LightCon auf der Hannover Messe 2022 17.05.2022, 15:31 Uhr

Leichtbau als Schlüsseltechnologie für die industrielle Transformation etablieren

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) engagiert sich beim neuen Leichtbaukongress LightCon in Hannover. Michael Kellner, parlamentarischer Staatssekretär, erklärt die Hintergründe.

Leichtbau wird im Rahmen der Hannover Messe zentrales Thema auf dem Lightweighting Summit sowie der parallel stattfindenen Konferenz LightCon sein. Foto: Deutsche Messe AG

Leichtbau wird im Rahmen der Hannover Messe zentrales Thema auf dem Lightweighting Summit sowie der parallel stattfindenen Konferenz LightCon sein.

Foto: Deutsche Messe AG

Herr Kellner, wieso engagiert sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beim Lightweighting Summit im Rahmen der Hannover Messe und bei der LightCon?

Michael Kellner: Der Leichtbau hat große Potenziale für die klimaneutrale Modernisierung der Industrie. Um die Transformation hin zur Klimaneutralität zu bewältigen, benötigen wir Technologien, die wirtschaftliches Wachstum mit einem deutlichen Rückgang von CO2-Emissionen verbinden. Leichtbautechnologien können hier eine Schlüsselrolle spielen: In der Herstellung wird weniger Material benötigt und später verbrauchen leichtere Autos, Flugzeuge oder Züge deutlich weniger Energie. So wird zweimal CO2 eingespart. Unser Ziel ist es daher, den Leichtbau in die breite industrielle Anwendung zu bringen – und dazu tragen Veranstaltungen und Messen bei.

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LightCon: Konferenz für nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Wie bei der Energie ist Deutschland auch bei Rohstoffen auf Importe angewiesen. Welchen Beitrag kann der Leichtbau zur sicheren Rohstoffversorgung leisten?

Die Sicherung der Rohstoffversorgung ist eine große Herausforderung für die Industriepolitik. Wir sind bei zahlreichen wichtigen Rohstoffen stark von Importen aus einigen wenigen Ländern abhängig. Bis wir die Rohstoffquellen diversifizieren oder gar vollständig substituieren, ist es noch ein weiter Weg. Leichtbau kann hier helfen, die Abhängigkeit ein Stück weit zu verringern – denn weniger Material bedeutet auch weniger eingesetzte Primärrohstoffe.

Ebenso wichtig ist, dass Leichtbauprodukte Energie einsparen. Sie tragen dazu bei, die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu reduzieren oder erneuerbare Energien nicht zu verschwenden. Ein leichteres Auto verbraucht weniger Energie, sei es Benzin oder Strom.

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Foto: BMWK / Susanne Eriksson

Und schließlich gibt es auch eine globale Dimension: Der Earth Overshoot Day – also der Tag, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann – rückt im Kalender jedes Jahr weiter nach vorne. Diesen Trend müssen wir dringend aufhalten, nicht zuletzt, weil der ungebremste Ressourcenverbrauch unmittelbar mit dem Klimawandel zusammenhängt. Die dem Leichtbau zugrunde liegende Konstruktionsphilosophie – aus weniger mehr machen – ist hier richtungsweisend.

Faserverbundwerkstoffe sind Schlüsselmaterialien im Leichtbau. Allerdings fehlen dafür zum Teil noch tragfähige Recyclingrouten. Welche konkrete Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft bei Ihrer Bewertung künftiger Leichtbaulösungen?

Die Kreislaufwirtschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung für die industrielle Wertschöpfung – das gilt auch für den Leichtbau. Zentral ist, das Recycling von Anfang an mitzudenken und den gesamten Lebensweg eines Produkts zu betrachten. Das beginnt beim Produktdesign. Eine große Herausforderung ist, dass moderne Leichtbauprodukte häufig auf komplexen Materialien basieren, die beim Recycling und bei der Verwertung nach der Nutzung an ihre Grenzen geraten. Hier brauchen wir Lösungen, um geschlossene Kreisläufe herzustellen. Aus der Industrie gibt es bereits vielversprechende Ansätze, zum Beispiel digitale Lösungen oder den Einsatz nachhaltiger biobasierter Komponenten.

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Bereits 2020 wurde das Technologietransferprogramm Leichtbau (TTP LB) im Bundeswirtschaftsministerium auf den Weg gebracht. Welche Bedeutung hat es jetzt unter der neuen Leitung und was sind die wichtigsten Vorhaben in der kommenden Legislaturperiode mit Blick auf den Leichtbau?

Technologietransfer ist für unseren Industrie- und Innovationsstandort entscheidend und dabei hilft das Programm. Es ist eine echte Erfolgsgeschichte! Seit dem Start vor zwei Jahren haben wir über 500 Anträge für FuE-Projekte bewilligt. Besonders freut mich die Beteiligung vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen. Wir wollen das Programm in diesem Jahr inhaltlich novellieren und Themen wie Kreislaufwirtschaft und neue Werkstoffe verstärkt in den Blick nehmen. Ein weiteres zentrales Vorhaben ist die Leichtbaustrategie der Bundesregierung, die wir in diesem Jahr aufsetzen wollen. Wir möchten dabei noch stärker auf die Potenziale des Leichtbaus für Klimaschutz und Ressourceneffizienz fokussieren.

3. Lightweighting Summit

Unser Ziel ist, den Leichtbau als Schlüsseltechnologie für die industrielle Transformation zu etablieren. Die Chancen stehen gut: Wir befinden uns in einem globalen Wettlauf um die besten Lösungen zur Erreichung der Klimaneutralität. Dank der großen Innovationskraft unserer Wirtschaft und unserer exzellenten Forschung verfügen wir über beste Voraussetzungen, um uns hier an die Spitze des Feldes zu setzen. Wir werden das mit geeigneten Rahmenbedingungen für zukunftsweisende Technologien wie den Leichtbau unterstützen. (ciu)

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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