Drei Jahre im Vorstand von DMG Mori: Wie Irene Bader Tokio und Bielefeld verbindet
Auf der Hannover Messe 2026 zeigte sich DMG Mori erstmals mit eigenem Stand. Headlinerin des Auftritts: Vorständin Irene Bader. Die Österreicherin will eine Brücke zwischen Deutschland und Japan schlagen und richtet den japanisch-deutschen Werkzeugmaschinenbauer seit nunmehr drei Jahren auf die „Next Generation“ aus.
Irene Bader wurde Ende März 2023 in den Vorstand von DMG Mori gewählt. Das deutsch-japanische Unternehmen zählt zu den weltweit größten Anbietern von Dreh- und Fräsmaschinen. Auch die additive Fertigung gehört zum Portfolio des Konzerns.
Foto: DMG Mori
Ein „starkes Debüt“: So bilanzierte Irene Bader, Vorständin und Chief Marketing Officer bei DMG Mori, den ersten Auftritt des japanisch-deutschen Werkzeugmaschinenbauers als Aussteller auf der Hannover Messe 2026 (20. bis 24. April). „Ohne Werkzeugmaschinen keine Produktion, ohne Produktion keine Innovation“, resümierte sie anschließend in einem LinkedIn-Posting. Werkzeugmaschinen gehörten sichtbar ins Zentrum des industriellen Ökosystems, bildeten sie doch das Fundament industrieller Wertschöpfung.
Auf dem Messestand zeigte DMG Mori unter anderem KI-gestützte Spanräumung in Bearbeitungszentren. Ein Beispiel, das Bader besonders herausstellte: Kameras im Arbeitsraum erfassen Spanansammlungen kontinuierlich, ein KI-Modell analysiert Position und Volumen in Echtzeit und generiert optimierte Reinigungspfade. Das System passt sich dynamisch im laufenden Betrieb an. Der Effekt: weniger manuelle Reinigung für die Bediener, stabilere Automatisierungsprozesse, geringerer Kühlmittel- und Energieverbrauch.
„Hier schafft KI echten Wert – sie unterstützt Menschen direkt bei ihrer Arbeit“, schrieb Bader, die inzwischen auf mehr als drei Jahre im Vorstand des Unternehmens aus Tokio zurückblicken kann.
Inhaltsverzeichnis
Zwischen Bielefeld, München und Tokio
Im Vorstand des Konzerns sitzt Bader seit März 2023. Damals beriefen die Aktionäre des japanischen Werkzeugmaschinenherstellers DMG Mori Company Limited die gebürtige Österreicherin als erste ausländische Frau in das Gremium. Als Chief Marketing Officer hat sie sich zur Aufgabe gemacht, komplizierte Technologien verständlich aufzubereiten und eine Kommunikationsbrücke zwischen deutschen und japanischen Mitarbeitenden zu schlagen.
Profitieren kann das Unternehmen außerdem von den Ergebnissen ihrer Doktorarbeit, die Bader parallel an der englischen Sheffield Hallam University verfasst. Sie erforscht, wie deutsche und japanische Unternehmen aus der Fertigungsindustrie bei Kaufentscheidungen kommunizieren. „Besonders kulturelle Diversitäten faszinieren mich.“
Karriere seit 2001
Bader und DMG Mori vereint eine lange gemeinsame Geschichte. Sie reicht zurück ins Jahr 2001. Nach dem Kurzstudium an der Akademie für Sprachen und Wirtschaft in Wien trat Bader der Gildemeister AG in Bielefeld bei. Als Managerin verantwortete sie die internationale Pressearbeit des Herstellers von Werkzeugmaschinen. 2005 wechselte sie zur Konkurrenz: zum japanischen Werkzeugmaschinenhersteller Mori Seiki. Dort übernahm Bader den Aufbau des Marketings in Europa.
2009 schließlich kam es zu einem entscheidenden Einschnitt: Während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise bündelten Gildemeister und Mori Seiki ihre Kräfte – zunächst mit einer Überkreuzbeteiligung von 5 %.
