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Von verwundbar zu unangreifbar: Energieinfrastruktur strukturell neu gestalten

16. Januar 2026

Ein Großteil der heutigen Stromversorgungsarchitektur, insbesondere Erzeugungs- und Verteilanlagen, stammt noch aus dem letzten Jahrhundert. Vor rund 20 Jahren spielte der bauliche Schutz vor Anschlägen oder anderen Einwirkungen kaum eine Rolle – schlicht, weil die Bedrohungslage nicht als dringlich wahrgenommen wurde. Der Terrorismus der 1970er-Jahre konzentrierte sich auf andere Ziele.
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Ein Großteil der heutigen Stromversorgungsarchitektur, insbesondere Erzeugungs- und Verteilanlagen, stammt noch aus dem letzten Jahrhundert. Vor rund 20 Jahren spielte der bauliche Schutz vor Anschlägen oder anderen Einwirkungen kaum eine Rolle – schlicht, weil die Bedrohungslage nicht als dringlich wahrgenommen wurde. Der Terrorismus der 1970er-Jahre konzentrierte sich auf andere Ziele.

Schutz der Stromversorgungsinfrastruktur – Herausforderungen und Lösungsansätze

Die zentrale Stromerzeugung in großen Kraftwerken und die oberirdische Verteilung über Hochspannungsleitungen galten lange als kostengünstige und zuverlässige Lösung, auch in Ballungsräumen. Naturereignisse wie die wetterbedingten Stromausfälle im Münsterland blieben selten, die Versorgungssicherheit war selbst ohne umfangreiche Redundanzen hoch. Mit dem Ukrainekrieg und zunehmenden Formen asymmetrischer Kriegsführung – auch außerhalb klassischer Kriegsgebiete – stellt sich die Frage: Wie lässt sich die Energieversorgung wirksam schützen? Naheliegend erscheint zunächst ein aktiver Schutz der Anlagen, etwa durch bauliche Maßnahmen, Videoüberwachung und verstärkten Personaleinsatz. Doch ist das realistisch?

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Warum aktiver Schutz kaum umsetzbar ist

  • Hoher Aufwand: Der Schutz von Weihnachtsmärkten zeigt, wie groß der organisatorische und finanzielle Aufwand für Sicherheitsmaßnahmen ist. Viele Märkte wurden aus Kostengründen abgesagt – und diese sind zeitlich und räumlich begrenzt. Der Schutz der weit verzweigten Energieinfrastruktur wäre ungleich aufwendiger.
  • Unzählige potenzielle Ziele: Stromtrassen verlaufen über Felder, durch Buschwerk oder Brachen. Umspannstationen sind meist nur durch Zäune gesichert. Selbst eine Videoüberwachung – auch mit Künstlicher Intelligenz (KI) – kann Anschläge nicht verhindern. Wenn eine Kabelbrücke wie in Berlin stark geschützt wäre, würden Angreifer andere, weniger gesicherte Ziele wählen.
  • Geheimhaltung ist keine Lösung: Stromversorgungsanlagen sind öffentlich sichtbar. Unterirdische Leitungen müssen aus Sicherheitsgründen gekennzeichnet sein. Vollständige Geheimhaltung ist daher unmöglich.
  • Personalmangel und Kosten: Moderne Kraftwerke arbeiten mit minimalem Personal. Zusätzliche Wachkräfte würden die ohnehin hohen Kosten weiter steigern. Polizeischutz ist aufgrund begrenzter Kapazitäten nur punktuell möglich.
  • Ausweitung des Schutzbedarfs: Wenn konventionelle Kraftwerke geschützt würden, müssten auch Wind- und Solarparks einbezogen werden. Der Aufwand wäre enorm.

Fazit: Ein flächendeckender, konventioneller Schutz ist theoretisch möglich, aber aufgrund der Vielzahl der Anlagen, ihrer Lage und der erforderlichen Mittel praktisch unrealistisch.

Ein struktureller Ansatz: Dezentralisierung und Neubau

Die Lösung liegt in der strukturellen Gestaltung der zukünftigen Stromversorgungsinfrastruktur. Beim in den nächsten zehn Jahren ohnehin notwendigen Neubau sollte der Schutz vor Angriffen eine höhere Priorität erhalten.

Unter der Voraussetzung, dass Klimaschutz und bezahlbare Energie weiterhin zentrale Ziele sind, bieten Kraft-Wärme-Kopplungs (KWK)-Anlagen die beste Option. Anstatt weniger großer KWK-Anlagen – wie sie etwa in Berlin und in vielen anderen Städten existieren – sollte auf viele kleinere Anlagen gesetzt werden. Das bringt mehrere Vorteile:

  • Höhere Effizienz: Geringere Wärmeverluste durch kürzere Leitungen.
  • Kostenvorteile: Wirtschaftlich sinnvoller Betrieb, Zeiten hoher Stromnachfrage fallen mit Zeiten hoher Wärmenachfrage zusammen – und die Anlagen selbst sind sehr günstig herzustellen und schnell bereitzustellen (industrielle Massenfertigung).
  • Geringere Angreifbarkeit: Die Dezentralisierung reduziert die Attraktivität als Anschlagsziel. Der Ausfall einer einzelnen Anlage hat keine signifikante Auswirkung auf die Versorgungssicherheit.

Eine Nahwärmeversorgung mit Anlagen um 200 kW, ergänzt durch größere Einheiten von 2 bis 10 MW, ist in nahezu jeder Siedlung realisierbar. Die Versorgungsleitungen sind unterirdisch und leicht zu überwachen. Zudem befinden sich diese Anlagen in belebten Gebieten mit vorhandener Polizeipräsenz.

Das entscheidende Argument: Solche dezentralen Strukturen sind nicht nur effizient und klimafreundlich, sondern auch strukturell sicher. Ein einzelner Ausfall beeinträchtigt das Gesamtsystem kaum.

Zusammenfassung

Die Stromversorgung basiert weitgehend auf veralteten, zentralisierten Strukturen, die ursprünglich nicht auf gezielte Angriffe ausgelegt waren. Angesichts neuer Bedrohungen ist ein flächendeckender, aktiver Schutz jedoch wegen Kosten, Personalbedarf und der Vielzahl offener Angriffsziele unrealistisch. Stattdessen sollte beim anstehenden Neubau der Infrastruktur der strukturelle Schutz priorisiert werden. Besonders eine dezentrale Energieerzeugung mit vielen kleinen KWK-Anlagen erhöht die Versorgungssicherheit deutlich, senkt Kosten und macht das System durch geringe Auswirkungen einzelner Ausfälle weitgehend unangreifbar.



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