Die größten Teleskope der Welt: So werden ferne Welten sichtbar
19. Oktober 2026

500 m misst der Reflektor von FAST in China. In Chile entsteht ein optisches Teleskop mit einem 39-m-Hauptspiegel. Und für Aufnahmen Schwarzer Löcher arbeiten Observatorien auf mehreren Kontinenten zusammen. Zehn große Teleskope und Verbünde zeigen, wie unterschiedlich die Astronomie nach Antworten sucht.
Ein Teleskop kann eine ganze Geländemulde ausfüllen. Es kann aber auch aus Dutzenden Antennen bestehen, zwischen denen kilometerweit Wüste liegt. Beides dient demselben Zweck: möglichst viel über Objekte zu erfahren, deren Strahlung oft Millionen oder Milliarden Jahre unterwegs war.
Welches ist nun das größte Teleskop der Welt? Die Antwort hängt davon ab, was man misst. Bei einem Einzelinstrument zählt etwa die Größe des Hauptspiegels. Bei einem Verbund ist auch der Abstand zwischen den Teleskopen wichtig. Deshalb stellt dieser Überblick zehn bedeutende Großanlagen vor – sieben aktive und drei im Bau. Die Reihenfolge ist keine Rangliste.
Was ein großes Teleskop besser kann
Ein größerer Spiegel sammelt mehr Licht. Dadurch lassen sich schwächere Objekte untersuchen oder vergleichbare Messungen schneller durchführen. Zugleich kann eine größere Öffnung bei gleicher Wellenlänge feinere Details unterscheiden.
Am Boden stört allerdings die Luftunruhe. Sie lässt Sterne flimmern und verwischt ihre Bilder. Moderne optische Teleskope gleichen einen Teil dieser Verzerrungen mit adaptiver Optik aus: Sensoren erfassen die Störungen, verformbare Spiegel korrigieren sie während der Beobachtung.
Bei einem Interferometer werden die Signale mehrerer Teleskope miteinander kombiniert. Große Abstände helfen dabei, eng benachbarte Strukturen auseinanderzuhalten. Die Lichtausbeute eines durchgehend gefüllten Riesenspiegels erhält der Verbund dadurch aber nicht.
Zehn große Teleskope und Verbünde im Überblick
| Anlage | Standort | Kennzeichnende Größe | Status |
| Gran Telescopio Canarias | La Palma, Spanien | Hauptspiegel der 10,4-m-Klasse | In Betrieb |
| Large Binocular Telescope | Arizona, USA | Zwei Hauptspiegel mit je 8,4 m | In Betrieb |
| Very Large Telescope | Chile | Vier Hauptteleskope mit je 8,2 m | In Betrieb |
| FAST | China | 500 m Reflektordurchmesser | In Betrieb |
| ALMA | Chile | 66 Antennen, Abstände bis 16 km | In Betrieb |
| NOEMA | Frankreich | Zwölf 15-m-Antennen, Basislinien bis 1,7 km | In Betrieb |
| Event Horizon Telescope | Weltweiter Verbund | Abstände zwischen Kontinenten | In Betrieb |
| Extremely Large Telescope | Chile | Hauptspiegel mit rund 39 m | Im Bau |
| Giant Magellan Telescope | Chile | Sieben 8,4-m-Spiegel, Gesamtausdehnung 25,4 m | Im Bau |
| SKA | Südafrika und Australien | Ausbauziel: 197 Schüsselantennen und 131.072 kleinere Antennen | Im Bau, erste Teilsysteme im Test |
Die Größen beschreiben unterschiedliche Eigenschaften und sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Stand: Oktober 2026. Quellen und technische Einordnung folgen in den Porträts.
Gran Telescopio Canarias: Ein großer Spiegel aus vielen Teilen
Auf La Palma steht eines der wichtigsten Beispiele für den modernen Großteleskopbau: das Gran Telescopio Canarias, kurz GTC. Sein Hauptspiegel gehört zur 10,4-m-Klasse. Er besteht aus einzelnen Segmenten, die gemeinsam das Licht sammeln und bündeln.
Das GTC beobachtet sichtbares Licht und Infrarotstrahlung. Die große Sammelfläche hilft, auch lichtschwache Objekte zu untersuchen. Dabei geht es nicht nur um Bilder: Wird das Licht in seine Wellenlängen zerlegt, verrät es beispielsweise etwas über die Zusammensetzung und Bewegung seiner Quelle.
Die Segmentbauweise vermeidet einen einzigen, entsprechend großen Glasblock. Dafür müssen die einzelnen Teile präzise ausgerichtet bleiben. Dieses Prinzip spielt auch bei der nächsten Generation noch größerer Teleskope eine zentrale Rolle.

