Brandwetter in Zentralspanien heute mindestens 20-mal wahrscheinlicher
Die spanische Regierung hat am 23. Juli angesichts der Schwere und des gleichzeitigen Ausbruchs großer Waldbrände im ganzen Land den nationalen Notstand ausgerufen.
Foto: Europäische Union, Copernicus Sentinel-2- und Copernicus Sentinel-3-Bilder
Der menschengemachte Klimawandel hat die meteorologischen Bedingungen verschärft, unter denen sich die schweren Waldbrände in Südwestfrankreich und Spanien ausbreiteten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Attributionsstudie des Forschungsverbunds World Weather Attribution, kurz WWA. Untersucht wurden Gironde und Landes in Südwestfrankreich sowie Toledo, Ávila, Madrid und Guadalajara in Zentralspanien.
Die Forschenden analysierten in Ihrem Bericht nicht die Ursachen einzelner Brände oder die Größe der verbrannten Flächen. Sie untersuchten auch, wie sich die Erderwärmung auf mehrtägige Brandwetterlagen ausgewirkt hat. Gemeint sind Kombinationen aus Hitze, geringer Luftfeuchte, Wind und ausgetrockneter Vegetation, die eine schnelle Ausbreitung von Feuern begünstigen und deren Bekämpfung erschweren.
Deutlich höhere Wahrscheinlichkeit
In Südwestfrankreich entspricht die im Juli beobachtete Intensität unter heutigen Klimabedingungen einem Ereignis, das im statistischen Mittel einmal in 22 Jahren auftritt. In Zentralspanien ist ein vergleichbares Niveau inzwischen etwa einmal in sechs Jahren zu erwarten.
Der Vergleich mit einer um 1,4 °C kühleren, vorindustriellen Welt zeigt einen deutlichen Einfluss der menschengemachten Erwärmung. In Südwestfrankreich hat die Intensität der untersuchten siebentägigen Brandwetterlage den Berechnungen zufolge um rund 46 Prozent zugenommen. Bedingungen dieser Stärke sind dort heute mindestens doppelt so wahrscheinlich wie ohne den anthropogenen Klimawandel. In Zentralspanien stieg die Intensität um rund 42 % . Ein Ereignis der beobachteten Stärke ist dort heute mindestens 20-mal wahrscheinlicher als im vorindustriellen Klima und mindestens dreimal wahrscheinlicher als noch im Jahr 2000.
Die Unsicherheiten der statistischen Auswertung sind erheblich. Insbesondere für Südwestfrankreich bildet das verwendete Modell die Verteilung der Extremwerte nur eingeschränkt ab. Das Forschungsteam wertet die angegebene Zunahme der Wahrscheinlichkeit deshalb als konservative Untergrenze. Für Zentralspanien ist die statistische Anpassung nach Einschätzung der Forschenden robuster.
Index misst die Schwere des Brandwetters
Als Maß für die meteorologische Brandgefahr verwendete das Team den Daily Severity Rating, kurz DSR. Dieser wird aus dem Canadian Fire Weather Index abgeleitet und gewichtet besonders hohe Indexwerte überproportional. Untersucht wurde jeweils das jährliche Maximum der über sieben Tage kumulierten DSR-Werte. Die Analyse bezeichnet diese Kenngröße als DSR7x.
Der zugrunde liegende Fire Weather Index berücksichtigt längerfristige Niederschlags- und Verdunstungsbedingungen, die Feuchte verschiedener Brennstoffklassen sowie Temperatur, Luftfeuchte und Wind. Der daraus abgeleitete DSR beschreibt, wie schwierig ein Feuer nach einer erfolgreichen Entzündung zu unterdrücken ist. Die Analyse verwendete Beobachtungsdaten und statistische Trendmodelle, jedoch keine Klimamodellsimulationen.
Viel Biomasse trocknet schnell aus
Entscheidend war in beiden Regionen das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Überdurchschnittliche Niederschläge im Winter erhöhten zunächst die Bodenfeuchte und begünstigten das Wachstum von Gräsern, Sträuchern und anderer Vegetation. Dadurch stand im Frühjahr mehr Biomasse zur Verfügung.
Anschließend folgten ein ungewöhnlich trockenes Frühjahr und mehrere Hitzewellen. Vor allem die Feuchte der obersten sieben Zentimeter des Bodens sank deutlich unter die langjährigen Mittelwerte. Zugleich erhöhte die Hitze den Verdunstungsbedarf der Atmosphäre. Feine Brennstoffe wie Gräser, Nadeln und kleine Zweige trockneten schnell aus. Die Trockenheit dürfte zudem den Wasserstress bei Sträuchern und Kiefern erhöht haben.
Diese Abfolge aus einer feuchten Wachstumsperiode und einer abrupten Austrocknung wird als „Weather Whiplash“ bezeichnet. Sie kann große Mengen zusätzlicher Vegetation zunächst wachsen und anschließend innerhalb kurzer Zeit zu leicht entzündlichem Brennstoff werden lassen.
