Nachwachsende Rohstoffe 13.10.2020, 09:02 Uhr

Neue natürliche Baustoffe gesucht

Ein Forscherteam der Universität Bonn, der Alanus Hochschule und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg haben sich gemeinsam auf die Suche nach nachwachsenden Rohstoffen als Ersatz für den natürlichen Baustoff Holz gemacht. Ihr Fokus lag auf den Riesenchinaschilf und den Blauglockenbaum. Diese schnell wachsenden Pflanzen nutzen sie für ein Experimentalgebäude in Mini-Form.

Das Dach des kleinen Hauses aus nachwachsenden Rohstoffen wird vom wissenschaftlichem Mitarbeiter Jano Knopp mit Riesenchinaschilf gedeckt. Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Das Dach des kleinen Hauses aus nachwachsenden Rohstoffen wird vom wissenschaftlichem Mitarbeiter Jano Knopp mit Riesenchinaschilf gedeckt.

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Eine der wichtigesten Quellen für einen natürlichen Baustoff ist Holz. Doch mit dem Klimawandel verändert sich auch die Holzproduktion in Europa. Daher steigt die Anzahl an alternativen Baumarten, die angebaut werden. Für die Herstellung von Hartfaserplatten ist ebenfalls auf lange Sicht ein nachwachsender Ersatzstoff nötig. Diesen Punkt greift ein Forschungsprojekt der Universität Bonn, der Alanus Hochschule und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gemeinsam auf. Dabei werden Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen untersucht. Mit rund 1,6 Millionen Euro unterstützt die Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms Europäischer Fonds für Regional Entwicklung (EFRE) das Verbundprojekt „Kompetenzschwerpunkt biobasierte Produkte“. Im Fokus der Forschungsarbeit liegt zum einen das genügsame und schnell wachsende Riesenchinaschilf (Miscanthus x giganteus) und zum anderen der überaus schnell wachsende Blauglockenbaum (Paulownia ssp.).

Nachwachsende Rohstoffe werden getestet

Für das Forschungsprojekt konnte jetzt ein Mini-Haus, die Workbox, aus nachwachsenden Rohstoffen errichtet werden. Dieses Beispiel ihrer Arbeit hat das Forscherteam nun der Stadt Meckenheim übergeben. Das Grundstück für das Experimentalgebäude aus natürlichen Baustoffen wurde im Unternehmerpark Kottenforst zur Verfügung gestellt. Die Workbox ist ein Kleingebäude, das von Julian Weber und Raphael Reichert an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft als Bachelorarbeit entstanden ist. Es soll als ein Freiluftlabor dienen. Gemeinsam kann dort mit Schülern, Auszubildenden und Studierenden zum Bauen mit Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen gearbeitet werden. Das Mini-Haus besitzt eine Grundfläche von 21,6 Quadratmetern. Als sommerlicher Wärmeschutz, Dämmputz und für die Wandverkleidung wurde das schnell wachsende Riesenchinaschilf verwendet. Der Blauglockenbaum kam als Bauholz zum Einsatz. Zudem wurde er für die Verkleidung, den Bodenbelag und den Innenausbau genutzt. Verputzt wurde das Mini-Haus mit Lehm. Prof. Für Dr.-Ing. Mathias Wirths, der die Bachelorarbeit zusammen mit Jano Knopp betreute, ist das Projekt ein Weg in die richtige Richtung: „Als Hochschullehrer gratuliere ich den beiden Absolventen zu ihrer hervorragenden Abschlussarbeit. Als Forscher bin ich überzeugt von dem Potenzial schnell wachsender Pflanzen wie Miscanthus oder Paulownia für die Baustoffindustrie und bin neugierig auf die weiteren Entwicklungen. Für die Wissenschaftsgemeinde und die Wirtschaft in der Region wäre es fantastisch, wenn dieses Gebäude ein erster Schritt auf dem Weg zum „NRW-Kompetenzzentrum Baustoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen“ sein würde.“

Weitere Projekte im Mini-Haus

Das zukünftige Pflanzenmaterial, mit dem zum Beispiel in Projektwochen experimentiert werden soll, wächst auf den Grünflächen rund um die Workbox. Deren Gestaltung und Pflege hat sich der Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn angenommen. Nun ist ein Ausbau der Workbox geplant. Entstehen soll ein Ausstellungsgebäude, in dem auch Seminare stattfinden können. Auf lange Sicht soll hier ein „NRW-Kompetenzzentrum Baustoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen“ wachsen. „Dies würde die hohe Kompetenz der Region für das Thema Nachhaltigkeit in Ökonomie und Ökologie bündeln und stärken“, sagt Prof. Dr. Ralf Pude. Er koordiniert das Projekt und ist wissenschaftlicher Leiter des Uni-Campus Klein-Altendorf. „Die gute Kooperation der beteiligten Hochschulen zeigt sich auch in diesem Projekt. In der Verbindung von Wissenschaft mit Kommunen und der Wirtschaft kann hier ein Innovationsschub für unsere Region ausgelöst werden“, ergänzt Pude.

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Von Heike van Ooyen

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