2016 dann die Übernahme. „Für mich war das eine aufregende Sache. Denn ich kannte beide Unternehmen. Und entsprechend viele Kollegen in Deutschland und Japan“, erinnert sich Bader, die zuvor 2011 berufsbegleitend an der größten staatlichen Universität Europas, der englischen Open University Business School, den Master of Business Administration erworben und 2014 die Marketingleitung des Gesamtkonzerns übernommen hatte. Regelmäßiges Pendeln zwischen der Marketingabteilung in München und dem Global Headquarter in Tokio inklusive.
Lesetipp: Zukunft ist Dialog: Next Generation im Fokus von DMG Mori
Japanische Arbeitsweise: Viele kleine Schritte führen sicher zum Ziel
Nach vielen Jahren des Pendelns zwischen Deutschland und Japan sieht sich Bader mittlerweile als Vermittlerin der Kulturen. Sie möchte deutsche und japanische Mitarbeiter von DMG Mori für die Besonderheiten der anderen Kultur sensibilisieren.
Ein Beispiel: das Verhalten in Meetings. Deutsche Angestellte seien in der Regel recht offensiv, japanische eher zurückhaltend. „Mir ist es hier wichtig, meine japanischen Kollegen zu ermutigen, stärker ihre Meinung zu vertreten“, sagt Bader. Umgekehrt können deutsche Mitarbeiter von den Besonderheiten der japanischen Arbeitskultur profitieren. Etwa von der Einstellung, in der Arbeit lieber viele kleine und kontrollierte Schritte zu machen als einige wenige große.
Anlässlich der Berufung sagte DMG Mori Group CEO Masahiko Mori: „Mit Irene Bader rückt eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit mit einem tiefen Verständnis für unser Unternehmen und einer starken globalen Sichtweise in den Vorstand auf. Sie ist ein Vorbild für Mitarbeitende und wir freuen uns, dass sie ihr vielfältiges Wissen in den Vorstand einbringt.“
Drei Jahre Vorstand: Pfronten, EMO und die Next Generation
Drei Jahre nach ihrer Berufung steht Bader auch für eine Strategie, die DMG Mori stärker auf Nachwuchs ausrichtet. Im Februar 2026 eröffnete der Konzern in Pfronten ein neues Ausbildungszentrum mit Platz für 150 Auszubildende; in Seebach entstand bereits 2023 ein weiteres.
Hinzu kommen Kooperationen mit Hochschulen wie der Nara Women’s University in Japan sowie Auftritte bei EMO, EuroSkills und nun der Hannover Messe. Die Next Generation, sagt Bader, müsse als Gestalter und nicht als Abarbeiter eingebunden werden – ein Thema, das auch ihre Dissertation flankiert: Sie untersucht, wie sich Kaufentscheidungen und Kommunikation in der Fertigungsindustrie verändern, wenn jüngere Entscheidungsträger Messenger statt E-Mails nutzen.
Lesetipp: Wie Maschinenbauer erfolgreich Ingenieurinnen rekrutieren
Irene Bader hisst gerne die Segel
Wenn Irene Bader eine Auszeit braucht, zieht sie ihre Joggingschuhe an und läuft durch den Wald. Dabei stets an ihrer Seite: ein „Goldendoodle“, also eine Mischung aus Königspudel und Golden Retriever. „Ich liebe die Natur. Hier finde ich Ruhe und tanke Kraft“, sagt Bader. Bleibt noch Zeit, geht sie wandern – gerne gemeinsam mit ihrem Ehemann. Oder hisst die Segel.
Schließlich ist sie auch Geschäftsführerin der DMG Mori Sports Marketing SAS und steuert die globalen Sportmarketingaktivitäten des Unternehmens. Dazu zählt auch das DMG Mori Sailing Team. Bader schmunzelt: „Wenn man plötzlich ein Segelteam leitet, sollte man schon etwas mitreden können.“
Irene Bader
- ist seit 2023 als Chief Marketing Officer Vorständin der DMG Mori Company Limited.
- führte 2026 den ersten Auftritt von DMG Mori als Aussteller auf der Hannover Messe an.
- baute zuvor das Marketing des Konzerns in Europa auf.
- begann ihre Karriere 2001 bei der Gildemeister AG, wechselte 2005 zu Mori Seiki.
- ist verheiratet, wandert und segelt gerne.
Ein Beitrag von: