Positiver Ausblick 14.04.2022, 16:05 Uhr

Verschärfter Ingenieurmangel, Einstiegsgehälter steigen

Der Ingenieurmangel hat sich deutlich verschärft, gleichzeitig steigen die Einstiegsgehälter weiter kräftig an. Das zeigt die Konjunkturumfrage 2022 der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau unter rund 7500 Mitgliedern.

Der Ingenieurmangel hat sich deutlich verschärft, sodass Bachelor- und Masterabsolventen höhere Einstiegsgehälter fordern können. Foto: PantherMedia / ra2studio

Der Ingenieurmangel hat sich deutlich verschärft, sodass Bachelor- und Masterabsolventen höhere Einstiegsgehälter fordern können.

Foto: PantherMedia / ra2studio

Die Corona-Krise hat die bayerischen Ingenieurbüros 2021 deutlich härter getroffen als noch im Vorjahr. So berichten in der Konjunkturumfrage der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, die vom 8. März bis 1. April 2022 durchgeführt wurde, mit 60,7 Prozent beinahe doppelt so viele Büros wie im Vorjahr von Verzögerungen auf der Baustelle wegen Lieferschwierigkeiten und Personalengpässen. Die Umfrage bezog sich zwar auf das Corona-Jahr 2021, kann aber nach Einschätzung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau durch den Krieg in der Ukraine während des Umfragezeitraums beeinflusst sein.

Trotz vermehrten Verzögerungen auf der Baustelle wegen Lieferschwierigkeiten und Personalengpässen blicken die Büros optimistisch in die Zukunft. Über 78 Prozent schätzen ihre aktuelle Geschäfts- und Auftragslage grundsätzlich positiv ein und 24,8 Prozent rechnen für 2022 mit einer Steigerung des Auftragsvolumens (Vorjahr: 19 Prozent).

Auch die Umsatzentwicklung für 2022 wird wesentlich besser eingeschätzt als noch im Vorjahr. 26 Prozent (Vorjahr 19 Prozent) gehen von steigenden Umsätzen aus und nur noch 15,6 Prozent der Befragten rechnen mit sinkenden Umsätzen (Vorjahr 23 Prozent). 58,4 Prozent (Vorjahr 58 Prozent) erwarten, dass ihre Umsätze gleich bleiben. Bei der Ertragslage ergibt sich kaum eine Veränderung zum Vorjahr.

Einstiegsgehälter steigen

53,6 Prozent der befragten Ingenieurbüros haben derzeit offene Stellen – eine deutliche Verschärfung um über 14 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr mit 39 Prozent. Und beinahe drei Viertel (73,5 Prozent) der bayerischen Ingenieurbüros haben Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Im Vorjahr waren dies nur 63 Prozent.

Härterer Wettbewerb um Nachwuchskräfte: Die Einstiegsgehälter der Bachelor- und Masterabsolventen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen.

Foto: Bayerische Ingenieure-kammer-Bau

Gleichzeitig sind die Einstiegsgehälter für Bachelor- und Masterabsolventen gegenüber 2021 deutlich angestiegen. 45 Prozent der Büros zahlen Berufseinsteiger inzwischen ein Bruttojahresgehalt über 45.000 Euro (Vorjahr: 37 Prozent). 42 Prozent der Büros zahlen ein Bruttojahresgehalt zwischen 40.000 und 45.000 Euro (Vorjahr: 42 Prozent) und nur noch 13 Prozent unter 40.000 Euro (Vorjahr 20 Prozent).

Auf die Frage, welche konkreten Folgen die Corona-Pandemie im Jahr 2021 auf ihr Büro hatte, gaben 63,9 Prozent der Büros an, konkrete Auswirkungen zu spüren (Vorjahr: 56 Prozent). „Diese Zahlen zeigen, dass die Corona-Krise die bayerischen Ingenieurbüros mit einiger Verzögerung getroffen hat. Das hatten wir so erwartet“, sagt Prof. Dr. Norbert Gebbeken, der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Prof Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieure-kammer-Bau.

Foto: Tobias Hase

„Verzögerungen auf der Baustelle durch Lieferverzögerungen beziehungsweise Personalengpässe wurden mit rund 60 Prozent als größtes Problem benannt – doppelt so häufig als ein Jahr zuvor. Wir hoffen, dass sich hier die Lage bald wieder stabilisiert“.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie

Verzögerungen im Genehmigungsprozess auf Seiten der öffentlichen Verwaltung gaben 44,4 Prozent an (Vorjahr: 44 Prozent). Bei 42,3 Prozent kam es zu Kapazitätsengpässen aufgrund des Ausfalls eigener Mitarbeiter (Vorjahr: 22 Prozent). 28,7 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass Aufträge wegen Corona zurückgestellt oder abgesagt wurden (Vorjahr: 37 Prozent).

14,8 Prozent gaben an, dass es zu einer verzögerten Rechnungsbegleichung auf Seiten der öffentlichen Verwaltung kam (Vorjahr: 19 Prozent). 9,9 Prozent gaben Zahlungsengpässe bei Auftraggebern in Folge der Corona-Pandemie an (Vorjahr: 11 Prozent).

Wirtschaftliche Bedeutung der Ingenieurbüros

Die Umfrage zeige, wie wichtig die Arbeit der Ingenieure im Bauwesen für Gesellschaft und Wirtschaft sind. So verzeichneten die 81.375 Ingenieurbüros in Deutschland im Jahr 2020 53,36 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen 508.917 Personen. Mit rund 10 Milliarden Euro steuern die 15.604 freiberuflich tätigen Ingenieure und Ingenieurbüros in Bayern über ein Fünftel des bundesweiten Umsatzes bei.

Dabei betreuen mittelständischen Ingenieurbüros in Deutschland Bauinvestitionen von rund 324 Mrd. Euro und geben etwa 60.000 jungen Menschen durch Ausbildungsplätze, Praktikanten- und Diplomandenstellen eine Perspektive.

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Von Bayerischen Ingenieurekammer-Bau / Karlhorst Klotz

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