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Bau

Bundeswehr baut im Eiltempo und schafft 54.000 zusätzliche Betten

28. August 2026

Ein vorgefertigtes Raummodul wird per Kran an seinen Platz gehoben
Ein vorgefertigtes Raummodul wird per Kran an seinen Platz gehoben. Auch beim G-CAP-Programm der Bundeswehr sollen standardisierte und industriell vorgefertigte Bauteile die Bauzeit deutlich verkürzen. Foto: picture alliance / SZ Photo | Harry Wolfsbauer
300 Gebäude, 54.000 Betten, 4,6 Mrd. €: Die Bundeswehr beschleunigt den Kasernenbau mit Fertigteilen, BIM und festen Zehn-Monats-Fristen.
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Die Bundeswehr will rund 300 neue Gebäude in etwa 130 Kasernen errichten. Mehr als 54.000 zusätzliche Betten sollen entstehen. Kostenpunkt: rund 4,6 Mrd. €. Wie stark das Bauprogramm auf Geschwindigkeit getrimmt ist, zeigt ein Paket mit 25 Gebäuden: Nach jedem Abruf bleiben der Arbeitsgemeinschaft um Wolff & Müller drei Monate für Planung und Vorbereitung und sieben Monate für den schlüsselfertigen Bau.

Rund 300 Gebäude innerhalb weniger Jahre, verteilt über fast ganz Deutschland: Mit G-CAP Inland Stufe 1 startet die Bundeswehr ein Bauprogramm, das sich deutlich von klassischen Einzelprojekten unterscheidet. Die Gebäude werden typisiert, Planung und Bau gebündelt vergeben und möglichst viele Bauteile industriell vorgefertigt.

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Am 27. August 2026 wurden die Rahmenverträge auf der Hardthöhe in Bonn unterzeichnet. Das gesamte Auftragsvolumen beziffert die Bundeswehr auf rund 4,6 Mrd. €. Geplant sind Gebäude in etwa 130 Bundeswehrliegenschaften, darunter Unterkünfte, Funktionsbereiche, Lehrsäle und Waffenkammern. Mehr als 54.000 zusätzliche Betten sollen geschaffen werden. Die ersten 14 Gebäude sollen bereits ab Ende des ersten Halbjahres 2027 genutzt werden können.

Inhaltsverzeichnis

Sieben Lose für ein bundesweites Bauprogramm

Die Bundeswehr hat Deutschland für G-CAP Inland Stufe 1 in sieben regionale Lose aufgeteilt. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) führte die Ausschreibung im Auftrag der Bundeswehr durch. Insgesamt sind sieben Unternehmen an dem Programm beteiligt.

Die Vergabe unterscheidet sich deutlich von einem gewöhnlichen Bauauftrag. Die Unternehmen sollen nicht lediglich fertige Pläne umsetzen. Laut Zuschlagsbekanntmachung umfasst ihre Leistung Planung, Lieferung, Errichtung und Anschluss der bezugsfertigen Gebäude. Hinzu kommen Objekt-, Fach- und TGA-Planung, Dokumentation, Inbetriebnahme sowie Wartungsleistungen während der Gewährleistungszeit.

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Pro Los können bis zu zwei Auftragnehmer gebunden werden. Für die einzelnen Bauvorhaben gibt es anschließend keinen neuen Wettbewerb. Die ersten drei Abrufe gehen an den Anbieter auf Rang eins, die nächsten drei an Rang zwei. Danach beginnt die Reihenfolge erneut. Dieses rollierende Verfahren läuft bis zum Ende der vierjährigen Rahmenvereinbarungen oder bis die jeweilige Höchstmenge erreicht ist.

Die aktuelle Planung der Bundeswehr spricht von rund 300 Gebäuden. Die Vergabe lässt allerdings Spielraum: Als Höchstmenge sind bis zu 335 Unterkunfts- und Funktionsgebäude über alle sieben Lose festgelegt.

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Bei 25 Gebäuden beginnt nach dem Abruf der Zehn-Monats-Countdown

Wie knapp die Termine werden können, zeigt das Paket von Wolff & Müller, OBG und Lechner. Die Arbeitsgemeinschaft kommt in den Losen 6 und 7 zum Zug und soll insgesamt 25 Unterkunfts- und Ausbildungsgebäude realisieren.

