Digitalisierung Trends 23.06.2021, 11:00 Uhr

Vorteile von Open BIM nutzen

BIM ist einer der Digitalisierung Trends. Dabei gibt es unterschiedliche Methoden, die verschiedene Level an Konnektivität erfordern und mit sich bringen. Eine davon ist Open BIM.

BIM ist einer der Digitalisierung Trends. Foto: Foto: panthermedia.net/AndrewLozovyi

BIM ist einer der Digitalisierung Trends.

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Foto: panthermedia.net/AndrewLozovyi

In der BIM-Methodik unterscheiden die Planerteams zwischen Open BIM und Closed BIM. Im Open BIM wird mit einer offenen Systemlandschaft gearbeitet, während eine geschlossene Systemlandschaft kennzeichnend für Closed BIM ist. Im geschlossenen System werden Softwareprodukte eines einzelnen Herstellers und proprietäre Formate für den Datenaustausch eingesetzt. Bei Open BIM werden Softwareprodukte verschiedener Hersteller und offene Formate für den Datenaustausch eingesetzt.

Aufwand bei der Einführung von Open BIM

In der Entwicklung erfordert Open BIM einen hohen Aufwand, denn es werden einheitliche Richtlinien für Hersteller und Dateiformate benötigt. Auch sind die erforderlichen Abstimmungsprozesse enorm komplex. Die unterschiedlichen Anforderungen und Wünsche einer Bandbreite an Herstellern und Usern muss dabei nämlich vereint werden. Dies ist für Closed BIM nur in geringem Maße erforderlich, da Abstimmungen nur intern stattfinden und Kommunikationswege kürzer sind. In der Closed BIM-Landschaft kann trotzdem eine Vielfalt an herstellerspezifischen Dateiformaten benutzt werden. Hersteller kontrollieren die Formate und Schnittstellen dabei selber und können diese so genau auf ihre eigenen Produkte und damit auch auf die vorgesehenen Anwendungsfälle zuschneiden. Das Verwenden herstellerspezifischer Formate kann dem potenziellen Risiko von Fehlinterpretation von Daten vorbeugen. Heute sind viele auf dem Markt vorzufindenden Lösungen Closed BIM-Anwendungen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Entwicklungskosten für Open BIM höher sind. Closed BIM-Anwendungen sind durch das Vordefinieren und Zuschneiden von Formaten und Schnittstellen weniger Komplex, während Hersteller die Kontrolle/Entscheidungskraft über ihre eigene Formate behalten. So führen Closed BIM-Anwendungen den User in eine gewisse Anbieter-Abhängigkeit, was für den Hersteller vorteilhaft ist. Warum also Open BIM? Eine offene Systemlandschaft bringt einige Vorteile mit sich, welche die ganzheitliche Digitalisierung und Konnektivität in der Baubranche beeinflussen.

Ingenieurteams stehen vor der Entscheidung Open BIM oder Closed BIM. Grafik: Tenera

Informationsaustausch und Flexibilität mit Open BIM

Wie bereits erwähnt, führt Closed BIM immer in ein gewisses Maß an Anbieter-Abhängigkeit, die auch projektübergreifend ist. Meist wird nach der Entscheidung für eine Software diese über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg genutzt. Wenn sich also für ein geschlossenes System entschieden wird, bedeutet, dass an vielen umsatzbringenden Projekten nicht mitzuwirken zu können. Genauer gesagt, an den Projekten, in denen Open BIM genutzt wird. Technologie sollte kein Ausschlusskriterium für Zusammenarbeit sein. Im Umkehrschluss ist das anders. Offene Dateiformate schaffen die Möglichkeit für einen Informationsaustausch zwischen verschieden Anwendungen und versprechen so eine deutlich höhere Flexibilität. Es ermöglicht einem, mit jedem potenziellen Projektbeteiligten zusammen zu arbeiten, egal welche Tools angewendet werden. Dazu bleibt die Datenhoheit dem User erhalten. Dies bedeutet die Kontrolle über eigene Daten und die Flexibilität in der Entscheidung, mit wem sie geteilt werden. Aber auch Flexibilität in der Entscheidung eines Anbieterwechsels. Bereits vorhandene Projektdaten können einfach von Anwendung zu Anwendung übertragen werden und gehen nicht verloren.

