Anzeige

Doppelter Müll-Nutzen: Wie Batteriesäure Plastik in Wasserstoff verwandelt

06. April 2026

Professor Erwin Reisner (links) und Hauptautor Kay Kwarteng
Entwicklungsteam des Solar-Reaktors: Professor Erwin Reisner (links) und Hauptautor Kay Kwarteng haben ein Verfahren entwickelt, das Plastikmüll und Batteriesäure in Wasserstoff und Chemikalien umwandelt. Foto: Beverly Low
Kreislaufwirtschaft extrem: Ein neuer Reaktor nutzt Säure aus alten Autobatterien, um Plastik zu Wasserstoff zu machen.
Anzeige
Anzeige


Die Zahlen sind ernüchternd: Jährlich produzieren wir weltweit über 400 Millionen Tonnen Kunststoff. Lediglich 18 % davon landen im Recyclingkreislauf. Der große Rest wird verbrannt, auf Deponien gelagert oder belastet unsere Meere. Bisherige Verfahren scheitern oft an komplexen Materialmischungen oder hohen Kosten.

Ein Team der Universität Cambridge schlägt nun einen ungewöhnlichen Weg ein. Die Forschenden nutzen zwei Problemabfälle gleichzeitig, um daraus wertvolle Rohstoffe zu gewinnen. Sie kombinieren schwer recycelbare Kunststoffe mit gebrauchter Säure aus alten Autobatterien. Das Ergebnis dieses Prozesses sind grüner Wasserstoff und Industriechemikalien.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Die Säure als Schlüssel zum Erfolg

Normalerweise ist Säure der natürliche Feind technischer Anlagen. Sie zerfrisst Bauteile und macht Reaktoren instabil. In der Chemiebranche gilt sie oft als Hindernis für photokatalytische Prozesse. Professor Erwin Reisner, Leiter der Studie am Yusuf Hamied Department of Chemistry in Cambridge, beschreibt den Durchbruch so:

„Früher dachten wir, Säure sei in diesen solarbetriebenen Systemen völlig tabu, weil sie einfach alles auflösen würde. Aber unser entwickelter Katalysator tat dies nicht – und plötzlich eröffnete sich eine ganz neue Welt von Reaktionen.“

Der Kern der Innovation liegt in einem neuen Photokatalysator. Dieser ist robust genug, um der korrosiven Umgebung standzuhalten. Gleichzeitig nutzt er die chemische Energie der Säure aus ausgedienten Bleibatterien. Während das Blei dieser Batterien meist recycelt wird, entsorgen Betriebe die Säure nach einer aufwendigen Neutralisierung bisher oft als Abfall.

Anzeige
Anzeige

So funktioniert die Umwandlung

Das System arbeitet in zwei Stufen. Zuerst zerlegt die Batteriesäure den Plastikmüll in seine chemischen Grundbausteine. Lange Polymerketten brechen dabei auf. So entsteht beispielsweise Ethylenglykol. Im zweiten Schritt kommt die Sonnenenergie ins Spiel. Unter Lichteinstrahlung wandelt der Photokatalysator diese Bausteine in Wasserstoff und Essigsäure um.

Der Prozess bietet entscheidende Vorteile:

Anzeige
Anzeige
  • Breites Spektrum: Das Verfahren verarbeitet nicht nur PET, sondern auch Nylon oder Polyurethanschaum.
  • Effizienz: Die Säure ermöglicht deutlich höhere Produktionsraten von Wasserstoff als bisherige Methoden.
  • Stabilität: In Labortests lief der Reaktor über 260 Stunden ohne messbare Verluste bei der Leistung.
  • Nachhaltigkeit: Die Säure wird nicht verbraucht, sondern fungiert als Hilfsmittel, das im Kreislauf bleibt.

Kay Kwarteng, der den Photokatalysator entwickelte, sieht in der Batteriesäure eine unterschätzte Ressource. Er betont den wirtschaftlichen Aspekt:

„Wenn wir die Säure auffangen können, bevor sie neutralisiert wird, können wir sie immer wieder zum Abbau von Kunststoffen nutzen: Das ist eine echte Win-Win-Situation.“

Eine Ergänzung zum klassischen Recycling

Die Forschenden machen deutlich, dass ihr Verfahren das herkömmliche Recycling nicht verdrängen soll. Es dient vielmehr als notwendige Ergänzung. Besonders bei verschmutzten oder gemischten Kunststoffen stößt die mechanische Aufbereitung an Grenzen. Hier setzt die chemische Umwandlung an.

Trotz der Erfolge im Labor steht die Technik vor praktischen Hürden. Die Skalierung auf industrielle Maßstäbe erfordert Reaktoren, die dauerhaft unter extremen Bedingungen arbeiten. Die chemischen Grundlagen sind laut Kwarteng jedoch solide. Die Industrie beherrsche den Umgang mit starken Säuren bereits seit Jahrzehnten sicher. Die Herausforderung liege nun in der ingenieurtechnischen Umsetzung eines kontinuierlichen Betriebs.

Professor Reisner bleibt realistisch, was die Erwartungen angeht: „Wir versprechen nicht, das globale Plastikproblem zu lösen. Aber dies zeigt, wie Abfall zu einer Ressource werden kann.“

Das Projekt wird nun durch den Innovationszweig der Universität Cambridge für eine mögliche Kommerzialisierung vorbereitet. Wenn sich der Reaktor in der Praxis bewährt, könnten Abfallströme, die heute noch Kosten verursachen, bald die Grundlage für die Wasserstoffwirtschaft von morgen bilden.

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Firmenprofile

Anzeige
Anzeige