Transformation 22.12.2021, 15:41 Uhr

Nutzungsorientierte Digitalanwendungen in der Baubranche

Die Digitalisierung der Bauindustrie schreitet zwar voran, doch bei der Umsetzung gibt es noch viel Verbesserungspotenzial.

Bei der digitalen Transformation der Bauindustrie muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Foto: Unsplash / Scott Blake

Bei der digitalen Transformation der Bauindustrie muss der Mensch im Mittelpunkt stehen.

Foto: Unsplash / Scott Blake

Obwohl der Mehrwert der Digitalisierung klar ersichtlich ist und besonders für nachhaltiges Bauen in Zukunft unabdingbar sein wird, bestehen nach wie vor viele Vorbehalte. Ein zentraler Aspekt bei der digitalen Transformation ist der Mensch und seine Rolle als Nutzer. Gerade in der Bauindustrie sollten der Benutzerfreundlichkeit und nutzungsorientierten Herangehensweise eine zentrale Bedeutung bei digitalen Lösungen zukommen. Dieser Fokus ist wichtig, wenn es darum geht, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und auf die Anforderungen der jüngeren Generation einzugehen.

Digitalisierung muss verständlich sein

Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel und die Überalterung in der Bauindustrie wird es immer wichtiger, eine anwenderbezogene Digitalisierung als Erfolgsfaktor zu nutzen. Digitalisierungsprojekte müssen dafür jedoch verständlich vermittelt werden, etwa indem man den Gebrauch von komplizierten Fachbegriffen und Fremdworten vermeidet und leicht verständliche Sprache nutzt.

Beispiel Künstliche Intelligenz (KI): Das Themenfeld ist für sich genommen bereits sehr groß und nur schwer greifbar, und so stellt sich besonders in der Bauindustrie die Frage, was mit KI überhaupt genau gemeint ist. Für die Branche empfiehlt es sich daher, zunächst den konkreten Nutzen hinter dem Begriff zu beschreiben, also beispielsweise die konkreten Arbeitserleichterungen, die sich dank KI-Methoden etwa in der Bauplanung ergeben können. KI kann zum Beispiel bei der Foto- oder Datenmustererkennung unterstützen. Hierfür ist es zunächst zweitrangig zu verstehen, welche Technologie dabei genau dahintersteht.

Normalität bewahren

Unternehmen in der Bauindustrie sollten sich bei all den neuen Schlagworten im Zusammenhang mit der Digitalisierung bewusst eine gewisse Normalität im Umgang mit den damit verbundenen Entwicklungen und Trends bewahren. Das kann auch bedeuten, alle in diesem Zusammenhang benutzen Begriffe in deutscher Sprache zu halten und ganz bewusst auf Fremdwörter, komplexe Fachbegriffe oder irritierende Bezeichnungen zu verzichten.

So ließe sich zum Beispiel der eher negativ behaftete Begriff Drohne kurzerhand als fliegendes Vermessungswerkzeug bezeichnen, das mit Luftbildern die Bauplanung unterstützen kann. Damit wird der konkrete Nutzen dieses Flugobjektes leicht erkennbar.

Digitale Transformation mit Blick auf den Menschen

Ein zentraler Ansatz, um die digitale Transformation in der Branche voranzubringen, kann darüber hinaus eine Kommunikation auf Augenhöhe sein, gerade zwischen der erfahreneren und der jüngeren Generation mit ihrer höheren digitalen Affinität. Dazu gehört auch ein Verständnis für das Neue und eine kooperative Kultur, bei der Nutzerinnen und Nutzer im Mittelpunkt stehen. Diese kooperative Kultur wiederum kann dazu beitragen, Verunsicherungen bei der Nutzung neuer digitaler Lösungen entgegenzuwirken.

Das Konzept der nutzungsorientierten Gestaltung von digitalen Anwendungen birgt insbesondere für Unternehmen in der Baubranche viele Chancen. Es kann sich jedoch nur entfalten, wenn die Ansprüche und Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch tatsächlich in den Mittelpunkt gestellt werden.

Nutzungsorientierte Entwicklung von digitalen Lösungen

An Neuerungen interessierte Unternehmen können sich so gezielt eine nutzungsorientierte Entwicklung von digitalen Lösungen zunutze machen. Haben ihre Angestellten auf der Baustelle zum Beispiel keinen festen Arbeitsplatz, ergibt es wenig Sinn, ihnen eine Software anzubieten, die nur auf dem Desktop funktioniert. Aus diesem Grund ist das ihr Feedback schon zu Beginn des Entwicklungsprozesses entscheidend, auch damit sie sich von Anfang an verstanden fühlen.

Diese Herangehensweise kann gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die entweder über keine oder nur geringe Mittel für Forschung und Entwicklung verfügen, sehr lohnend sein. Um die digitale Transformation voranzubringen, können Unternehmen also gezielt das Wissen ihrer eigenen Angestellten nutzen, indem sie regelmäßiges Feedback einfordern und den Wissensaustausch im Dialog anregen.

Traditionen überdenken und mehr Transparenz wagen

Die sich hier bietenden Möglichkeiten können dabei gezielt mit dem Feedback der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterlegt werden, um so den Blick auf die wirklich drängenden Veränderungen zu erhalten. Ziel sollte es sein, alle Betroffenen zu ermutigen, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen zu äußern, um die digitale Transformation effektiv und vor allem nutzungsorientiert vorantreiben zu können.

Hierfür ist es aber dringend nötig, dass Unternehmen in der Bauindustrie ihre eigenen Traditionen und Denkmuster hinterfragen und sich auch nicht davor scheuen, diese zu durchbrechen. Unterstützt werden sollte dieser Prozess wiederum durch die Etablierung und Intensivierung einer offenen Kommunikation.

Eine offene Kommunikation ist wichtig, um für mehr Transparenz zu sorgen, gerade wenn es um den technologischen Wandel hin zu einer starken Vernetzung, Konnektivität und Standardisierung geht. Dieser Wandel kann nur von Menschen getragen werden, die dieser Transparenz offen entgegenblicken und in ihr keine Gefahr, sondern eine Chance sehen.

Hier gibt es in der Branche ein großes und bisher weitestgehend ungenutztes Potenzial. Der von sowohl den Mitarbeitenden als auch Auftraggebenden geteilte Wunsch einer gemeinsamen, standardisierten Datenumgebung und Plattformlösungen ist dabei ein bedeutender Schritt in Richtung der Zukunft gemeinschaftlichen Bauens.

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Von Christopher Gorniak

Christopher Gorniak Business Development Manager, Tenera Foto: Tenera

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