Large Binocular Telescope: Zwei Spiegel auf einer Montierung
Das Large Binocular Telescope, kurz LBT, steht auf dem Mount Graham in Arizona. Zwei Hauptspiegel mit jeweils 8,4 m Durchmesser sitzen nebeneinander auf einer gemeinsamen Montierung. Zusammen sammeln sie ungefähr so viel Licht wie ein einzelner Spiegel mit 11,8 m Durchmesser.
Werden die Lichtwege interferometrisch kombiniert, lässt sich zusätzlich die räumliche Trennung der beiden Spiegel nutzen. Von Außenkante zu Außenkante misst die Anordnung 22,8 m. In der entsprechenden Richtung ermöglicht das eine wesentlich höhere Detailauflösung als ein einzelner 8,4-m-Spiegel. Das LBT zeigt damit besonders anschaulich, warum Sammelfläche und Auflösung zwei verschiedene Angaben sind.

Very Large Telescope: Vier Großteleskope arbeiten zusammen
Das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte steht auf dem Cerro Paranal in Chile. Es besteht aus vier Hauptteleskopen mit jeweils 8,2 m großen Spiegeln. Dazu kommen vier bewegliche Hilfsteleskope mit 1,8 m Öffnung.
Die Hauptteleskope können unabhängig voneinander beobachten. Für bestimmte Messungen lässt sich ihr Licht auch im Very Large Telescope Interferometer zusammenführen. Alternativ kommen dafür die Hilfsteleskope zum Einsatz.
Ein einzelnes 32,8-m-Teleskop entsteht daraus nicht. Die Stärke liegt darin, mehrere große Instrumente je nach Forschungsfrage einzeln oder als präzise abgestimmten Verbund einzusetzen.

FAST: Ein 500-m-Reflektor in einer Geländemulde
FAST in der chinesischen Provinz Guizhou besitzt einen Reflektor mit 500 m Durchmesser. Die Anlage nutzt eine natürliche Geländemulde. Anders als bei einer frei schwenkbaren Antennenschüssel bewegt sich nicht die gesamte Konstruktion zum Zielobjekt.
Stattdessen werden Teile der Reflektorfläche angepasst und die darüber aufgehängte Empfangskabine positioniert. So kann das Teleskop unterschiedliche Himmelsregionen beobachten. Die gesamte 500-m-Fläche wird dabei nicht gleichzeitig als wirksame Empfangsöffnung genutzt.
FAST empfängt Radiostrahlung. Zu seinen Forschungsgebieten gehören Pulsare – schnell rotierende Neutronensterne, deren Signale regelmäßig auf der Erde eintreffen. Auch kurze Radioblitze aus dem All werden mit der Anlage untersucht. Erstes Licht gab es 2016, der reguläre Betrieb begann 2020.
ALMA: 66 Antennen auf 5000 m Höhe
Auf der Chajnantor-Hochebene in Chile stehen die 66 Antennen von ALMA. Zur Anlage gehören 54 Schüsseln mit 12 m und zwölf mit 7 m Durchmesser. Die größten Antennenabstände erreichen 16 km.
ALMA beobachtet unter anderem kalte Gas- und Staubwolken. Solche Regionen können im sichtbaren Licht dunkel erscheinen, während ihre Strahlung im Millimeter- und Submillimeterbereich viel über entstehende Sterne und Planetensysteme verrät.
Die Antennen lassen sich umstellen. Damit verändert sich, welche räumlichen Strukturen besonders gut untersucht werden können. Der Standort auf rund 5000 m Höhe hat einen praktischen Grund: Wasserdampf absorbiert einen Teil der gesuchten Strahlung. Die trockene Höhenluft erleichtert die Messungen.

NOEMA: Bewegliche Antennen in den französischen Alpen
Auch Europa besitzt ein großes Observatorium für Millimeterstrahlung. NOEMA steht auf dem Plateau de Bure in den französischen Alpen. Seit 2022 ist der Ausbau auf zwölf Antennen abgeschlossen. Jede misst 15 m im Durchmesser.
Auf Schienen lassen sich die Antennen in unterschiedliche Anordnungen bringen. Die längsten Basislinien, also die Abstände zwischen zwei Antennen, erreichen 1,7 km. Forschende untersuchen damit beispielsweise das kalte Gas, aus dem neue Sterne entstehen.
NOEMA gehört außerdem zu den Anlagen, die für weltweite interferometrische Beobachtungen genutzt werden können. Ein Observatorium kann damit zugleich eigenständig arbeiten und Teil eines größeren Verbunds sein.
Event Horizon Telescope: Ein weltweiter Verbund für Schwarze Löcher
Das Event Horizon Telescope, kurz EHT, ist kein einzelnes Bauwerk. Es verbindet Radioobservatorien über Kontinente hinweg; auch ALMA gehört dazu. Die großen Entfernungen zwischen den Standorten ermöglichen eine außergewöhnlich hohe Winkelauflösung.
2019 veröffentlichte die Zusammenarbeit das erste Bild der hellen Umgebung und des dunklen Schattens des Schwarzen Lochs M87*. 2022 folgte Sagittarius A* im Zentrum unserer Milchstraße. Sichtbar wird dabei nicht das Innere des Schwarzen Lochs, sondern Strahlung aus seiner Umgebung.

