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Cybersecurity boomt, doch Berufseinsteiger profitieren kaum

09. September 2026

Mann verzweifelt vor Bildschirm
Ohje, da ist es passiert. Damit es nicht dazu kommt, brauchen Firmen und Institutionen Fachkräfte für Cybersicherheit. Foto: Smarterpix/AndreyPopov
Cybersecurity-Stellen verlangen immer öfter KI-Skills. Doch die Security-Nachfrage wächst bei erfahrenen Fachkräften deutlich stärker als bei Einsteigern.
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Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt für Cybersecurity-Fachkräfte. In den G7-Staaten hat sich der Anteil der Stellenanzeigen, in denen KI-Kompetenzen verlangt werden, innerhalb eines Jahres verdoppelt. Zugleich suchen Unternehmen erheblich häufiger nach erfahrenen Fachkräften als nach Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern.

Inhaltsverzeichnis

Das zeigt der Report „AI Agents and the Impact on Cybersecurity“ des AI Workforce Consortiums. Das von Cisco und weiteren Unternehmen gegründete Konsortium wertete unter anderem Stellenanzeigen von Cornerstone und Indeed aus. Die Daten umfassen den Zeitraum von April 2024 bis März 2026 und beziehen sich ausschließlich auf die G7-Staaten.

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Mehr Cybersecurity-Stellen in den G7-Staaten

Zwischen Oktober 2025 und März 2026 stieg die Zahl der untersuchten Cybersecurity-Stellenanzeigen um 9,5 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. In den sechs Monaten zuvor hatte der Zuwachs 6,8 % betragen. Security Engineer und Cybersecurity Analyst gehörten laut Report zu den am häufigsten ausgeschriebenen Positionen.

Aus diesen Daten lässt sich allerdings kein weltweiter Wachstumstrend ableiten. Das Konsortium weist in seiner Methodik ausdrücklich darauf hin, dass die Stellenanzeigenanalyse nur die G7-Staaten abdeckt. Sie bildet zudem die in Ausschreibungen formulierte Nachfrage ab, nicht die Zahl der tatsächlich besetzten Stellen.

Anteil der Stellenanzeigen mit KI-Skills verdoppelt

Besonders deutlich entwickelte sich die Nachfrage nach KI-Kenntnissen. Von Oktober 2025 bis März 2026 wurden solche Kompetenzen in durchschnittlich 28,5 % der untersuchten Cybersecurity-Stellenanzeigen verlangt. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 14,2 %. Der Anteil hat sich damit verdoppelt.

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Als häufig genannte Kenntnisse in Cybersecurity-Ausschreibungen mit Bezug zu KI-Agenten identifiziert der Report Python, Prompt- und Kontext-Engineering, KI-Sicherheit, die Orchestrierung von KI-Agenten sowie Machine Learning Operations, kurz MLOps. Die Prozentwerte zu diesen einzelnen Kompetenzfeldern beruhen auf Stellenanzeigen, die bereits einen Bezug zu KI-Agenten aufweisen. Sie dürfen daher nicht auf sämtliche Cybersecurity-Ausschreibungen übertragen werden.

Für die USA enthält der Report außerdem Vergütungsdaten von Lightcast. Demnach lag das ausgeschriebene Mediangehalt bei Cybersecurity-Stellen, die KI-Kenntnisse verlangten, im untersuchten Halbjahr um 14,9 % über dem Median aller Cybersecurity-Ausschreibungen. Ob ein vergleichbarer Gehaltsunterschied in Deutschland besteht, wurde nicht ausgewiesen.

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Ethisches Urteilsvermögen häufiger gesucht

Neben technischen Fähigkeiten tauchten bestimmte überfachliche Kompetenzen häufiger in Ausschreibungen auf. Die Nachfrage nach ethischem Urteilsvermögen nahm der Analyse zufolge gegenüber dem Vorjahr um 533 % zu, die nach Stakeholder-Management um 125 %.

Das Konsortium bezeichnet diese Ergebnisse ausdrücklich als Richtungssignale. Die hohen Zuwachsraten seien von einer niedrigen Ausgangsbasis aus gemessen worden. Sie belegen daher nicht, dass ethisches Urteilsvermögen bereits in einem entsprechend hohen Anteil aller Cybersecurity-Stellenanzeigen verlangt wird.