Open BIM bietet zukunftsorientierte und nachhaltige Digitalisierung

BIM deckt alle Lebenszyklusphasen eines Gebäudes ab. Also nicht nur das Planen und eigentliche Bauen, sondern auch die Instandhaltung und den Abriss. Was also, wenn ich heute eine Closed BIM-Anwendung nutze und es den Anbieter und die Software in 30 Jahren aber vielleicht gar nicht mehr gibt? Die zum Gebäude zugehörigen Daten gehen verloren, denn sie können nicht oder nur schwer in ein standardisiertes Format übertragen werden. Kommt das Facility Management im Jahr 2050 also dem Heutigen gleich? Was tun, wenn Daten fehlen? In der Open BIM-Methodik sind diese einfach zu übermitteln. Gleichermaßen schreitet auch Facility Management in der Digitalisierung voran, mit neuen Möglichkeiten, die Zeit und Geld sparen. Dafür müssen Gebäudeinformationen aber in digitaler Form vorhanden sein, auch hier sind offene Systemlandschaften im Vorteil.

Open BIM ist im Bauprozess flexibler und zukunftsorientiert. Grafik: Tenera

Durch Open BIM Konnektivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Die Bauindustrie ist fragmentiert. Dies gilt als eine der größten Herausforderungen für die Digitalisierung. Daten werden heute vielmals in Datensilos abgelegt und bleiben ungenutzt. Denn der Informationsaustausch kann in geschlossenen Dateiformaten gar nicht oder nur zum Teil gewährleistet werden. Potenziale gehen verloren, der Projekterfolg bleibt aus. Konnektivität wurde nur dort geschaffen, wo dasselbe System genutzt wird. Open BIM fördert durch offene Systemlandschaften und der Nutzung standardisierter Formate und Schnittstellen Konnektivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette und über alle Lebenszyklusphasen hinweg. Closed BIM ist immer nur begrenzt einsetzbar, denn eine Softwarelandschaft eines Herstellers deckt den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes nur selten ab. Durch die Nutzung geschlossener Systeme steht man dem eigenen Erfolg und Mitwirken an vielen Projekten also im Weg und somit auch einem höheren Umsatz. Die meisten Agierende nutzen im Bauwesen eine Vielzahl an verschiedenen Lösungen, die den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes abdecken. Nur Teams, die sich also für Open BIM entschieden haben, bleiben in der Lage, an einer möglichst großen Anzahl an Projekte mitzuwirken.

Open BIM vs. Closed BIM

Wenn man Closed BIM und Open BIM also gegenübergestellt, gibt es einige Vorteile für beide Ansätze. Closed BIM ist günstiger in der Entwicklung und reduziert durch das Nutzen herstellerspezifischer Dateiformate die Komplexität des Datenaustauschs. Was ist aber das eigentliche Ziel von Digitalisierung? Connected Construction und mehr Projekterfolg entlang der gesamten Wertschöpfungskette. BIM ist einer der meist verfolgten Trends in Sachen Digitalisierung der Baubranche. Digitalisierung, die den Bau auch nachhaltig voranbringt und es schafft, Hürden wie die Fragmentierung zu überwinden, liegen also im Interesse der Agierenden. Closed BIM mag zwar zu reduzierter Komplexität führen, ist aber auch nur begrenzt einsetzbar. Kooperative Zusammenarbeit ist das Ziel und Open BIM ermöglicht sehr viel mehr Konnektivität und eine Digitalisierung, die nachhaltig und zukunftsorientiert ist. Dies ist ausschlaggebend, um den Bau für eine innovative und lukrative Zukunft zu wappnen.

Digitalisierung im Bauwesen

Bemessungssoftware, Datenarchivierung, Monitoring und Messtechniken erleichtern die Arbeit im Büro und auf der Baustelle. Durch digitale Methoden werden Bauprozesse strukturierter und vereinfacht. Wir stellen die Herausforderungen der Digitalisierung in der Baubranche in unserem Online-Special ab 5. Juli 2021 vor.

Im Podcast „Technik aufs Ohr“ haben Sarah Janczura und Marco Dadomo zum Thema Digitalisierung im Bau Rasso Steinmann die Frage gestellt: Reicht BIM aus, um die Wende zu schaffen?

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Viele Tipps zur Digitalisierung im Bauwesen gibt es auch in diesem Blog: tenera.io/blog

Projekte die mit BIM entwickelt wurden:

BIM beim Hafenbau ausgetestet

Brückenneubau mit BIM

Planen mit Open BIM

Von Joost Meulenkamp

Joost Meulenkamp, Senior Product Manager, Tenera Foto: Tenera

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