Anzeige

Inside Handy: Ein Schatz in der Schublade

04. Juni 2010

Moderne Handys sind klein und leicht. Aber immer noch stecken in jedem Gerät bis zu 60 verschiedene Stoffe, von denen einige immer knapper werden – bei weltweit mehr als einer Milliarde verkaufter Mobiltelefone pro Jahr eine Herausforderung für die Industrie.
Anzeige
Anzeige


Die Zahl der Mobilfunkkunden steigt rasant. Knapp 5 Mrd. Handyverträge weltweit verzeichnet die UN-Telekommunikationsagentur ITU (International Telecommunication Union). Die Industrie produziert mehr als 1 Mrd. Geräte pro Jahr. Viele nutzen inzwischen neben dem privaten auch ein dienstliches Mobiltelefon – und immer neue Modelle sorgen für wahre Altgerätesammlungen in etlichen privaten und dienstlichen Schubladen.

Während der Absatz blendend läuft, kommen auf die Hersteller an anderer Stelle Probleme zu: Sie benötigen für die Produktion einige Metalle, die immer knapper werden – einige reichen nach jetzigem Wissensstand nur noch wenige Jahre, bei anderen hinkt das Angebot der Nachfrage hinterher. Alternativen? In vielen Fällen bislang Fehlanzeige.

Anzeige
Anzeige

Beispiel Tantal: Kondensatoren mit diesem Metall machen nicht nur sehr kleine Handys möglich, sondern haben auch eine lange Lebensdauer, einen geringen Stromverbrauch und eine hohe Widerstandskraft gegen Temperaturschwankungen.

„Es gibt zurzeit keinen Ersatzstoff für Tantal, der den Anforderungen moderner Mobiltelefone gerecht wird“, sagt Patrick Wäger, wissenschaftlicher Projektleiter bei der Schweizer Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Die Industrie arbeitet zwar an Kondensatoren, in denen Aluminium, Keramik oder Niob das Tantal ersetzen, diese Varianten sind aber noch nicht ausgereift.

Rein rechnerisch besteht dennoch kein Zeitdruck: Weltweit gibt es nach einer Schätzung des U.S. Geological Survey (USGS), des geologischen Dienstes der USA, Coltan-Reserven – Coltan ist Ausgangsstoff für Tantal – für weitere 150 Jahre. Aber diese Reserven sind nur bedingt zugänglich: Große Teile liegen in politisch instabilen Regionen wie der afrikanischen Republik Kongo oder sind noch gar nicht erschlossen. Die meisten Hersteller versuchen daher, Tantal-Kondensatoren so klein wie möglich zu produzieren.

Anzeige
Anzeige

Problematischer ist die Situation bei Indium. Laut USGS liegt das weltweite Vorkommen bei 16 000 t, 11 000 t gelten als wirtschaftlich förderfähig – eine recht überschaubare Reserve, da pro Jahr gut 600 t raffiniert werden. Das weiche, silberfarbene Metall wird außerdem nicht direkt gefördert, sondern bei der Verhüttung von Zink gewonnen. Dotiertes Indiumzinnoxid (ITO) erreicht fast metallische Leitfähigkeit und ist trotzdem transparent, das macht es perfekt für die bei Displays notwendige lichtdurchlässige Beschichtung.

„Dass die Indiumproduktion an die gerade wenig attraktive Förderung einiger Basismetalle gekoppelt ist, ist problematisch – ebenso die Nutzungskonkurrenz der verschiedenen Industrien, die auf Indium angewiesen sind“, sagt Volker Handke, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT). Die Solarindustrie, die ITO für Dünnschichtmodule verwendet, kann zwar auf aluminiumdotiertes Zinkoxid ausweichen, für Flachbildschirme, Displays und Leuchtdioden gibt es jedoch noch keine Alternativen zum Indium.

Anzeige
Anzeige

Ein möglicher Weg, um beim Indium die Situation zumindest für einige Jahre zu entschärfen und so für mehr Zeit für die Suche nach Alternativen zu sorgen, wäre ein effizienterer Umgang mit dem Material.