Systemisches Denken sowie kritisches Denken und das Einordnen von Problemen gehören ebenfalls zu dem Kompetenzmodell, das die Autoren für KI-gestützte Wissensarbeit entwickelt haben. Das Konsortium beschreibt dieses Modell als zukunftsgerichtete Hypothese, die angesichts der schnellen technischen Entwicklung regelmäßig überprüft werden müsse.

Senior-Nachfrage wächst wesentlich stärker

Bei der Nachfrage nach unterschiedlichen Erfahrungsstufen zeigt sich eine deutliche Differenz. Zwischen Oktober 2025 und März 2026 nahm die Zahl der Cybersecurity-Ausschreibungen mit Senior-Titel in den G7-Staaten um 65 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Stellenanzeigen mit Junior-Titel legten dagegen nur um 5,9 % zu.

Die Auswertung beruht auf den Stellenbezeichnungen, weil Angaben zu den verlangten Berufsjahren laut Report nur in einem Teil der Ausschreibungen enthalten waren. Die Autoren weisen deshalb darauf hin, dass ein Titel nicht immer zuverlässig die tatsächlich geforderte Erfahrung wiedergibt.

Hinzu kommt, dass Junior-Titel lediglich 0,7 % und Senior-Titel 6,7 % der untersuchten Cybersecurity-Stellenanzeigen ausmachten. Rund 92,6 % ließen sich keiner der beiden Gruppen zuordnen. Die Wachstumsraten beschreiben somit relativ kleine Teilbereiche des gesamten Stellenmarktes.

Weltweit fehlen Einsteigern praktische KI-Erfahrungen

Ergänzend zur Stellenanzeigenanalyse befragte Cisco im Mai 2026 insgesamt 8.000 Sicherheitsverantwortliche aus 30 Märkten und 14 Branchen. Weltweit nannten 49 % der Befragten praktische Erfahrung mit KI-Agenten als eine der am schwersten zu findenden Kompetenzen bei Cybersecurity-Einsteigern. 48 % verwiesen auf fehlende technische Tiefe, 45 % auf überfachliche Fähigkeiten.

Die Befragten durften bis zu drei Antworten auswählen. Die Werte ergeben daher zusammen mehr als 100 % und sind nicht als eindeutige Rangfolge zu verstehen. Das Konsortium weist selbst darauf hin, dass die drei Ergebnisse mit einem Abstand von nur vier Prozentpunkten als Gruppe betrachtet werden sollten.

Deutsche 44-%-Angabe nur eingeschränkt einzuordnen

Für Deutschland nennt Cisco in einer Mitteilung zusätzliche Ergebnisse. Demnach bezeichneten 50 % der deutschen Befragten technische Tiefe als schwer zu findende Kompetenz bei Einsteigerinnen und Einsteigern. 44 % nannten praktische Erfahrung mit KI-Agenten und 38 % kritisches Denken.

Diese Deutschland-Zahlen sind bislang nicht in der öffentlich zugänglichen Fassung des Reports dokumentiert. Cisco nennt weder die Größe noch die Zusammensetzung der deutschen Teilstichprobe. Auch Angaben zur Gewichtung und zur statistischen Unsicherheit fehlen. Die 44 % können deshalb nur als Ergebnis der von Cisco befragten deutschen Teilnehmenden wiedergegeben werden, nicht als repräsentative Aussage über sämtliche IT-Entscheider in Deutschland.

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Report empfiehlt praxisbezogene Lernformen

Aus den Ergebnissen leitet das AI Workforce Consortium Empfehlungen für Bildungseinrichtungen und Unternehmen ab. Die Autoren sprechen sich für Lernumgebungen aus, in denen Teilnehmende realitätsnahe und ergebnisoffene Sicherheitsprobleme bearbeiten. Dabei sollen sie auch üben, fehlerhafte Ergebnisse von KI-Agenten zu erkennen, zu überprüfen und ihre Bewertung nachvollziehbar zu begründen.

Ob solche Lernformen die vom Konsortium festgestellten Kompetenzlücken tatsächlich verringern, wurde in der Untersuchung nicht überprüft. Die Aussagen zur Ausbildung sind daher Empfehlungen der Autoren und keine empirisch belegten Wirkungsnachweise.



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