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Marktstudie 07.02.2024, 17:00 Uhr

Deutsche Logistikbranche steckt im Innovations- und Digitalisierungsstau

Wie ist der Stand der Digitalisierung in der deutschen Transport- und Logistikindustrie? Dieser Frage ist eine Studie im Auftrag von HERE Technologies nachgegangen und hat Logistikprofis nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und UK befragt.

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Wie ist der Stand der Digitalisierung in der deutschen Transport- und Logistikindustrie? Dieser Frage ist eine Studie im Auftrag von HERE Technologies nachgagangen und hat Logistikprofis nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und UK befragt. Ergebnis: Es herrscht Nachholbedarf und die Erkenntnisse rund um das Thema Nachhaltigkeit beinhalten Überraschendes.

Foto: PantherMedia / Kheng Ho Toh

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Bei der Digitalisierung herrscht in der deutschen Logistikbranche noch erhebliches Ausbaupotenzial. Sie stecke „bestenfalls in den Kinderschuhen“, wie eine im Auftrag von HERE Technologies erstellte Studie unter 300 Logistikprofis in Deutschland – in Teilen mit Amazon Web Services entwickelt – feststellt. Diese Befragung wurde im Januar 2024 in Deutschland, aber auch in den USA und im Vereinigten Königreich durchgeführt. Dabei gaben 59 % der Befragten an, ortsbezogene Daten vor allem für das Echtzeit-Tracking oder die Routenoptimierung (44 %) einzusetzen. Gerade einmal die Hälfte aller Studienteilnehmer schätzte in Sachen Echtzeit-Transparenz den Fortschritt ihres Unternehmens als durchschnittlich ein. Lediglich 8 % sahen das eigene Unternehmen als Vorreiter.

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Digitalisierungsstau: Fokus auf Nachhaltigkeit kaum vorhanden

Fest steht, dass gerade der Transportbranche der Einsatz datengetriebener Technologien bei einem ihrer größten Probleme, dem CO2-Ausstoß, helfen könnte. Die Realität jedoch ist ernüchternd: Laut Studienergebnis haben 66 % der befragten Unternehmen momentan für den Transport keine Nachhaltigkeitsstrategie etabliert. Kaum anders stellt sich die Situation im Vereinigten Königreich (60 %) oder in den USA (55 %) dar.

 Für gerade einmal 10 % der befragten deutschen Unternehmensvertreter ist es ein Hauptziel, Nachhaltigkeit zu verbessern. Im Gegenzug geben 28 % der Befragten an, dass Nachhaltigkeit die niedrigste Priorität hat sowohl in ihrer Planung wie auch im End-to-End-Supply-Chain-Management. Eine höhere Kundenzufriedenheit oder eine optimierte Routenplanung stehen stattdessen im Fokus. Insbesondere von diesen Ergebnisse sind die Macher der Studie überrascht. Schließlich sei das Thema Nachhaltigkeit fest im öffentlichen Bewusstsein verankert und Verbrauchererwartungen ebenso wie regulatorische Vorschriften setzten Unternehmen unter Druck, nachhaltiger zu handeln. Als wichtiger Ansatzpunkt gilt der Gütertransport als großer Verursacher von Treibhausgasen.

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Prioritäten setzen beim Einsatz digitaler Technologien

 Für die Logistikerinnen und Logistiker in Deutschland ist die Transparenz das wichtigste Thema, wenn sie über den Einsatz ortsbezogener Daten und Technologie nachdenken. Die Studie zeigt bei der Betrachtung der einzelnen Transportmodi, dass die Unternehmen beim Lkw-Transport über die höchste Transparenz verfügen. Dies bestätigen 48 % der befragten Unternehmensvertreter*Innen. Geht es um Transporte auf der letzten Meile, dann sind immer noch 22 % der Unternehmen der Ansicht, über eine sehr gute Transparenz zu verfügen.

 Beim Einsatz von Digitalisierung verlässt sich die Branche auf am Markt etablierte Technologien und Lösungen. Tools für die Optimierung von Routen oder aber das Tracking von Lkw-Lieferungen sind bereits seit längerem im Einsatz. Diese Methoden haben sich inzwischen durchgesetzt, da sie dem Nutzer einen greifbaren Mehrwert liefern. Diese Lösungen basieren auf vorhandene ortsbezogene Daten der Verlader und Versender, stellen allerdings lediglich einen sehr kleinen Teil dar, was am Markt verfügbar und auch technologisch möglich ist.

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Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ist rückständig

Als eher zurückhaltend zeigen sich deutsche Logistikerinnen und Logistiker beim Einsatz neuer Technologien: Lediglich 41 % geben an, dass sie im Supply-Chain-Betrieb Datenanalysen einsetzen. Parallel dazu sagen 36 % der Befragten, keine künstliche Intelligenz einzusetzen. Laut Umfrageergebnis sind es gerade einmal 9 %, die sowohl Datenanalysen nutzen wie auch künstliche Intelligenz für Echtzeit-Tracking und Predictive Maintentance in der Lieferkette.

 Dies hat die Studienmacher überrascht vor dem Hintergrund, dass Deutschland den zweiten Platz im Logistics Performance Index 2023 der Weltbank belegte. Ebenfalls erstaunlich sei, dass Unternehmen in Zeiten anfälliger Lieferketten und Fachkräftemangel als Lösungsansatz nicht auf Digitalisierung setzen und den hohen Wert erkennen, den die eigenen Daten liefern.

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Digitalisierung leidet unter Investitionsstau 

Offen ist die Frage, warum die Adaption der neuen Technologien in der Transportbranche sehr zögerlich verläuft. Die Macher der Studie sehen ein ungünstiges Investitionsklima als Antwort auf diese Frage: Immerhin gaben 31 % der Befragten an, dass die Kosten für den Einsatz neuer Technologien die größte Hürde darstellen. Und 13 % sagen, dass ihnen interne Ressourcen oder das Wissen für einen Transformationsprozess fehlen. Viele befürchten aber auch, dass ihre bestehenden Prozesse durch den Einsatz neuer Technologien gestört werden könnten. „Einerseits zeigt die Studie den Fortschritt, den Unternehmen beim Erhöhen der Lieferkettentransparenz machen. Andererseits wird klar, dass die Branche aktuell nicht über die kontextualisierten Daten, KI-Kompetenzen und Tools verfügt, um Flottenauslastung, Routing und im Bedarfsfall den Wechsel von Transportmodi zu optimieren“, beschreibt Remco Timmer, Vice President of Product Management bei HERE Technologies, und ergänzt: „Wir sehen daher eine steigende Nachfrage nach ortsbezogenen Daten und Services, mit denen Logistikunternehmen Störungen in Echtzeit beheben können und gleichzeitig Treibhausgasemissionen verringern sowie die Sicherheit der Mitarbeiter:innen verbessern können.“

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 Eckdaten zur Studie

Die Umfrage hat YouGov im Januar 2024 unter je 300 Logistikprofis in Deutschland, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich durchgeführt. Sie betrachtet diverse Trends in der Transport- und Logistikbranche, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, Lieferkettentransparenz, den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Datenanalysetechnologien sowie die Hürden bei der Implementierung dieser Technologien. Sie hat das Ziel, Unternehmen in der Branche als Leitfaden zu den Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung in der Logistik zu dienen. Die gesamte Studie ist einsehbar unter: https://www.here.com/solutions/supply-chain/2024-logistics-tech-trends

Von RMW