„Weniger als ein Drittel des Indiums, das jedes Jahr mit den verschiedenen Erzen gefördert wird, wird zurzeit auch tatsächlich extrahiert und raffiniert“, sagt Claire Mikolajczak, Bereichsleiterin Metalle und Chemikalien der US-amerikanischen Indium Corporation. „Ein Drittel ist in Schlacken oder Nebengesteinen zurückgeblieben, die von den Indium-Herstellern noch verwertet werden könnten. Und das letzte Drittel kommt bislang gar nicht erst bei diesen Raffinerien an.“

Noch viel ungenutztes Potenzial also – und das gilt für alle Etappen der Indiumverwertung. Denn auch bei der Verarbeitung zu LCD-Displays oder Dünnschichtsolarzellen wird Indium noch nicht optimal genutzt. „Mehr als 50 % Materialausbeute bekommt bei den verschiedenen Dünnschichtverfahren zurzeit niemand hin“, sagt Handke. Beim Sputtern von ITO-Schichten beispielsweise, ein hauptsächlich im LCD-Bereich eingesetztes Verfahren, liege die Materialausbeute nur bei mageren 3 %. Beim Sputtern in der Produktion von Dünnschichtsolarzellen auf Kupferindiumselenid-Basis (CIS-Zellen) würden 23 % erreicht.

Weiterer Spitzenreiter auf der Liste der sich verknappenden Metalle: Gallium. Die Situation ist ähnlich wie bei Indium. Gewonnen wird Gallium ebenfalls nur als Nebenprodukt, vor allem bei der Aluminium- und Zinkherstellung, verwendet wird es – weitgehend alternativlos – ebenfalls in den Bereichen Dünnschichtphotovoltaik, LED und LCD.

Angesichts der großen weltweiten Bauxitvorkommen – Basis für Aluminium – ist Gallium zwar physisch nicht knapp, aber da die Gewinnung an der Aluminiumnachfrage hängt und damit konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt ist, gilt die Versorgung trotzdem als problematisch.

Die Studie „Critical Metals“ des Freiburger Öko-Instituts, die 2009 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) veröffentlicht wurde, zeigt: Bei Gallium und Indium könnte es bereits in fünf Jahren Verknappungen geben, wenn die stürmische Nachfrage anhält. Für Lithium zeichnet sich eine solche Verknappung bereits wenige Jahre später ab, da der neue Fokus auf der Elektromobilität seitens der Automobilhersteller zu einer großen Nachfrage nach leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus führen wird.

Palladium und Platin sind ebenfalls betroffen: Die Erholung der globalen Automärkte treibt die Nachfrage nach den Edelmetallen, die vor allem im Automobilbau zur Katalysatorherstellung eingesetzt werden. Für weitere Nachfrage sorgen Medizintechnik und Schmuckindustrie.

Eine Nachfrage, die größer ist als das Angebot, bringt für die Hersteller noch ein weiteres Problem mit sich: steigende Preise. Nicht nur begrenzte Reserven oder konkurrierende Industrien sind der Auslöser. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat einen Ansturm auf Edelmetalle wie Platin, Gold und Silber ausgelöst, der angesichts der aktuellen Währungsturbulenzen weiter anhält. Da die meisten Anleger die Metalle nicht mehr nur in Form von Zertifikaten oder Futures im Depot haben wollen, sondern in physischer Form, bekommt die Industrie hier ungewohnte Konkurrenz. Ein kostenträchtiges Problem, immerhin enthält eine Tonne Han-dys rund 4 g Platin, 340 g Gold und 3500 g Silber.

Recycling gilt derzeit als Königsweg, um bei der Produktion von Mobiltelefonen der Verknappung etlicher Metalle auszuweichen, auch wenn das Zerlegen des Materialmix technisch komplex ist.

Die Studie des Öko-Instituts schlägt vor, die Ressourcen-Einbahnstraße zu einem Kreisverkehr umzubauen. Hierzu brauche es eine spezialisierte Industrie und ein engmaschiges Netzwerks zwischen Käufern und Verkäufern weltweit.

Auch in Deutschland gibt es inzwischen etliche Adressen, wo Mobilfunkkunden ihre alten Handys abgeben oder sogar verkaufen können. Eine Möglichkeit, um den Schatz in der Schublade doch noch zu heben. PETRA HANNEN



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige