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Dorothée Waechter: „Im Garten habe ich mich verloren“

02. März 2025

Dorothée Waechter: „Im Garten habe ich mich verloren“
Dorothée Waechter ist in der Bergbaustadt Lünen aufgewachsen und hat schon als Kind Pflanzen selbst gezogen. Foto: Dorothée Waechter
Dorothée Waechter liebt die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen im Sinne der Natur. Aber wer dabei nur auf Technologie setze, büße Emotionalität ein.
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Wenn sich Leidenschaft und Hartnäckigkeit begegnen, entstehen oft schöne Geschichten. Noch schöner, wenn sich Glück und ein gutes Netzwerk dazu gesellen. Dann profitiert von diesem Mix sogar ein Millionenpublikum. Wie bei Dorothée Waechter. Im ARD-Morgenmagazin „Moma“ versorgt die Gartenbauingenieurin ihr Publikum regelmäßig mit Tipps und Tricks, wie das heimatliche Grün zur Wohlfühloase für Flora, Fauna und den Menschen wird.

Für die jüngste von drei Schwestern war Spielen immer schon gleichbedeutend mit Buddeln im elterlichen Garten. Den brauchte es auch, um ihrer Leidenschaft nachzugehen, schließlich bot die Bergbaustadt Lünen wenig Raum für floristische Experimente. „Im Garten habe ich mich verloren“, erinnert sich Waechter an eine durch und durch grüne Kindheit. „Mein Fensterbrett war knallvoll mit Zimmerpflanzen.“ Die meisten hatte sie nicht gekauft, sondern selbst gezogen. Das Taschengeld reichte nicht, um sich mit Pflanzen aller Art einzudecken. Die Blumenhändler auf dem Lüner Markt hatten ein Einsehen mit dem kleinen Mädchen, das sich so sehr für Geranien, Orchideen, Knöterich und andere Gewächse interessierte. „Ich kam immer mit ein paar Blumen nach Hause.“

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Der Bildungsurlaub, den ihre beiden Schwestern so schätzten, „war nichts für mich. Ob das gotische oder romanische Fenster waren, war mir ziemlich schnuppe.“ Was sie faszinierte, war nicht das In-Stein-Gehauene, sondern die Wechselbeziehung von Mensch und Pflanze, die Gestaltungsmöglichkeiten des Menschen im Sinne der Natur.

Ausbildung bei der „Gräfin von Zeppelin“

Ans Eingemachte ging es, als sich die Frage stellte: Was mache ich nach dem Abitur? Dass es der Gartenbau sein musste, stand außer Frage. In Zeiten, als die Babyboomer auf die Ausbildungsmärkte und ins Studium drangen, war die Auswahl allerdings nicht groß. Das entsprechende Studium war mit einem Numerus clausus von 1,5 versehen. Dorothée Waechter war schon in der Oberstufe klar: „Das schaffe ich nicht.“ Also zunächst Wartezeit in Kauf nehmen und einen Umweg über eine Ausbildung gehen. Im Bekanntenkreis hieß es: „Dann musst du zur ,Gräfin von Zeppelin‘ im Breisgau gehen. Das ist eine der größten und ältesten Staudengärtnereien in Deutschland.“

Gesagt, getan. Während der Lehre traf Waechter auf eine Ökotrophologin, die sich dem Journalismus verschrieben hatte. Der Funke sprang über. An ihrer Leidenschaft die breite Öffentlichkeit teilhaben zu lassen, befeuerte die Gartenenthusiastin in ihrem Vorhaben, das eine mit dem anderen zu verbinden.

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Dazu musste aber der Studienabschluss her. Mit dem Vordiplom der Universität Hannover in der Tasche zog es Waechter an den Campus Weihenstephan der TU München. Zum einen des guten Rufes wegen, zum anderen, weil ihr damaliger Freund und heutiger Mann in München Bauingenieurwesen studierte.

Viel Mathe, Physik und Volkswirtschaft im Gartenbaustudium

„In Weihenstephan war Physik das K.-o.-Kriterium. Damit haben sie die überschüssigen Studierenden aussortiert.“ Dem großen Sieb war Waechter entgangen, weil sie aus Hannover nach Freising gewechselt war. Dennoch musste sie sich durch „viel Mathe, viel Physik, viel Volkswirtschaft“ ackern.

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Während des Studiums hatte Waechter bereits Kontakte zu den Medien gesucht. Beim Burda Verlag klopfte sie 1991 an, ob sie als „Freie“ anfangen könne. Dort absolvierte die diplomierte Gartenbauingenieurin ein Volontariat und wurde Redakteurin. Inzwischen schreibt sie regelmäßig für Gartenzeitschriften, Tageszeitungen und Agenturen.

Die Rückkehr ins Ruhrgebiet, nach Herten, und ihr erstes Buch gaben der Karriere noch einmal eine Wende. „Der WDR wollte dazu mit mir ein Interview machen. Am Ende des Gesprächs sagte der Redakteur: ,Du hast das so gut gemacht, kannst du das auch regelmäßig für uns machen?‘ Von da an war ich im WDR stetiger Ansprechpartner für Gartenfragen.“ Das wiederum hörte ein begeisterter Moma-Redakteur, der meinte, das könnte sie vor der Kamera genauso gut. „Das war 2008. Seitdem bin ich im Moma zu sehen.“

Im Laufe der Zeit hätten sich die Vorstellungen der Zuschauenden von einem schönen Garten geändert. Waechter: „Früher war Ästhetik das Hauptmotiv zur Gartenpflege. Das hat sich zur Jahrtausendwende hin verändert. Die Leute wollten nicht mehr wissen, was da wächst. Es sollte nur blühen und keine Arbeit machen. Heute sieht man den Garten vor allem als Lebensraum. Die Menschen wollen möglichst auf Pestizide verzichten. Sie sehen die Gesamtheit des Gartens, neben Flora auch die Fauna. Der Garten wird als Lebensraum für Tiere in der Stadt betrachtet.“

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„Der Garten braucht den Menschen“, sagt Waechter, der Mensch müsse sich aber auch in die Natur einfühlen können. Wer sich gedankenlos auf moderne Technologien einlasse, verlöre diese Emotionalität. „Die Leute wollen nicht mehr fühlen, ob eine Pflanze Wasser braucht. Das soll die Technik leisten. Gartenroboter werden über GPS-Daten geleitet. Die Bewässerung des Gartens ist per Handy aus dem Urlaub möglich. Dadurch geht viel Wissen verloren. Das ist eine dramatische Entwicklung. Das Wissen müssen wir erhalten, wir müssen Zusammenhänge verstehen.“ Letztlich ginge es häufig um die Kommerzialisierung des Gartens.

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Das kann Waechter aber nicht die Leidenschaft für den Garten nehmen. Wenn Narzissen oder Schneeglöckchen sprießen, ist das für sie „eine total emotionale Zeit“. Jede Jahreszeit habe ihre Faszination. „Der Winter ist eine Art Reset. Er macht sensibel für Farben und für den Kreislauf der Natur.“

Ist Dorothée Waechter mal nicht im Garten oder am PC, treibt es sie – natürlich – hinaus in die Natur, entweder bei einem ausgiebigen Waldspaziergang mit Hund Kürthy oder – wenn es die Zeit hergibt – bei einem Törn mit Ehemann Benedikt auf dem Baldeneysee.



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