rund acht Prozentpunkte und erreichte 322 %. Es wurden insgesamt 2732 Stellen ausgeschrieben, ein Plus von 54 Stellen (2 %) zum 1. Quartal 2026. Der Index stieg dabei von 313 % auf 322 %, also um rund 8 Prozentpunkte. Referenzwert sind 648 Stellenanzeigen im ersten Quartal 2015.
Die Zahlen bezeichnen erfasste Stellenanzeigen – nicht zwingend ebenso viele einzelne offene Arbeitsplätze. Die Nachfrage lag damit mehr als viermal so hoch wie Anfang 2015. Kein anderes in der Tabelle ausgewiesenes IT-Profil konnte sich im zweiten Quartal vergleichbar deutlich vom allgemeinen Abwärtstrend absetzen.
KI beflügelt die Suche nach Datenbankexperten
„Dass ausgerechnet Datenbankentwickler gegen den Trend stärker gefragt sind, ist ein strategisches Signal. Viele Unternehmen erkennen, dass sich KI nicht auf unzureichenden Datenstrukturen aufbauen lässt. Wer Datenbestände nutzbar machen und KI produktiv einsetzen will, muss zunächst in eine belastbare System- und Dateninfrastruktur investieren“, erläutert Andreas Sauer, Bereichsleiter Technology bei Hays.
SAP-Entwickler trotzen dem Trend
Auch IT-Architekten bleiben trotz eines Rückgangs vergleichsweise stark gefragt. Ihr Index erreichte im zweiten Quartal rund 131 %. Bei SAP-Entwicklern lag er sogar bei etwa 196 %. Dagegen befand sich der Index für Softwareentwickler insgesamt mit rund −15 % unter dem Niveau des ersten Quartals 2015.
Ingenieurstellen: Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe unter dem Niveau von 2015
Auch der Arbeitsmarkt für Ingenieurinnen und Ingenieure verliert laut Hays an Dynamik. Besonders angespannt ist die Lage im verarbeitenden Gewerbe. Dort sank der Index nach Angaben von Hays gegenüber dem Vorquartal um 13 Prozentpunkte auf −14 %.
Damit ist das verarbeitende Gewerbe der einzige untersuchte Wirtschaftsbereich, in dem die Nachfrage nach Ingenieurfachkräften inzwischen unter dem Ausgangsniveau von Anfang 2015 liegt.
Ingenieure: Gesamtwert liegt über dem Referenzniveau
Bei der Einordnung ist zu beachten, dass dieser Wert nur die Ingenieurnachfrage im verarbeitenden Gewerbe abbildet. Die berufsgruppenbezogene Gesamtauswertung kommt auf einen anderen Wert: Über alle berücksichtigten Bereiche hinweg lag der Engineering-Index im zweiten Quartal noch rund 11 % über dem Referenzniveau. Die Zahl der erfassten Ingenieurstellen sank dabei von 28.748 im ersten Quartal auf 24.954 im zweiten Quartal – ein Minus von rund 13 %.
Wie sich der Ingenieurarbeitsmarkt entwickelt, hängt laut Hays zunehmend von Branche und Spezialisierung ab. Vergleichsweise günstig seien Profile, die mit Investitionen in Energie, Infrastruktur, Automatisierung oder Bau verbunden sind. Doch auch in diesen Bereichen hätten die Unternehmen ihre Suche zuletzt zurückgefahren.
Bauingenieure bleiben gefragt – verlieren aber stark
Am stärksten fiel der Quartalsrückgang bei Bauingenieurinnen und Bauingenieuren aus. Ihr Index sank um rund 35 Prozentpunkte auf etwa 120 %. Die Nachfrage liegt damit zwar weiterhin mehr als doppelt so hoch wie Anfang 2015, hat sich gegenüber dem ersten Quartal 2026 jedoch deutlich abgeschwächt. Zugleich bilden Bauingenieure laut Datentabelle weiterhin die zahlenmäßig größte der untersuchten Ingenieurgruppen.
Indexwerte für Entwicklungsingenieure sind stark gesunken
Der Index für Projektingenieure ging um rund 23 Prozentpunkte auf knapp 26 % zurück. Bei Elektroingenieuren betrug das Minus etwa 21 Prozentpunkte; ihr Index lag zuletzt bei rund 18 %. Automatisierungsingenieure erreichten weiterhin einen vergleichsweise hohen Wert von rund 89 %, verloren gegenüber dem Vorquartal aber etwa 13 Prozentpunkte.
Mehrere industrienahe Profile liegen inzwischen deutlich unter dem Niveau von 2015. Besonders niedrig sind die Indexwerte für Entwicklungsingenieure der Antriebstechnik mit rund −83 %, Entwicklungsingenieure im Automotive-Bereich mit etwa −77 % sowie Chemieingenieure mit rund −63 %. Auch bei Entwicklungsingenieuren insgesamt lag die Nachfrage etwa 52 % unter dem Ausgangsniveau.
Qualitätsingenieure liegen leicht über dem Niveau
Eine kleine Gegenbewegung zeigt sich bei Qualitätsingenieuren: Ihr Index stieg gegenüber dem Vorquartal leicht und lag mit rund 2 % knapp über dem Referenzwert von 2015. Auch Entwicklungsingenieure für Elektrik, Hardware und Maschinenbau schnitten im Quartalsvergleich besser ab als viele andere Engineering-Profile, blieben aber weiterhin unter ihrem jeweiligen Ausgangsniveau.
Unternehmen wählen Ingenieure und IT-Fachkräfte gezielter aus
Der Hays-Fachkräfte-Index spricht für einen selektiveren Arbeitsmarkt und schlussfolgert: Ein genereller Fachkräftemangel schütze einzelne Berufsgruppen offenbar nicht mehr vor einem deutlichen Nachfragerückgang. Unternehmen schreiben weniger Positionen aus und konzentrieren sich stärker auf Aufgaben, deren Beitrag zu laufenden Investitionen oder Transformationsprojekten unmittelbar erkennbar ist.
„Die aktuelle Nachfrageentwicklung spiegelt die derzeit paradox erscheinende Situation am Arbeitsmarkt wider. Zwar sinkt die Nachfrage insgesamt und der Arbeitsmarkt befindet sich aktuell in einer stärkeren Auswahlphase. Stellen, bei denen der wirtschaftliche Nutzen unmittelbar sichtbar ist und die Kompetenzen beinhalten, die Daten, Infrastruktur, Regulierung oder konkrete Transformationsvorhaben absichern, werden aber weiterhin gesucht.“, resümiert Alexander Heise, Hays CEO Deutschland und Europa.
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