Zwölf davon sind für Baden-Württemberg vorgesehen, weitere 13 für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Arbeitsgemeinschaft beziffert das Volumen ihrer beiden Rahmenverträge auf rund 370 Mio. €.

Nach einem Einzelabruf läuft die Uhr. Nach Angaben von Wolff & Müllerstehen zunächst drei Monate für Planung, Arbeitsvorbereitung und die erforderlichen Verfahren zur Verfügung. Anschließend bleiben sieben Monate, um das jeweilige Gebäude schlüsselfertig zu errichten.

Die zehn Monate beziehen sich damit ausdrücklich auf die von dieser Arbeitsgemeinschaft übernommenen Einzelprojekte. Sie bedeuten nicht, dass alle 25 Gebäude gemeinsam innerhalb von zehn Monaten fertiggestellt werden müssen. Die Abrufe verteilen sich über die Laufzeit des Rahmenvertrags und können parallel an verschiedenen Standorten laufen.

Eine klassische Baugenehmigung ist nicht vorgesehen

Wolff & Müllerspricht in seiner Mitteilung von drei Monaten für Planung, Arbeitsvorbereitung und „Genehmigung“. Dabei gelten für Bundeswehrbauten besondere Regeln.

In den von Bundeswehr und BLB NRW veröffentlichten G-CAP-Projektunterlagen heißt es ausdrücklich, dass keine klassische Baugenehmigung erforderlich ist. Stattdessen greift bei Anlagen, die der Landesverteidigung dienen, ein privilegiertes Kenntnisgabeverfahren. Die zuständige obere Bauaufsichtsbehörde wird vor Baubeginn informiert.

Das bedeutet allerdings nicht, dass für die Gebäude niedrigere technische Anforderungen gelten. Die materiellen Vorgaben der jeweiligen Landesbauordnung bleiben bestehen. Dazu gehören insbesondere Brandschutz und Standsicherheit. Die veröffentlichten Unterlagen stammen aus der Vergabevorbereitung vom Oktober 2025 und waren dort noch als Arbeitsstand gekennzeichnet.

Vier Typen, zwölf Varianten

Das hohe Tempo soll vor allem durch Wiederholung entstehen. Wolff & Müller, OBG und LECHNER arbeiten mit vier Gebäudetypen in drei Formen. Daraus ergeben sich zwölf Grundvarianten.

Standardisiert werden insbesondere Rohbauelemente, TGA-Zentralen und Dachelemente. Beim Tragwerk setzt die Arbeitsgemeinschaft weitgehend auf Betonfertigteile, die innerhalb der Unternehmensgruppe hergestellt werden sollen.

Bei anderen G-CAP-Auftragnehmern sieht die Lösung anders aus. ALHO beispielsweise will dreidimensionale Raummodule einsetzen, die im Werk bis zu 70 % vorgefertigt werden. Während auf der Baustelle bereits die Gründung entsteht, können parallel die Module produziert werden.

Das Programm schreibt damit nicht ein einziges Bausystem für alle Auftragnehmer vor. Bereits die Projektplanung bezeichnete die Bauweise als „modular, variabel, systemoffen“ und nannte Raumzellen oder Fertigteile sowie Holz-, Stahl- und Betonkonstruktionen als mögliche Lösungen.

Wie weit sich Gebäude standardisieren lassen, ohne jede Anpassbarkeit zu verlieren, ist auch außerhalb der Bundeswehr ein zentrales Thema. ingenieur.de hat bereits ausführlich untersucht, warum serielles Bauen in Deutschland trotz seines Potenzials bislang nur langsam vorankommt.

Die Kaserne bestimmt, was angepasst werden muss

Ein typisiertes Gebäude löst nicht alle Planungsaufgaben. Die 25 Standorte der Arbeitsgemeinschaft unterscheiden sich beispielsweise bei Zufahrt, vorhandener Infrastruktur und Medienanschlüssen. Diese Bedingungen müssen jeweils in die Planung integriert werden.

Auch die Bundeswehr hatte diesen Punkt bereits während der Programmvorbereitung berücksichtigt. Die damaligen Unterlagen sahen neben dem eigentlichen Gebäude zusätzliche Bausteine für Baufeldherrichtung, Außenanlagen und gegebenenfalls eine temporäre Medienversorgung vor. Reicht das vorhandene Netz einer Kaserne nicht aus, kann für die Übergangszeit eine separate Versorgung notwendig werden.

