Einstieg in Industrie 4.0 31.03.2025, 15:30 Uhr

Digitale Zwillinge leicht gemacht: Fraunhofer IESE hebt Datenräume auf neues Level

Fraunhofer IESE zeigt auf der Hannover Messe 2025 den AAS Dataspace for Everybody – eine Lösung für Digitale Zwillinge und vernetzte Fertigung.

Demonstrator

Forschende des Fraunhofer IESE arbeiten am Dataspace for Everybody Demonstrator.

Foto: Fraunhofer IESE

Die Digitalisierung der Fertigungsindustrie schreitet weiter voran. Auf der Hannover Messe 2025 stellt das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE eine Lösung vor, mit der Unternehmen ihre Produktionsdaten einfach und sicher austauschen können: den AAS Dataspace for Everybody. Die Plattform hat eine neue Entwicklungsstufe erreicht und ist bereit für den produktiven Einsatz.

Digitale Zwillinge einfach umsetzen und teilen

Ein zentrales Element der Industrie 4.0 ist der Digitale Zwilling. Er bildet reale Objekte – etwa Maschinen oder Produkte – virtuell ab. So lassen sich Prozesse simulieren, optimieren und vorausschauend steuern. Damit ein solcher Zwilling seinen vollen Nutzen entfalten kann, müssen die Daten nicht nur im eigenen Unternehmen genutzt, sondern auch mit Partnern entlang der Lieferkette geteilt werden.

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Hier setzt der AAS Dataspace for Everybody an. Die Lösung basiert auf dem Konzept der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, kurz AAS), einem anerkannten Standard der Industrie 4.0. Sie ermöglicht es, Digitale Zwillinge innerhalb eines Unternehmens zu erstellen und strukturiert in Datenräumen zu veröffentlichen. Dabei richtet sich das System an Betriebe jeder Größe – vom kleinen Fertigungsbetrieb bis zum weltweit agierenden Industriekonzern.

Laut Fraunhofer IESE ist der Datenraum bereits bei 16 Unternehmen erfolgreich im Einsatz.

Von der Testphase zum realen Betrieb

Ein großer Vorteil der Lösung ist der schrittweise Einstieg. Unternehmen können den Datenraum zunächst in einer Prototypumgebung testen. Hier sammeln sie erste Erfahrungen mit Digitalen Zwillingen und der Datenintegration, ohne sofort in bestehende Systeme eingreifen zu müssen.

Wer sich nach der Testphase für den produktiven Einsatz entscheidet, kann auf eine Umgebung mit vertraglich geregelter Leistung umsteigen. Diese sogenannte Produktivumgebung wird durch Partnerunternehmen des Fraunhofer IESE betrieben und bietet garantierte Verfügbarkeit sowie technische Unterstützung. Zu diesen Partnern zählen unter anderem NetApp Deutschland, Computacenter, Credativ und Congatec.

Sichere Daten – flexibel gespeichert

Unternehmen haben beim AAS Dataspace for Everybody die Wahl: Die Digitalen Zwillinge können entweder im eigenen Rechenzentrum gespeichert werden – was eine hohe Datensouveränität garantiert – oder über den zentralen Datenraum gehostet werden. Für Letzteres stellt das Fraunhofer IESE gemeinsam mit seinen Partnern skalierbare und hochverfügbare IT-Komponenten bereit.

„Ich freue mich sehr, dass unser Datenraum bereits die nächste Entwicklungsstufe erreicht hat“, sagt Dr. Thomas Kuhn, Hauptabteilungsleiter für Eingebettete Systeme am Fraunhofer IESE. „Die Service Level Agreements mit unseren Partnern schaffen die notwendige Grundlage, damit der AAS Dataspace for Everybody zuverlässig in der Fertigung eingesetzt werden kann.“

Live auf der Hannover Messe: vier Anwendungsszenarien

Am Stand der Fraunhofer-Gesellschaft (Halle 2, Stand B24) zeigt das IESE vier konkrete Anwendungsfälle. Ziel ist es, die Einsatzmöglichkeiten des Datenraums praxisnah zu veranschaulichen.

Ein Szenario demonstriert, wie Produktionsdaten über Systemgrenzen hinweg geteilt werden können – etwa zum aktuellen Fertigungsstand oder zur Einhaltung von Lieferterminen. Die Daten werden automatisch gesammelt und helfen, Prozesse besser zu steuern.

Ein weiteres Beispiel ist die Fernwartung von Maschinen. In automatisierten Produktionsstätten – sogenannten „Lights Out Factories“ – kann bei Störungen ein externer Dienstleister per Fernzugriff eingreifen. Der Operator-as-a-Service (OaaS) wird dabei über den Datenraum angebunden. Das Fraunhofer IESE zeigt diesen Anwendungsfall live, verbunden mit einer Demofabrik der Forschungsstiftung Vicomtech in Spanien.

Zudem demonstriert das Institut die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks über die gesamte Lieferkette hinweg. Dies hilft Unternehmen, ihre Klimaziele besser im Blick zu behalten. Ergänzt wird dies durch die Erstellung Digitaler Produktpässe, die Informationen zur Nachhaltigkeit und Herkunft eines Produkts transparent dokumentieren.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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