Sachverständigenverein warnt 12.08.2021, 15:49 Uhr

Zahl der Legionellen-Erkrankungen deutlich gestiegen

Droht Deutschland eine neue Erkrankungswelle? Im Juli meldete das Robert Koch-Institut überproportional viele Legionelleninfektionen. Schuld daran könnte der Lockdown sein.

Foto: panthermedia.net/ vchalup2

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„Seit einiger Zeit erreichen uns vermehrt Nachrichten über auffällige Häufungen von Legionellen-Erkrankungen“, berichtet Alexandra Bürschgens vom deutschen Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene (DVQST e. V.). Für den Zeitraum vom 05. bis 31. Juli verzeichnete das RKI insgesamt 313 Krankheitsfälle, das sind 78,25 pro Woche. Zum Vergleich: 2020 wurden von den Berlinern pro Woche durchschnittlich 31,2 Erkrankungen dokumentiert. Der DVQST ist alarmiert. Wie auch das Robert Koch-Institut hatten die Experten in der Vergangenheit immer wieder vor den möglichen Gefahren einer durch die Corona-Pandemie indirekt begünstigten Verbreitung von „Legionella pneumophila“ gewarnt. Die zuständigen Behörden konnten die Verursacher bisher nicht eindeutig identifizieren, auffällig sei jedoch die zeitliche Korrelation mit der Aufhebung des Lockdowns, so der DVQST. Aufgrund der langen Stillstandszeiten sei in vielen Trinkwasser-Installationen zu wenig Wasser ausgetauscht worden, was krankheitserregenden Keimen hervorragende Lebens- und Vermehrungsbedingungen biete.

Wie gefährlich ist eine Legionellen-Erkrankung?

Legionellen vermehren sich ausschließlich in Wasser und besonders gut in Temperaturbereichen zwischen 20 und 50 Grad Celsius. Diese „Wohlfühl“-Temperaturen finden sich besonders in Trinkwasser-Installationen von Gebäuden. Dort gelangen die gefährlichen Keime durch Vernebelung beispielsweise aus Duschen in die Lunge und können eine lebensgefährliche Lungenentzündung verursachen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich. Ein möglicher Grund für das derzeit gehäufte Auftreten von Legionellosen: Während des Corona-Lockdowns sowie in den üblichen saisonalen Pausenzeiten hatten die Legionellen in den vielen stillgelegten Ferienwohnungen, Sportanlagen, Büro- und Industriegebäuden, Hotels und ähnlichen Beherbergungsstätten sehr viel Zeit, sich in den Wasserleitungen auszubreiten und festzusetzen. Auch die sommerlichen Temperaturen trügen ihren Teil dazu bei, indem sie das kalte Wasser in Gebäuden auf zu hohe Wärmegrade treiben, so der DVQST. Mit der Wiedereröffnung vieler öffentlicher und gewerblicher Gebäude können diese Bakterien in das Duschwasser gelangen – und dadurch in die Lungen der Benutzer. Wer hierbei auch noch gesundheitlich angeschlagen oder immunsupprimiert ist, kann sich mit den Bakterien infizieren und schnell erkranken. Besonders gefährdet sind ältere und geschwächte Menschen, aber auch Sportler nach schweißtreibendem Training stellen eine Risikogruppe dar.

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Legionellen verursachen in schweren Fällen eine möglicherweise lebensgefährliche Lungenentzündung, in leichteren Fällen machen sie sich nur durch grippeähnliche Symptome, das sogenannte „Pontiac-Fieber“, bemerkbar. Bei diagnostizierten Lungenentzündungen werden selten genauere Untersuchungen durchgeführt. Daher rät der DVQST Betroffenen, insbesondere wenn sie sich in den 10 bis 14 Tagen vor Ausbruch der Erkrankung in einer vorher stillgelegten (Ferien-)Anlage aufgehalten haben, ihren Arzt auf eine Legionellen-Untersuchung anzusprechen.

Wie kann ich mich als Verbraucher vor einem Legionellenbefall schützen?

Wer als Gast, Sportler oder Mitarbeiter eine stillgestandene Trinkwasser-Anlage benutzt, sollte vorher an den für ihn erreichbaren Entnahmestellen (Waschbecken, Dusche, Badewanne, Küche) zuerst Warmwasser, dann Kaltwasser für längere Zeit (etwa zwei bis fünf Minuten) auslaufen lassen. Das warme Wasser sollte dabei spürbar heiß sein, das heißt an jeder Armatur eine Mindesttemperatur von 50 bis 55 Grad Celsius erreichen. Die Temperatur im kalten Wasser sollte merklich kühl sein (maximal 20 bis 25 Grad Celsius). Bewegen sich die Wassertemperaturen über längere Zeit in dem kritischen Bereich zwischen 25 und 50 Grad Celsius, besteht die Gefahr einer Verkeimung und das Risiko eines Legionellenbefalls in der Trinkwasser-Installation steigt. In diesem Fall sollte schnellstmöglich der für das Gebäude Verantwortliche (Vermieter, Sportverein usw.) über diesen Mangel informiert werden, rät der DVQST.

Sicher vor Legionellen – was müssen Gebäudebetreiber beachten?

Verantwortliche beziehungsweise Betreiber von Gebäuden sollten vor der Wieder-Inbetriebnahme sowie nach längeren Stillstandszeiten zumindest eine gründliche Spülung der Leitungen vornehmen, indem alle Armaturen geöffnet werden und man für längere Zeit (mehrere Minuten) erst das warme Wasser, danach das kalte Wasser abfließen lässt. Auch hierbei sind die vorgeschriebenen Temperaturen zu beachten. Idealerweise sollte er vor der Wiederinbetriebnahme der Trinkwasser-Installation eine Inspektion und erforderliche Reparaturen durch einen Fachmann durchführen lassen. Es wird empfohlen, vor der Wiederinbetriebnahme eine Trinkwasseruntersuchung auf Legionellen durch ein akkreditiertes Labor durchführen zu lassen. Die VDI-Expertenempfehlung VDI/DVQST-EE 3810 Blatt 2.1 liefert dem Fachmann wichtige und verständliche Informationen über eine sinnvolle Vorgehensweise und zu beachtende Aspekte bei Außer-und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen.

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Von DVQST / Marc Daniel Schmelzer