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Am Biodiesel scheiden sich die Geister

31. August 2001

Grüner tanken. Tanksäule mit Gras und Feldern
Grüner tanken.
Foto: panthermedia.net/Christoph Jungbluth
An rund 1000 Tankstellen in Deutschland wird Biodiesel angeboten. Fast alle Dieselfahrzeuge können mit dem genormten RME-Kraft­stoff auf Rapsölbasis betrieben werden. Laut Umwelt­bundes­amt hat der Rapsmethylester aber nur eine mäßige Ökobilanz und ist volkswirt­schaftlich nicht sinnvoll. Darüber hinaus sind die Autofahrer durch Motorschäden so verunsichert, dass sie nicht den preiswerten Biodiesel tanken.
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Volkswagen tut es, BMW und Skoda tun es und neuerdings viele andere auch. Sie öffnen die Tanks für Biodiesel. Die Hersteller haben die Fahrzeuge ihrer Dieselflotten inzwischen fast flächendeckend für den Betrieb mit Rapsmethylester (RME oder landläufig Biodiesel) freigegeben. Dafür müssen die Kraftstoffleitungen der Autos auf das etwas aggressivere RME abgestimmt werden. Auch wer einen älteren Diesel-Pkw fährt, kann nach einer Umrüstung der Leitungen ohne Probleme auf den nachwachsenden Kraftstoff umsteigen. Dabei ist es völlig unproblematisch, den mineralischen Diesel und den pflanzlichen RME zu mischen. Der Autofahrer ist also keineswegs nur auf Biodiesel-Tankstellen angewiesen.

Allerdings ist laut Dieter Bockey, Geschäftsführer der Qualitätsmanagement Biodiesel e.V., nach zwei bis drei Tankfüllungen Vorsicht geboten: „Wer bislang herkömmlichen Diesel getankt hat, muss damit rechnen, dass sich der Kraftstofffilter zusetzt, weil der Ökosprit Ablagerungen löst.“ Doch nach diesen anfänglichen Problemen ist Biodiesel aufgrund seiner guten Schmiereigenschaften für die Motoren sogar günstiger, als normaler Diesel, so Bockey. In erster Linie ist RME jedoch wegen seines Preises attraktiv. Gut 20 Pf/1 können Dieselfahrer sparen, wenn sie den von Mineralöl und Ökosteuer befreiten Kraftstoff tanken.

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Dass das Produkt ökologisch unbedenklich ist, wird vom Umweltbundesamt (UBA) allerdings bezweifelt. Biodiesel hat eine mäßige Ökobilanz und ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, erklärte Matthias Tappe vom UBA gegenüber den VDI nachrichten und spricht konsequent von RME statt von „Biodiesel“. Zwar setze RME bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid (C02) frei, wie die Rapspflanzen im Zuge der Photosynthese absorbieren, doch müsse in die Ökobilanz eingerechnet werden, dass auch die Produktion der Grundstoffe Raps und Methanol das Spurengas C02 freisetzt. Das tatsächliche Einsparpotenzial von C02 gegenüber herkömmlichem Diesel schwanke zwischen 30 % und 80 %.

Der Schlüssel, um 80 % CO2 einzusparen, liegt beim Glycerin, einem Nebenprodukt der RME-Herstellung, erklärte Joachim Gerhard von Nevest New Energy Wiesbaden. Je mehr davon genutzt werde, um synthetisches Glycerin zu ersetzen, desto weniger C02 gelange in die Atmosphäre. Immerhin falle bei der Veresterung von Rapsöl zu RME auf zehn Teile Rapsmethylester ein Teil hochwertiges Glycerin an, das entgegen den Prognosen des UBA von der chemischen Industrie und der Kosmetikbranche gern abgenommen werde.

Gerhard, Sprecher des stark expandierenden Biodiesel-Unternehmens, verweist darauf, dass Nevest bereits das Glycerin aus einer Veresterungsanlage verkauft habe, die erst im Bau ist. Von Absatzschwierigkeiten könne man da wohl kaum sprechen, so Gerhard. Käuferin sei die BASF, auf deren Gelände im brandenburgischen Schwarzheide bei Lauchhammer die Anlage für 50 Mio. DM errichtet wird. Die Nevest-Tochter Biodiesel Schwarzheide GmbH soll ab Anfang 2002 jährlich 100 000 t Biodiesel und 30 000 t Pharmaglycerin (20 000 t aus Zukäufen) produzieren.

