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Bau

Nebukadnezar II. und die Reparatur eines 2500 Jahre alten Tempels

11. Januar 2026

Ruinen der Zikkurat von Kisch
Die Ruinen der Zikkurat von Kisch in Tell Al-Uhaimir im Irak. Neue Tonzylinder liefern erstmals einen schriftlichen Beleg für ihre Restaurierung. Foto: Smarterpix / coddie
Neue Keilschrifttexte zeigen, wie Nebukadnezar II. die Zikkurat von Kisch instand setzen ließ – und warum Religion dabei eine Rolle spielte.
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Manchmal schließen kleine Funde große Lücken. Zwei unscheinbare Tonzylinder aus dem Irak zeigen genau das. Sie liefern erstmals einen zusammenhängenden Text zur Restaurierung der Zikkurat von Kisch – eines Tempelturms, der vor rund 2.500 Jahren bereits als alt galt. Die Inschriften stammen aus der Zeit von Nebukadnezar II und gelten als der früheste bekannte Gründungstext, der nicht den Neubau, sondern die Instandsetzung eines solchen Bauwerks beschreibt.

Inhaltsverzeichnis

Zufälliger Fund von zwei Einwohnern

Entdeckt wurden die beiden Zylinder nicht bei einer systematischen Ausgrabung. Im Jahr 2013 fanden zwei Einwohner sie zufällig an der Oberfläche von Tell Al-Uhaimir. Unter diesem Hügel liegen die Reste der antiken Stadt Kisch, westlich des heutigen Bagdads. Die Finder übergaben die Stücke der staatlichen Antikenbehörde. Erst danach begann die wissenschaftliche Arbeit.

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Beide Zylinder bestehen aus gebranntem Ton. Sie sind rund 15 cm lang, tonnenförmig und mit Keilschrift versehen. Der Text ist jeweils in zwei Spalten gegliedert. Inhaltlich sind die Inschriften nahezu identisch. Genau das ist kein Zufall. Solche Objekte dienten in Mesopotamien als Gründungsdokumente. Herrscher ließen sie bewusst an oder in Bauwerken deponieren.

Was bisher fehlte

Archäologinnen und Archäologen wussten schon lange, dass Nebukadnezar II. an der Zikkurat von Kisch arbeiten ließ. Dafür sprechen gestempelte Ziegel mit seinem Namen, die bei früheren Ausgrabungen gefunden wurden. Doch diese Ziegel sagten wenig über den Zweck der Arbeiten aus. Ging es um Erweiterung, Reparatur oder bloße Verschönerung?

Die Tonzylinder liefern nun eine klare Antwort. Der Text beschreibt einen Bau, der mehrfach errichtet und wiederhergestellt wurde. Ein „König der Vergangenheit“ habe die Zikkurat ursprünglich gebaut. Ein weiterer Herrscher habe sie später repariert. Doch mit der Zeit seien die Mauern erneut instabil geworden. Regen habe das Mauerwerk ausgewaschen.

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Wörtlich heißt es: „… die Zikkurat von Kisch, die ein König der Vergangenheit erbaut hatte, aber deren Mauern sich verbogen hatten … doch im Laufe der Zeit wurde sie (wieder) schwach, und Regenschauer trugen ihr Mauerwerk fort.“ Das klingt nüchtern – und ist es auch. Der Text beschreibt typische Schäden von Lehmziegelarchitektur in einer Region, in der Wasser ebenso zerstörerisch sein kann wie Hitze.

Reparieren statt neu bauen

Bemerkenswert ist der Blick auf das Bauverständnis. Nebukadnezar II. präsentiert sich nicht als Schöpfer eines neuen Monuments, sondern als Bewahrer. Er ordnet sich bewusst in eine lange Abfolge von Bauherren ein. Für heutige Leser*innen wirkt das fast modern. Instandhaltung war bereits damals ein politisches und technisches Thema.

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Technische Details nennt der Text kaum. Keine Maße, keine Bauverfahren. Stattdessen betont er Stabilisierung, Wiederaufbau eingestürzter Bereiche und die äußere Erscheinung. Der König schreibt, er habe das Bauwerk „verschönert“ und „wie das Tageslicht leuchten lassen“. Das ist religiös aufgeladen, verweist aber zugleich auf Fassadenarbeiten und strukturelle Sicherung.

Götter als Auftraggeber

Wie fast alle königlichen Inschriften aus Mesopotamien ist auch dieser Text religiös gerahmt. Nebukadnezar II. erklärt, die Götter der Stadt hätten ihn zur Restaurierung bewegt. Im Mittelpunkt stehen Zababa, der Kriegsgott von Kisch, und die Göttin Ishtar.

Dr. Ahmed Ali Jawad, Mitautor der Studie, ordnet das so ein:

„Zababa ist der Gott des Krieges, seine Frau Ishtar ist die Göttin des Krieges und der Liebe. Die meisten Götter und ihre Frauen wurden im alten Mesopotamien im selben Tempel verehrt.“

Religion, Macht und Bauwesen lassen sich hier nicht trennen. Wer Tempel instand hielt, bewies Frömmigkeit – und sicherte zugleich seine Herrschaft.

Die Frage der namenlosen Vorgänger

Auffällig bleibt, dass Nebukadnezar II. seine Vorgänger nicht namentlich nennt. Archäologisch sind mehrere Bauphasen belegt, die bis in die Zeit Hammurabis um 1750 v. Chr. zurückreichen. Auch spätere Restaurierungen gelten als wahrscheinlich.

Warum also diese Leerstelle? Die Forschenden bleiben vorsichtig. Dr. Jawad sagt dazu:

„Es ist schwer zu beantworten, warum er sie nicht erwähnt hat.“

Ein Grund könnte im Fundumstand liegen. Da die Zylinder nicht an ihrem ursprünglichen Platz gefunden wurden, fehlt der Kontext. Möglich ist auch, dass der König bewusst auf Namen verzichtete, um die eigene Rolle zu betonen.

Einordnung aus Sicht moderner Bauwerksinstandhaltung

Aus heutiger ingenieurtechnischer Perspektive ist der Text bemerkenswert nüchtern. Nebukadnezar II. beschreibt kein Prestigeprojekt, sondern ein klassisches Instandhaltungsproblem. Die geschilderten Schäden entsprechen exakt den bekannten Schwachstellen von Lehmziegelbauten.

  • Erstens: Materialermüdung. Lehmziegel verlieren bei wiederholter Feuchtebelastung ihre Tragfähigkeit. Das führt zu Setzungen und zum „Verbiegen“ von Mauern – ein Begriff, den der Text sinngemäß verwendet.
  • Zweitens: Erosionsschäden. Regen wäscht das Mauerwerk aus. Ohne Schutzschichten oder regelmäßige Reparaturen schreitet der Substanzverlust schnell voran. Der Text benennt dieses Problem klar und ohne religiöse Überhöhung.
  • Drittens: Bauwerkszyklen. Entscheidend ist weniger die einzelne Reparatur als die Erkenntnis dahinter. Die Zikkurat wird als Bauwerk verstanden, das über Generationen gepflegt werden muss. Das entspricht modernen Konzepten der Bauwerksunterhaltung, etwa bei Brücken, Dämmen oder historischen Gebäuden.

Auffällig ist auch, was fehlt: Keine Angaben zu Maßen, keine Konstruktionsdetails, keine Materialrezepte. Das deutet darauf hin, dass der Text nicht für Baumeister gedacht war, sondern für Nachwelt und Götter. Die technische Umsetzung blieb implizites Wissen der damaligen Fachkräfte.

Hier geht es zur Originalpublikation



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