Extremely Large Telescope: Der nächste große Schritt bei optischen Teleskopen
Auf dem Cerro Armazones in Chile entsteht das Extremely Large Telescope, kurz ELT. Sein Hauptspiegel wird rund 39 m groß sein. Damit soll es das größte Teleskop für sichtbares Licht und nahes Infrarot werden.
Die zusätzliche Sammelfläche soll unter anderem helfen, schwache frühe Galaxien und Planeten außerhalb unseres Sonnensystems genauer zu untersuchen. Damit die Atmosphäre die mögliche Bildschärfe nicht zunichtemacht, gehört adaptive Optik zum Teleskopkonzept.
Nach dem veröffentlichten ESO-Zeitplan ist erstes Licht für März 2029 vorgesehen. Erste wissenschaftliche Beobachtungen mit Instrumenten werden für Dezember 2030 erwartet. Das sind Plantermine für unterschiedliche Schritte der Inbetriebnahme.
Welche Bauaufgaben dahinterstehen, beschreibt unser Beitrag darüber, wie das Extremely Large Telescope in Chile entsteht.
Giant Magellan Telescope: Sieben Spiegel bilden ein gemeinsames System
Ebenfalls in Chile wird das Giant Magellan Telescope gebaut. Sieben Hauptspiegel mit jeweils 8,4 m Durchmesser sollen gemeinsam arbeiten. Einer sitzt in der Mitte, sechs umgeben ihn. Die Gesamtanordnung erstreckt sich über 25,4 m.
Diese Außenabmessung darf nicht mit der lichtsammelnden Fläche eines vollständig gefüllten 25,4-m-Spiegels gleichgesetzt werden. Zwischen den runden Einzelspiegeln bleiben Lücken.
Die technische Herausforderung besteht darin, die großen Spiegel so auszurichten und zu regeln, dass sie ein gemeinsames optisches System bilden. Verformbare Sekundärspiegel sollen zusätzlich atmosphärische Störungen korrigieren. Das Projekt nennt die 2030er-Jahre als Zeitraum für die Inbetriebnahme; die weitere Finanzierung bleibt für die Fertigstellung wichtig.

SKA: Zwei neue Radioteleskope auf zwei Kontinenten
Das Square Kilometre Array entsteht an zwei weit auseinanderliegenden Standorten. SKA-Mid in Südafrika arbeitet mit Schüsselantennen. SKA-Low in Australien nutzt viele kleinere Antennen für niedrigere Radiofrequenzen.
Das veröffentlichte Ausbauziel umfasst 197 Schüsselantennen in Südafrika und 131.072 kleinere Antennen in Australien. Beide Anlagen werden schrittweise aufgebaut. Diese Zahlen beschreiben daher den vorgesehenen Ausbau, nicht den bereits verfügbaren Bestand.
Im Januar 2026 erreichte SKA-Mid einen wichtigen Meilenstein: Die Signale zweier Antennen wurden erstmals interferometrisch kombiniert. Deutschland ist seit November 2024 Mitglied der Betreiberorganisation SKAO.
Warum nicht jedes Teleskop möglichst groß sein muss
Für schwache Signale und feinste Details sind große Öffnungen und lange Basislinien wertvoll. Andere Aufgaben verlangen vor allem, große Himmelsbereiche schnell und wiederholt zu erfassen. Dafür müssen Teleskop, Kamera und Beobachtungsprogramm gemeinsam ausgelegt sein.
Ein Beispiel ist das Rubin-Observatorium mit seiner besonders großen Digitalkamera. Wie dieses Konzept funktioniert, erklärt unser Beitrag über die 3200-Megapixel-Kamera und ihre ersten Himmelsbilder.
Ein 500-m-Radioteleskop, ein optischer Riesenspiegel und ein weltweiter Antennenverbund beantworten deshalb unterschiedliche Fragen. Ihre Größe ist beeindruckend. Ihren wissenschaftlichen Wert bestimmt, welche Messungen mit ihnen möglich werden.
Quellen:
- ESO: Teleskoptechnik und adaptive Optik, Interferometrie, VLT und ALMA.
- Betreiberangaben: Gran Telescopio Canarias, Large Binocular Telescope und NOEMA.
- National Astronomical Observatories: FAST – Technik und Baugeschichte.
- ESO: EHT-Beobachtungen bei 0,87 mm, 27. August 2024; Quelle des Zitats.
- ESO: ELT-Zeitplan: erstes Licht 2029, wissenschaftliche Beobachtungen 2030.
- Giant Magellan Telescope: Hauptspiegel, adaptive Sekundärspiegel und Projektstand und Finanzierung.
- SKAO: Ausbauziele, Baufortschritt und deutsche Mitgliedschaft.
