Ein 2026 veröffentlichter, noch nicht abschließend begutachteter Preprint zur europäischen Brandsaison 2025 hatte eine ähnliche Entwicklung aus feuchtem Winter und außergewöhnlich trockenem Frühjahr bereits als wichtigen Treiber auf der Iberischen Halbinsel beschrieben.
Landnutzung erhöht das Risiko für Brand
Neben dem Wetter beeinflussen Vegetationsstruktur und Landnutzung das Ausmaß der Brandgefahr. In Südwestfrankreich umfassen die Landes de Gascogne mehr als 800 000 ha überwiegend intensiv bewirtschafteter Seekiefernbestände. Dichte und gleichförmige Bestände, trockene Nadelstreu und leicht entzündliche Pflanzenbestandteile können die Ausbreitung von Feuern begünstigen.
Hinzu kommen vertikal angeordnete Brennstoffe, die Boden- und Kronenbereich miteinander verbinden. Über solche sogenannten ladder fuels können Flammen vom Unterwuchs in die Baumkronen gelangen. Eine stärkere Beimischung weniger brennbarer Laubbaumarten könnte das Risiko verringern, wird nach Darstellung der Analyse wegen geringerer forstwirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Rentabilität bislang jedoch nur begrenzt umgesetzt.
In Teilen Spaniens erhöht die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen die zusammenhängende Vegetations- und Brennstoffmenge. Als Gegenmaßnahmen nennt die Analyse kontrollierte Feuer, die Durchforstung dichter Bestände und den Umbau hin zu weniger leicht entzündlichen Baumarten.
WWA weist auf Forschungsergebnisse hin, wonach Veränderungen von Landnutzung und Landbedeckung das Brandrisiko in Europa schneller erhöht haben als die Investitionen in Prävention und Bekämpfung. Das gilt nicht als spezifischer Nachweis für die untersuchten Brände, beschreibt aber einen längerfristigen strukturellen Risikofaktor.
Auch die wachsende Besiedlung brandgefährdeter Übergangszonen zwischen Wäldern und Siedlungen verschärft die möglichen Folgen. Für Katalonien weist eine von WWA herangezogene Studie zwischen 1992 und 2021 einen Anstieg der menschlichen Exposition je verbrannter Fläche um 42 bis 138 Prozent aus. Bis zu 79 %dieses Zuwachses werden auf Bevölkerungsverschiebungen und Änderungen der Landnutzung zurückgeführt.
Rauch belastet Menschen weit entfernt
Die Folgen reichten bei dem Brand weit über die unmittelbar verbrannten Flächen hinaus. In Bordeaux erreichte die mittlere PM2,5-Belastung am 26. Juli 115 µg/m³. Am 24. Juli wurden stündliche Spitzenwerte von 341 µg/m³ gemessen. Extrem schlechte Luftqualität trat noch bis zu 400 km in Windrichtung auf. Frankreich gab in der betroffenen Region bei großräumiger Außenluftverschmutzung erstmals Bestände der strategischen nationalen FFP2-Reserve für lokale Apotheken frei. In Spanien führten hohe Feinstaubkonzentrationen in mehreren Gemeinden zu mehrtägigen Aufenthaltsbeschränkungen. Waldbrandrauch kann Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschärfen. In Verbindung mit extremer Hitze steigt die gesundheitliche Belastung zusätzlich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Schwangere, Kleinkinder, Vorerkrankte und Personen, die im Freien arbeiten.
Prävention stößt an Grenzen
Seit 1950 ist die Zahl extremer Brandwettertage in besonders betroffenen Teilen Portugals, Spaniens und Frankreichs regional um bis zu fünf Tage je Jahrzehnt gestiegen. Gleichzeitig verlängert sich die Brandsaison. Extreme Bedingungen treten zudem häufiger gleichzeitig in mehreren Regionen Europas auf. Dadurch steigt das Risiko, dass nationale Löschkapazitäten und der EU-Katastrophenschutzmechanismus parallel stark beansprucht werden.
Trotz verschärfter Brandwetterlagen ist die durchschnittlich verbrannte Fläche in Teilen Südeuropas in vergangenen Jahrzehnten zeitweise zurückgegangen. Als Gründe nennt die Analyse Verbesserungen bei Prävention, Früherkennung und Brandbekämpfung. Einzelne Großbrände können diese Kapazitäten bei extremen Wetterbedingungen dennoch überfordern.
Der Analyse zufolge müssen technische Brandbekämpfung und grenzüberschreitende Koordination deshalb durch stärkere Vorsorge ergänzt werden. Dazu gehören eine risikosensible Raumplanung, eine Begrenzung der Bebauung in besonders exponierten Gebieten, vielfältigere Waldstrukturen und ein aktives Management der Brennstoffmengen.
Anpassungsmaßnahmen können die Schäden begrenzen, stoßen bei fortschreitender Erwärmung jedoch zunehmend an Grenzen. Das Forschungsteam hält deshalb neben lokaler Vorsorge eine rasche Verringerung der Treibhausgasemissionen und den Übergang weg von fossilen Energieträgern für erforderlich.