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Auch bei einem weiteren Argument des UBA gegen RME winken die Biodieselhersteller ab. Das Umweltamt hatte prognostiziert, dass mit Biodiesel auf Basis von heimischem Raps nur „0,5 % des Dieselbedarfs in Deutschland gedeckt werden kann“. Die Branche geht dagegen von 5 % bis 10 % aus, bereits jetzt würden 400 000 t jährlich produziert, bei einem Absatz in Deutschland von insgesamt 26 Mio. t mineralischem Diesel. „Der RME-Anteil steigt ständig“, erklärte Bockey, „in einem Jahr wird die jährliche Produktion bereits das Doppelte der heutigen betragen.“ In ganz Deutschland sind Biodieselanlagen im Bau, einige mit Kapazitäten von 100 000 t jährlich. Die Anbieter bedienen jeweils ihre Region und versuchen auch, den Raps aus dem näheren Umkreis zu beziehen.

Die hohen Mineralölpreise haben die Branche beflügelt. So sehr, dass auch die Bauern inzwischen recht gute Preise für Raps erzielen, heißt es. Für sie bringe der Boom einige Vorteile. Der Raps darf auf Flächen angebaut werden, die sie im Rahmen der Fruchtfolge brach liegen lassen müssten. Sie können also sonst brach liegende Flächen nutzen, werden dort Gülle los, weil der Raps stickstoffreiche Böden liebt, und gewinnen mit dem Rapsschrot, der in Ölmühlen als Abfallprodukt anfällt, zudem hochwertiges Futter für ihre Tiere.

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Sorgen bereitet der Biodieselbranche derzeit vor allem das negative Bild des Biodiesels in Medien und Öffentlichkeit. Es wurde von Motorschäden durch RME und vor allem von defekten Einspritzpumpen berichtet. Bockey vom Verein Qualitätsmanagement Biodiesel bezweifelt, dass die Schäden auf genormten Kraftstoff zurückzuführen sind. Er vermutet, dass im Zuge des Booms minderwertige Kraftstoffe in die Zapfsäulen gelangten und einige Autofahrer unverestertes Rapsöl aus dem Lebensmittelgeschäft getankt haben. Um die Qualität zu sichern, werden schon jetzt stichprobenartig Tankstellen überprüft und Produktionsanlagen getestet. Dieselfahrern rät Bockey dringend, darauf zu achten, dass an der Zapfsäule ein Hinweis auf die Norm E DIN 51606 angebracht ist. Im Zweifelsfall solle man lieber normalen Diesel tanken. Denn wenn die Branche eines nicht gebrauchen kann, so Bockey, dann sind das Motorschäden durch schlechte Qualität von Biodiesel.

Biodiesel

Kraftstoff vom Acker

Rapsmethylester (RME), umgangssprachlich Biodiesel genannt, wird in Deutschland inzwischen flächendeckend angeboten. Der Kraftstoff ist gut 20 Pf/l billiger als herkömmlicher Diesel und kann unter Berücksichtigung technischer Maßnahmen fast problemlos getankt werden. (Informationen im Internet, z.B. unter www.ufop.de und www.biodiesel.de, geben Auskunft über den Umgang mit dem nachwachsenden Kraftstoff.) Das Umweltbundesamt (UBA) bewertet den Biodiesel negativ. Die Hersteller hingegen wollen ihre Produktionskapazität in den nächsten Jahren um ein Vielfaches steigern. Statt Biodiesel zu subventionieren, so das UBA, solle die Bundesregierung das Geld lieber in die Isolierung von Gebäuden investieren. Damit könne wesentlich mehr C02 eingespart werden. Von Vorteil sei der zu 100 % biologisch abbaubare Kraftstoff jedoch für den Gewässerschutz. Binnenschiffer und Landwirte sollten Biodiesel tanken. Öle auf Rapsbasis seien als Hydraulikflüssigkeiten und Kettenöle ein wertvoller ökologischer Beitrag. PT

 



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