Damit bleibt trotz Standardisierung ein erheblicher Teil der Planung standortabhängig. Gründung, Erschließung, Anschlüsse und Außenanlagen lassen sich nicht ohne Weiteres von einer Kaserne auf die nächste übertragen.

Ein anderes Beispiel dafür, wie Vorfertigung und individuelle Anforderungen zusammenkommen, ist der neue Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. ingenieur.de hat den mehrgeschossigen Holzmodulbau und seine konstruktiven Grenzen ausführlich vorgestellt.

BIM gehört zum Konzept

Die kurze Planungszeit verlangt, dass Architektur, Tragwerk, TGA und Vorfertigung früh aufeinander abgestimmt werden. In den G-CAP-Unterlagen ist deshalb die Umsetzung von Planung und Ausführung mit Building Information Modeling (BIM) vorgesehen.

Der Auftragnehmer soll die BIM-Gesamtkoordination übernehmen, einen BIM-Abwicklungsplan erstellen und fortschreiben sowie eine gemeinsame Datenumgebung, eine sogenannte Common Data Environment, für Austausch und Freigaben nutzen.

Auch Wolff & Müller, OBG und Lechner planen ihre 25 Gebäude mit BIM. Auf den Baustellen kommen zusätzlich Lean-Construction-Methoden zum Einsatz. Nach Angaben der Unternehmen sollen damit Abläufe und Schnittstellen zwischen Planung, Fertigung und Montage gesteuert werden.

Max Bögl, das mit drei Losen und 102 Gebäuden einen großen Teil des Gesamtprogramms übernimmt, setzt ebenfalls auf industrielle Vorfertigung und BIM. Standardisierte Fertigteile entstehen in eigenen Werken; auch bei der TGA sollen vorkonfektionierte Komponenten verwendet werden.

Nicht alle neuen Unterkünfte sind Container

Der Zeitdruck beim Ausbau der Bundeswehr-Infrastruktur führt derzeit zu mehreren parallelen Bauprogrammen. G-CAP sollte dabei nicht mit kurzfristigen Containerlösungen gleichgesetzt werden.

Die Bundeswehr bezeichnet die Gebäude als standardisierte Unterkunfts- und Funktionsgebäude. Die während der Ausschreibung vorgestellten Lösungen umfassten mehrgeschossige Systembauten aus unterschiedlichen Materialien. Auch die inzwischen ausgewählten Anbieter setzen auf sehr unterschiedliche Konzepte – vom Betonfertigteil bis zum dreidimensional vorgefertigten Raummodul.

Dass serielle Bauweisen bei der Bundeswehr bereits funktionieren können, zeigt ein Projekt in Walldürn. Dort entstehen vier Unterkunftsgebäude mit 300 Unterkünften in serieller Modulbauweise. Rund sechs Monate nach Baubeginn meldete die Bundeswehr im Juli 2026 bereits Richtfest.

Der erste große Test beginnt noch 2026

Bei der Arbeitsgemeinschaft aus Wolff & Müller, OBG und Lechner sollen bis Ende September 2026 zunächst die wesentlichen Planungsgrundlagen feststehen. Dabei geht es vor allem darum, welche Bauteile und Lösungen an allen Standorten unverändert übernommen werden können. Die ersten Abrufe sind noch für 2026 angekündigt.

Bundesweit sollen die ersten 14 G-CAP-Gebäude ab Ende des ersten Halbjahres 2027 fertig sein. Dann lässt sich erstmals in größerem Maßstab beurteilen, wie stark sich die Kombination aus Rahmenvertrag, standardisierten Gebäudetypen, BIM und industrieller Vorfertigung auf die Bauzeiten auswirkt.

Für den öffentlichen Hochbau ist das Projekt auch deshalb interessant, weil viele der sonst getrennten Schritte in einem Vertragspaket zusammengeführt werden. Einen anderen Weg zu stärker integrierter Planung und Ausführung verfolgt die Bundeswehr beim milliardenschweren Campus der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Dort setzt sie auf Integrierte Projektabwicklung mit einem Mehrparteienvertrag.

Quellen



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